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Panorama Schweinegrippe-Verdacht in Bielefeld nicht bestätigt
Nachrichten Panorama Schweinegrippe-Verdacht in Bielefeld nicht bestätigt
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19:35 27.04.2009
Spanien bestätigt ersten Fall von Schweinegrippe in Europa. In Bielefeld gibt es nun drei Verdachtsfälle. Quelle: Sam Yeh/afp
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Das sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums am Montag in Düsseldorf auf Anfrage. Zur genauen Zahl der möglichen Verdachtsfälle konnte der Sprecher aber keine Angaben machen.

Wie die Zeitung „Neue Westfälische“ unter Berufung auf das städtische Gesundheitsamt berichtete, soll bei zwei Männern und einer Frau Verdacht auf eine Erkrankung mit dem gefährlichen Virus stehen. Ein Sprecher des Klinikums Bielefeld bestätigte, dass sich ein gerade von einer Mexiko-Rundreise zurückgekehrter junger Mann und dessen Schwester auf der Isolierstation des Krankenhauses befinden. Ein Schnelltest habe bei beiden aber keinen Hinweis auf das Virus gegeben, weshalb der Verdacht als nahezu ausgeräumt gelte. Mit einem endgültigen Ergebnis werde am Dienstag gerechnet.

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Zunächst unklar blieb, was es mit dem angeblichen dritten Verdachtsfall auf sich hat. Im Klinikum Bielefeld war kein weiterer Fall bekannt. Auch im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld, wo angeblich ein Verdachtsfall bestehen sollte, gab es tatsächlich nach Auskunft einer Krankenhaussprecherin keinen solchen Fall.

Experten warnten vor Panikmache, die ärztliche Versorgung sei auch im Falle einer Pandemie gewährleistet.

Am Mittag hatte Klaus Vater, Sprecher von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), eine unmittelbare Gefährdung in Deutschland noch ausgeschlossen. Ein erster Verdachtsfall hatte sich nicht bestätigt. Nach Angaben des Sprechers war die Stufe drei des nationalen Pandemie-Planes in Kraft. Es würden Daten gesammelt und die Ereignisse in anderen Staaten beobachtet.

Am Nachmittag wurden dann zwei Männer und eine Frau aus Bielefeld auf einer Isolierstation im Krankenhaus untergebracht, weil der Verdacht bestand, sich mit der Schweinegrippe infiziert zu haben. Zwei von ihnen sind laut einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ gerade von einer Mexiko-Reise mit einer fieberhaften Erkältung zurückgekehrt.

Die Schwester eines der Mexiko-Reisenden habe sich offenbar in Bielefeld angesteckt. Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes in Bielefeld, Peter Schmid, bestätigte die Angaben. Das Ergebnis des molekular-biologischen Nachweises wurde für den späten Montagabend erwartet.

Nach Einschätzung des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, ist die Ausbreitung des Erregers „besorgniserregend“. Das Virus übertrage sich „sehr schnell“ von Mensch zu Mensch. Warum der Erreger in Mexiko vor allem bei jungen Erwachsenen auftrete, sei bislang unklar.

Hacker warnte jedoch davor, „in Panik zu verfallen“. Deutschland sei insgesamt gut gerüstet. Die gute Nachricht sei, dass sich die Infektion behandeln lasse, sagte der RKI-Chef. Medikamente, die für Grippe vorrätig seien, schienen wirksam zu sein, wie die amerikanischen Kollegen berichtet hätten. In den USA oder Kanada verlaufe die Krankheit „milder“ als in Mexiko. Die Internetseiten des RKI waren am Montag dennoch stundenlang überlastet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verglich die aktuelle Situation nach Angaben des RKI bereits am Samstag mit dem Auftreten der Atemwegsinfektion SARS im Jahr 2003.

Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) warnte vor voreiligen Schlüssen. Der Erreger sei bislang nicht bei Tieren festgestellt worden. Deswegen sei es zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch verfrüht, die Krankheit als Schweinegrippe zu bezeichnen, teilte die Organisation am Montag in Paris mit.

Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden nach Mexiko, die Berichterstattung zu verfolgen und Menschenmassen sowie den Kontakt zu Erkrankten zu meiden. Deutschlands größter Reisekonzern TUI strich unterdessen bis einschließlich 4. Mai alle Flüge in die Hauptstadt Mexiko-Stadt. Allen Kunden mit Reiseziel Mexiko würden bis ebenfalls 4. Mai gebührenfreie Umbuchungen angeboten. Der Flughafen in Cancun werde weiter angeflogen.

Die Verbraucherzentralen raten Reisenden, sich an ihre Veranstalter zu wenden, um Umbuchungsmöglichkeiten zu prüfen. Urlauber, die eine Reise nach Mexiko gebucht haben, könnten diese unter Berufung auf höhere Gewalt stornieren.

An vielen deutschen Flughäfen wurden unterdessen Flugblätter an An- und Abreisende verteilt. Zudem sollten Piloten und Flughafenpersonal bei Passagieren auf Grippesymptome achten und bei Verdachtsfällen eine ärztliche Untersuchung veranlassen.

ddp

27.04.2009
27.04.2009