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Panorama Schulen für Amokläufe schlecht gerüstet
Nachrichten Panorama Schulen für Amokläufe schlecht gerüstet
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14:12 26.04.2012
Foto: Am zehnten Jahrestag des Amoklaufes von Erfurt haben die Menschen den Opfern gedacht.
Am zehnten Jahrestag des Amoklaufes von Erfurt haben die Menschen den Opfern gedacht. Quelle: dpa
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Hannover

Zehn Jahre nach dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium sind viele Schulen schlecht auf Amokläufe vorbereitet. Nur 65 Prozent von mehr als 1000 befragten niedersächsischen Schulen verfügen über einen Notfallplan, obwohl dieser vom Kultusministerium vorgeschrieben ist. Das geht aus einer Umfrage des Radiosenders NDR Info bei Schulträgern in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hervor.

Niedersachsen schnitt im Ländervergleich am schlechtesten ab: Nur 46 Prozent der Schulen haben Krisenteams, 66 Prozent Lautsprechersysteme für Notfalldurchsagen und 22 Prozent spezielle Klingeltöne bei Amokalarm.

Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) erklärte am Donnerstag: „Wir werden die Ergebnisse der NDR-Recherchen genau auswerten und prüfen, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Hierzu werden wir auch das Gespräch mit den Schulträgern suchen.“ Die bestmögliche Prävention schwerer Gewalttaten an Schulen habe höchste Bedeutung, betonte Althusmann. „Alle Schulen in Niedersachsen haben ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet und sind verpflichtet, dieses regelmäßig fortzuschreiben.“ Das Ministerium unterstütze sie dabei.

Die Linksfraktion und die Grünen im Landtag warfen der Landesregierung Untätigkeit vor. Es sei nicht akzeptabel, die Zuständigkeit einfach auf die Schulen abzuschieben, sagte Grünen-Schulexpertin Ina Korter. Die Regierung sei nicht einmal über die Sicherheitsvorkehrungen der Schulen informiert, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christa Reichwaldt.

Im vergangenen Jahr gab es in Niedersachsen 102 Amokdrohungen. Wie sich die Schulen in solchen Fällen zu verhalten haben, ist in einem 2010 überarbeiteten Erlass des Kultusministeriums geregelt. Darin geht es auch um die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft bei Straftaten.

Sicherheitslücken gibt es der NDR-Umfrage zufolge in folgenden Städten: Oldenburg, Emden, Salzgitter, Wolfsburg, Westerstede, Meppen, Jever, Leer, Nienburg, Osterode, Stadthagen, Brake und Lüchow sowie in den Kreisen Lüchow-Dannenberg und Uelzen. Der Landrat von Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz, begründete im NDR-Interview die schlechte sicherheitstechnische Ausstattung der Schulen mit Finanzproblemen.

„Es ist enttäuschend, wenn Sicherheitsempfehlungen aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Hersteller- und Errichterfirmen von Sicherheitssystemen (BHE), Urban Brauer, in Brücken (Pfalz). Allerdings sei auch die Art der Schule und die Umgebung zu berücksichtigen. Liegt sie auf dem Land oder in einem sozialen Brennpunkt? Bei einer Grundschule gehe vor allem um den Schutz der Schüler vor Eindringlingen, bei einer Berufsschule sei auch mit „Innentätern“ zu rechnen, erläuterte der Experte.

dpa

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