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Panorama Sind Sie seit dem Fasten ein neuer Mensch, Susanne Fröhlich?
Nachrichten Panorama Sind Sie seit dem Fasten ein neuer Mensch, Susanne Fröhlich?
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22:00 04.01.2019
Mehr als „Moppel-Ich“: Susanne Fröhlich ist Journalistin, Radio- und Fernsehmoderatorin und Bestsellerautorin. Quelle: Gaby Gerster

Frau Fröhlich, was bedeutet Ihnen Nahrung?

Nahrung ist für mich essenziell. Ich bin quasi ein menschlicher Labrador. Ich bin mit Nahrung immer zu kriegen und kein bisschen mäkelig. Es gibt Leute, für die hat Essen keinen hohen Stellenwert. Bei mir ist das anders: Ich liebe Essen. Ich liebe den Genuss. Ich bin einfach verfressen.

Kürzlich haben Sie fünf Wochen lang gefastet. Für jemand so Verfressenen wie Sie war das sicher eine Tortur. Warum haben Sie sich das angetan?

Aus reiner Verzweiflung. Bei mir wurde Rheuma diagnostiziert. Mir ging es mies, ich litt unter starken Schmerzen. Und dann lief da plötzlich eine Fastendokumentation im Fernsehen. Ich bin überhaupt kein esoterischer Mensch, aber dieses Fasten wirkte wie ein Ausweg. Ich sprach mit meinen Ärzten und wir waren uns einig: Einen Versuch ist es wert. Schlimmer geht’s nimmer, kosten tut’s auch nichts, also rein ins Fastenabenteuer. Aber bis zum Schluss blieb ich skeptisch, ob es überhaupt was bringt.

Warum? Es gibt heute etliche Studien, die belegen, dass Fasten gegen Rheuma hilft.

Ich weiß. Aber ich wollte nicht glauben, dass man durch nichts heilen kann. Außerdem machte mir die Vorstellung, fünf Wochen lang nichts zu essen, regelrecht Angst. Der Gedanke war unvorstellbar. Ich dachte: Gott, das wird ja eine grauenvolle Zeit. Und ich hatte Zweifel, ob ich das durchhalten kann. Ich bin kein schwacher Mensch, aber nichts zu essen hat etwas Elementares. Essen ist mehr als nur schnöde Nahrungsaufnahme. Es schafft Struktur am Tag, sorgt für Abwechslung und Geselligkeit. Essen bringt Energie, spendet Trost oder dient als Belohnung.

Wieso haben Sie es dann trotzdem gewagt?

Weil ich mich kaum noch bewegen konnte. Das Rheuma wurde immer schlimmer, die Entzündung steckte tief in meiner Hüfte und meinen Schultern, jeder Schritt war eine Tortur. Mit klassischen Medikamenten wie Kortison kam ich nicht weiter. Im Gegenteil: Ich bekam wahnsinnig viel Hunger davon, nahm stark zu und sah wie aufgeblasen auf. Ich wollte nicht mein Leben lang Kortison schlucken müssen, ich wollte weg davon. Das Fasten war gewissermaßen die Flucht nach vorn. Ich tröstete mich dabei mit dem Gedanken: Wenn es zu schlimm ist, höre ich einfach wieder auf. Dann esse ich einfach wieder etwas. Ich habe nichts zu verlieren.

Wie haben Sie das Fasten dann erlebt?

Der Anfang ist hart. Bis mein Körper sich umgestellt und eingesehen hatte, von oben kommt nichts mehr, war er nicht gerade gut gelaunt. Er maulte und pöbelte. Ich bekam großen Hunger. Dann bekam ich mehr Hunger. Dann dachte ich, wie soll ich das überleben? Dann überlebte ich es erstaunlicherweise, wachte am nächsten Morgen auf und hatte weniger Hunger. Der Körper ist clever, er holt sich seine Energie anderswo. Dann habe ich gemerkt: Das ist gar nicht so schlimm, das kann ich überstehen. Und dann kamen die berauschenden Gefühle. Ich war in einem richtigen Fasten-Hoch.

Wie muss man sich das vorstellen?

Man ist wahnsinnig stolz auf sich selbst, denn man schafft etwas, das man vorher nicht für möglich gehalten hat. Man denkt, wenn ich das hier hinbekomme, kann ich vielleicht auch ganz andere Dinge meistern. Fasten ist wie Doping. Ich fühlte mich ganz klar im Kopf – so, als würde nicht nur mein Körper durchgekärchert, sondern auch mein Geist. Ich war irre fokussiert und voller Tatendrang. Ich brauchte weniger Schlaf, konnte besser arbeiten und hatte mehr vom Tag, schließlich musste ich weder kochen noch essen. Und ich verspürte einen großen Drang nach Reinheit. Normalerweise habe ich keinen Putzfimmel, aber plötzlich war ich wie im Wahn. Ich habe das ganze Haus ausgemistet, Raum für Raum entrümpelt und geschrubbt. Und als ich mit den äußeren Umständen fertig war, habe ich mir mein soziales Umfeld vorgeknöpft. Welche Freundschaft ist mir wichtig, welche schleppe ich nur noch mühsam mit mir herum? Das Fasten hat mich dazu gebracht, Ordnung in mein Leben zu bringen, in jeder Beziehung.

Das Fasten hilft laut Susanne Fröhlich beim Entrümpeln – nicht nur innerlich, sondern durchaus auch im Haus oder sozialen Umfeld. Quelle: Gaby Gerster

Woher diese Energie? Macht Nahrungsentzug nicht eher schlapp?

Natürlich gab es Tage, an denen fühlte ich mich körperlich etwas schwächer. Da kam ich nicht richtig in Schwung. Aber ich wusste, dass das ganz normal ist, weil beim Fasten der Blutdruck runtergefahren wird. Geistig war ich immer topfit.

Ist man während des Fastens in der Lage, Sport zu machen?

Und ob. Man sollte nicht gerade für einen Triathlon trainieren, aber leichter Sport und etwas Bewegung an der frischen Luft sind wichtig. Wer während des Fastens wie eine tote Koralle auf dem Sofa liegt und nur darauf wartet, dass die Zeit vorbeigeht, wird es schwer haben durchzuhalten. Ich bin begeisterte Läuferin und war, sobald die Rheumaschmerzen nachließen, auch während des Fastens viel joggen. Das tat mir gut.

35 Tage lang haben Sie, wenn man von einem Hustenbonbon absieht, nichts gegessen. Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Ja, mehrmals. Verzicht ist keine Riesenfreude, nicht immer war alles berauschend. Es gab immer wieder Tage, an denen hatte ich keine Lust mehr. An denen dachte ich: Was mache ich hier eigentlich? Was tue ich mir bloß an? Jetzt ist genug. Ich möchte essen. Ich möchte kauen. Ich möchte mich normal verhalten. Aber ich habe mir dann gesagt: Heute ist bloß ein blöder Tag. Ich warte noch etwas ab und schlafe eine Nacht drüber. Wenn das Fasten morgen immer noch so blöd ist, höre ich auf. Meistens bin ich dann am nächsten Tag aufgewacht und habe gedacht: So schlimm ist es doch gar nicht. Jetzt mache ich erst mal diesen Tag weiter, dann kann ich immer noch aufgeben. Auf diese Weise habe ich es bis zum Ende durchgehalten.

Ganz ohne Nahrung stirbt der Mensch. Was durften Sie beim Fasten zu sich nehmen, um dem vorzubeugen?

Fruchtsaft, Gemüsebrühe, Kräutertee und viel Wasser. Manchmal habe ich mir einen mit Wasser verdünnten Tomatensaft heiß gemacht und mir eingeredet: Das ist eine Suppe. Woraufhin mein Gehirn antwortete: Nein, das ist ein wässriger Tomatensaft. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Das Schöne am Fasten ist, man hat keinen Verhandlungsspielraum. Man kann nicht wie bei anderen Diäten sagen, ich genehmige mir einfach mal hundert Gramm mehr, davon wird die Welt nicht untergehen. Beim Fasten ist der Beschiss sehr viel schwieriger. Fasten heißt: keinerlei feste Nahrung, fertig, aus.

Und der Hunger?

War irgendwann weg. Das fand ich auch erstaunlich. Ich hatte natürlich Appetit, besonders wenn ich etwas Leckeres sah oder roch, aber Hunger hatte ich irgendwann nicht mehr. Das Einzige, was mir während des Fastens wirklich fehlte, war das Kauen. Wenn man wochenlang nur noch löffelt und schlürft, bekommt man richtig Lust, irgendwo kräftig reinzubeißen.

Ob beim Einkauf im Supermarkt, beim Treffen mit Freunden oder beim Vorbeigehen an einer Bäckerei – überall lauert Nahrung. Ich stelle es mir schwer vor, als Fastende den alltäglichen Versuchungen zu widerstehen.

Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen man anderen Menschen ihre Nahrung aus der Hand reißen und rufen möchte: „Gib das mir. Ich habe es wirklich verdient. Ich esse seit Wochen überhaupt nichts.“ Aber das sind kurze Momente, die gehen vorbei. Sobald man der Versuchung widerstanden hat, fühlt man sich gut. Man lernt das.

Ist es dennoch besser, sich zum Fasten zu Hause einzuigeln?

Nein. Natürlich kann man das Fasten zum Ausnahmezustand erklären und beschließen, in der Zeit nicht auszugehen. Aber ich finde es schwerer, allein zu Hause rumzusitzen, statt sich unter Menschen zu bewegen. Zu Hause geht die Zeit viel langsamer um. Außerdem ist mein Zuhause ein Ort, an dem ich gern und viel esse. Da ist mein Kühlschrank, mein Vorratskeller, mein Esstisch, mein Sofa – alles Dinge, die mit Essen verknüpft sind. Ich bin lieber rausgegangen, habe mich bewegt und abgelenkt. Ich habe mich auch mit Freunden in Restaurants getroffen und brav nichts als Wasser getrunken. Jedes Essen ist in der Regel in zwanzig Minuten erledigt, selbst bei langsamen Essern. Diese Zeit muss man aushalten, danach ist das Schlimmste vorbei.

Susanne Fröhlich bei einer Talkshow beim MDR in Leipzig, Quelle: dpa-Zentralbild

Als die fünf Wochen vorbei waren: Was hat das Fasten gebracht?

Meine Schmerzen waren weg. Ich konnte mich wieder uneingeschränkt bewegen. Ich konnte meinen Sport wieder machen. Kurzum: Das Rheuma war wie weggeblasen. Ich habe im Anschluss eine Blutuntersuchung machen lassen. Der Rheuma-Marker war komplett weg. Das hat selbst meine Ärzte beeindruckt. Und auch sonst: Ich hatte Werte wie eine gesunde Zwanzigjährige. Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, alles top. Alle Organe waren im Bestzustand.

Sie waren nach dem Fasten außerdem zehn Kilogramm leichter als zuvor. War Ihnen das wichtig?

Nein, das war ein hübscher Nebeneffekt. Ich hatte davor wegen des Kortisons sechs Kilo zugenommen, das hat mir nicht gefallen. Ich fand es also nicht schlecht, ein paar Kilo abzunehmen. Aber das war nicht meine Motivation. Abnehmen kann ich. Das habe ich mehrfach bewiesen. Abnehmen kann ich auch mit Essen.

Wann kamen die Kilos und Schmerzen zurück?

Nie ganz. Natürlich nimmt man nach dem Fasten etwas zu. Das ist ganz normal, der Darm füllt sich, der Körper speichert mehr Wasser. Aber ich wiege bis heute nur zwei Kilo mehr. Ich bin längst nicht mehr so moppelig wie früher. Und das Beste: Seit dem Fasten hatte ich keine einzige Hüftentzündung mehr, auch die Schultern sind brav. Sollte eine von beiden erneut mucken, faste ich einfach wieder.

Jahrzehntelang standen Sie mit Ihrem Speck in der Öffentlichkeit. Jetzt sind Sie super schlank. Sind Sie seit dem Fasten ein neuer Mensch?

Nein. Ich bin ein schlankerer Mensch geworden, aber nicht erst seit dem Fasten. Ich ernähre mich schon seit einiger Zeit gesünder. Ich verzichte etwa auf Fleisch, aber ich bin nicht hysterisch, was das angeht. Das Fasten wiederum hat meine Begierden nachhaltig beeinflusst. Nachdem ich fünf Wochen lang nichts gegessen habe, hatte ich nicht etwa Lust auf Streuselkuchen oder Pizza, sondern auf Kartoffeln, Obst und Gemüse. Beim Gedanken an ein Stück Kohlrabi lief mir das Wasser im Mund zusammen. Das hat mich überrascht. Wer mich kennt, weiß, Rohkost war früher nicht so meins. Nicht nur die Gelüste ändern sich, auch die Essgewohnheiten. Da man gelernt hat, dass man es schaffen kann, gar nichts zu essen, schafft man es plötzlich auch, statt fünf Brotscheiben nur eine zu essen.

Basenfasten, Schrothkur, intermittierendes Fasten – es gibt inzwischen etliche Formen des gesundheitsbringenden Nahrungsverzichts. Ist Fasten eine Modeerscheinung?

Fasten ist sicherlich gerade irgendwie im Trend. Das liegt aber auch daran, dass es viele neue Erkenntnisse gibt. Früher wurden Fastende immer etwas belächelt. Man hat sie für merkwürdig esoterisch oder streng religiös gehalten. Heute weiß man, dass Fasten viele Sachen heilen kann. Das kann man gar nicht mehr diskutieren, das ist Fakt. Und das hat offenbar nicht nur mich überzeugt.

Gerade zum Jahresanfang nehmen sich viele Menschen vor zu fasten. Ist das der ideale Zeitpunkt?

Den idealen Zeitpunkt zum Fasten gibt es eigentlich nie. Das ist wie mit dem Kinderkriegen oder dem Beginn einer Diät. Immer gibt es Einwände: Da feiert Tante Hilde ihren 50., da ist Hochzeit, da fahren wir in den Urlaub. Aber tatsächlich ist der Jahresanfang gut zum Fasten, weil man über die Feiertage so viel gegessen hat, dass man denkt: Es reicht, ich kann keine Gans mehr sehen. Außerdem ist man zum Jahresbeginn besonders motiviert. Mit guten Vorsätzen sollte man zwar vorsichtig sein, aber besser könnte der Zeitpunkt kaum sein. Zumal der Januar finanziell ein echter Mist-Monat ist, da liegt das teure Weihnachten hinter uns, da werden alle Versicherungen fällig. Weniger Ausgaben für Essen zu haben kann im Januar also nicht schaden.

Susanne Fröhlich: Fröhlich Fasten! Quelle: Gräfe und Unzer

Zur Person: Susanne Fröhlich

Ihr Name ist Programm: Wenn man mit Susanne Fröhlich spricht, muss man irgendwann unweigerlich lachen. Humor, den hat die Autorin aus dem Taunus definitiv. Selbst die unbequemsten Dinge klingen bei ihr unterhaltsam, wie die zahlreichen Leser ihrer Abspeck-Bibel „Moppel-Ich“ bestätigen werden. Mit jenem Werk, für die „Bild“-Zeitung das „lustigste Abnehmbuch der Welt“, gelang Fröhlich 2005 der Durchbruch. Mehr als eine Million Mal hat sich „Moppel-Ich“ seither verkauft.

Ursprünglich hatte Fröhlich jedoch ganz andere Pläne: Vier Semester lang studierte die Notarstochter aus Frankfurt Jura, bevor sie Journalistin wurde. Ihr Debüt feierte sie 1984 beim Hessischen Rundfunk, viele Jahre moderierte sie dort im Radio die Singlesendung „Ausgehspiel“. Inzwischen ist die heute 56-Jährige auch im Fernsehen präsent, etwa einmal im Monat im MDR mit ihrem Literatur-Talk „Fröhlich lesen“.

Bücher sind mittlerweile auch ihr Hauptgeschäft: Von „Familienpackung“ bis „Runzel-Ich“ – 27 Ratgeber und Romane hat sie bis dato geschrieben, etliche davon ebenfalls in Millionenauflage. In ihrem neuesten Werk „Fröhlich Fasten!“, das vor wenigen Tagen im Gräfe-und-Unzer-Verlag (224 Seiten, 17,99 Euro) erschienen ist, schreibt sie über ihren ersten Fastenversuch – inklusive Abführen, Angstzuständen und Abnehmen natürlich.

Von Sophie Hilgenstock

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