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Panorama Prinzenhochzeit lockt 3000 Schaulustige an
Nachrichten Panorama Prinzenhochzeit lockt 3000 Schaulustige an
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20:28 23.05.2009
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Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha und dessen Ehefrau, Kelly Rondestvedt Quelle: Timm Schamberger/ddp
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Laut Polizei sind rund 3000 Schaulustige in die Coburger Innenstadt gekommen, um die kirchliche Trauung von Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha und der Amerikanerin Kelly Rondestvedt zu verfolgen.

Die geladenen Gäste treffen im Minutentakt ein - zu Fuß, in kleinen Shuttlebussen und acht schwarzen Nobel-Limousinen. Als um 11.34 Uhr der Vater des Bräutigams, Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha vorfährt, brandet Applaus auf, die ersten Jubelrufe sind zu hören.

Während sich am Aufgang zur Pressetribüne ein Pulk von schaulustigen Frauen um den besten Platz streitet und sich zu sechst ans Geländer klammert, um einen erhöhten Blick über die Köpfe der vorderen Reihen zu erhaschen, stehen Marion Weigelt und Renate Bänsch direkt am Absperrgitter. Seit 9.00 Uhr früh warten die beiden Frauen, die extra aus der Nähe von Kronach nach Coburg gefahren sind. Das lange Ausharren habe „sich auf jeden Fall gelohnt“, sagen sie. „Sonst sieht man so etwas ja immer nur im Fernsehen“, schwärmt Weigelt.

Schon seit Tagen hält sich in Coburg das Gerücht, dass auch das schwedische Königspaar zu den 400 Hochzeitsgeästen gehören soll. Eine Bestätigung gibt es selbst eine Viertelstunde vor Gottesdienstbeginn noch nicht. „Die Polizei sagt zur Veranstaltung, Inhalten oder wer kommt, nichts. Wir dürfen keine Auskunft geben“, verkündet ein Polizeisprecher. Und auch das Haus Sachsen-Coburg und Gotha hält sich bedeckt.

Zunächst trifft der ehemalige Zar und Ex-Premierminister von Bulgarien, Simeon Sakskoburggotski, ein. Er ist mit dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha verwandt, das während seiner Glanzzeit im 19. Jahrhundert durch Diplomatie und geschickte Heiratspolitik zu einer der weltweit bedeutendsten Dynastien aufstieg und die Regenten der Königshäuser Belgien, Portugal, Bulgarien und Großbritannien stellte.

Das weiß auch Ulrike, die in der ersten Reihe steht. Die 33-jährige Frankfurterin trägt einen eleganten aprikotfarbenen Hut und ein dezentes, cremefarbenes Kostüm. In der Hand hält sie einen kleinen Fotoapparat. Seit Jahren begeistert sich die studierte Historikerin für das Thema Adel. Sie gehört zu einer Gruppe von „Adels-Fans“ aus Dänemark, den Niederlanden und allen Teilen Deutschlands, die ein Internetforum betreiben und regelmäßig zu Hochzeiten fahren. Seit 8.45 Uhr warten die Männer und Frauen am Gitter. Als um 11.50 Uhr dann die Sensation folgt, schießt Ulrike fleißig Fotos: Der schwedische König Carl XVI. Gustaf und seine Frau Silvia kommen an der Kirche an. Die Zuschauer jubeln begeistert.

Auch Marion Weigelt und Renate Bänsch, die in Adelssachen sonst nicht so firm sind, erkennen das Königspaar auf Anhieb. Ihre Ehemänner haben die beiden Frauen zu Hause gelassen. „Die haben schon gedacht, wir spinnen“, sagen sie und lachen. So befinden sich unter den Schaulustigen vor der Kirche deutlich mehr Frauen als Männer. Als die Glocken läuten und endlich die Braut eintrifft, ist die Begeisterung groß. Lange applaudieren die Zuschauer. „Oh, die ist echt hübsch“, „sieht die schön aus“, rufen die Frauen am Geländer der Pressetribüne, die sich dort nun schon zu zehnt festklammern.

Marie Lauriot ist sogar extra aus Paris angereist ist. „Coburg ist eine kleine Stadt, aber mit dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha wichtig für Europa“, sagt die Redakteurin der französischen Zeitschrift „Point du vue“, einem auf Adelsthemen spezialisierten Magazin. Etwas enttäuscht ist Lauroit allerdings: Sie hätte sich gewünscht, dass Vertreter des englischen Königshauses kämen.

Mehr als eine Stunde müssen die Schaulustigen dann geduldig in praller Sonne vor der Kirche ausharren, ehe sich um 13.09 Uhr endlich die Flügeltüren der Morizkirche wieder öffnen. Vor dem Portal wartet schon eine festlich geschmückte Kutsche. Wenige Minuten später tritt der Pfarrer aus der Kirche, das Brautpaar folgt. Zweimal küsst Hubertus seine Frau Kelly. Die Zuschauer klatschen und jubeln. Die Fotografen fordern leidenschaftliche Zugaben. „Küssen, kiss, kiss“, rufen sie, damit es auch die Braut versteht, die kaum deutsch spricht. Doch das Hochzeitspaar winkt nur kurz, steigt in die Kutsche und fährt zum Empfang Richtung Schloss Ehrenburg.

ddp