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Panorama Restaurierter Kaiserdom in Königslutter wird 875 Jahre alt
Nachrichten Panorama Restaurierter Kaiserdom in Königslutter wird 875 Jahre alt
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21:08 25.04.2010
„Nicht auf der A 2 vorbeirauschen“: Ministerpräsident Christian Wulff spricht am Sonntagabend vor rund 500 Gästen.
„Nicht auf der A 2 vorbeirauschen“: Ministerpräsident Christian Wulff spricht am Sonntagabend vor rund 500 Gästen. Quelle: Krone
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Die Schönheitskur war so etwas wie ein Geschenk zum Geburtstag. Notwendig war sie obendrein, wie schon die Dauer von immerhin zehn Jahren beweist. Jetzt ist die Restaurierung abgeschlossen. Pünktlich zum Festakt anlässlich des 875. Jahrestags der Grundsteinlegung zeigte sich der sogenannte Kaiserdom in Königslutter am Elm am Sonntagabend in neuem Glanz.

Was die mehr als 500 Besucher der Veranstaltung gestern ausgiebig bewunderten, ist das Ergebnis zehn Jahre andauernder Arbeiten. Die Kosten beliefen sich auf 8,6 Millionen Euro. Abgesehen von einem verhältnismäßig kleinen Zuschuss des Bundes brachte die Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz (SBK) als Eigentümerin der Kirche den Betrag allein auf. „Das haben wir natürlich gern getan. Schließlich ist der Kaiserdom ja unser Flaggschiff und ein wichtiger Teil der braunschweigischen Identität“, betonte der Stiftungspräsident, Braunschweigs, Oberbürgermeister Gert Hoffmann.

Die beträchtliche Summe trug dazu bei, die größte romanische Kirche Norddeutschlands baulich fit für die Zukunft zu machen. Zunächst wurde das Äußere des mittelalterlichen Bauwerks gesichert und renoviert.

Unmittelbar nach der Fertigstellung im Jahre 2004 begann die Restauration des Innenraums. Sie stellte die Beteiligten vor eine gewaltige Aufgabe. Die farbenprächtigen Wandmalereien schienen dem endgültigen Verfall ausgeliefert. Einer der Gründe war ein gut gemeinter Versuch, das romanische Gotteshaus zu retten. Anfang der siebziger Jahre wurde Beton in das marode Mauerwerk eingeleitet, um die Statik zu verbessern. Das Verfahren hatte seine Tücken: Feuchtigkeit, Salze und Zement sickerten aus dem weiche Kalksandstein und zerstörten die Farbschichten.

„Künftig kann das wohl nicht passieren“, sagte Stiftungsdirektor Tobias Henkel. Eine ausgeklügelte computergesteuerte Klimatisierung sorge jetzt dafür, dass die Luftfeuchtigkeit bei höchstens 65 Prozent liege. Die erforderliche Luftbewegung wird von Ventilatoren erzeugt – sie sitzen, für die Besucher unsichtbar, in der Decke.

Bevor die Technik ihren Dienst aufnehmen konnte, war „echte Detektivarbeit nötig“, berichtete Henkel. Es galt, den Originalzustand der Malereien möglichst vorbildgetreu zu rekonstruieren. Dabei orientierten sich die Fachleute aber nicht etwa an mittelalterlichen Vorbildern. Wie sie ausgesehen haben könnten, weiß niemand mehr. Das 1135 von Kaiser Lothar III. als eigene Grablege und als Kirche einer Benekdiktinerabtei gestiftete Bauwerk war vor rund 120 Jahren schon einmal restauriert worden. Damals hatte Adolf Quensen die Wand- und Deckenmalereien geschaffen. Sie sahen aus, wie sich der vom Historismus geprägte braunschweigische Hofdekorationsmaler und seine Zeitgenossen die Kunst des 12. Jahrhunderts vorstellten.

„Wir haben uns bewusst für eine historisierende Form der Denkmalpflege entschieden. Wir wollten Quensens Werke für die Nachwelt erhalten“, erklärte Henkel.
Daran, dass dieses Vorhaben gelungen ist, herrscht wohl kein Zweifel. Die Malereien mit ihren vielfältigen Formen und Motiven sowie den kräftigen Farben ziehen sofort beim Betreten der Kirche die Blicke der Besucher auf sich. „Diese Restaurierung war ein würdiger Beitrag zur großen Geschichte dieses Ortes“ lobte dann auch Ministerpräsident Christian Wulff gestern in seinem Grußwort. Ihm sei wichtig, „dass jetzt noch viel mehr Menschen nicht einfach auf der A 2 vorbeifahren, sondern sich hier umsehen“.

Falls das bislang so war, lag es auf keinen Fall an der Stadt. Die 16 000-Einwohner-Kommune im Landkreis Helmstedt wirbt fleißig mit ihrem herausragenden Bauwerk für sich. So stehen an den nahen Autobahnabfahrten große Schilder, die auf die „Domstadt am Elm hinweisen“.

Das grenzt allerdings an eine dezente Hochstapelei. Schließlich war das Bauwerk noch nie ein Dom im eigentlichen Sinne. Diese Bezeichnung gilt nur für eine Hauptkirche am Sitz eines Bischofs. Der korrekte Name, Stiftskirche St. Peter und Paul, ist zwar ehrenvoll, klingt aber längst nicht so imposant.

Für SBK Direktor Henkel ist das ohnehin kein Grund, sich nicht mehr an die populäre Sprachregelung zu halten: „Ein Kaiser hat den Grundstein gelegt und ist hier begraben. Also können wir es ruhig dabei lassen.“

Jens Krone