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Panorama Noch klammert sich das sterbende Biest ans Riff
Nachrichten Panorama Noch klammert sich das sterbende Biest ans Riff
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17:02 01.12.2011
Am 5. Oktober lief das Containerschiff „Rena“ nachts auf ein Riff vor Neuseeland.
Am 5. Oktober lief das Containerschiff „Rena“ nachts auf ein Riff vor Neuseeland. Quelle: dpa
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Wellington

Sie nennen es das „lahme, sterbende Biest“. So haben die Bergungsleute das Unglücksschiff „Rena“ getauft, das vor bald zwei Monaten vor der Küste Neuseelands auf Grund lief. Ein Riss geht durch den mächtigen Frachter, aber er klammert sich in seiner gefährlichen Schieflage, voll beladen mit Containern, an das Astrolabe-Riff vor der Tauranga-Küste .

Das Biest knarrt und ächzt, wenn sich die Eisenplatten im Inneren aneinander reiben - jedes Mal, wenn die See steigt und der Wind stärker weht. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt täglich aufs Neue für die Rettungsarbeiter. Und doch scheint die „Rena“ allen Befürchtungen zu trotzen. Sie verharrt dort - fragil, aber immer noch ganz.

Die Bergungsmannschaft hat eine lebensgefährliche Mission. Die 40 Mann von der Firma Svitzer klettern die Türme von Containern hinauf, um diese dann an einen Kran zu hängen, der sie auf ein anderes Schiff umlädt. Von den 1368 Behältern an Bord des Frachters sind 87 ins Wasser gefallen. Einige enthielten verderbliche Lebensmittel.

An den Felsen der nahe gelegenen Insel Motiti prallten die Container. Butterblöcke, Hamburgerfrikadellen, aber auch Möbel oder Hirschfelle wurden an die Strände gespült. Die Maori-Einwohner mussten ihr kleines Paradies gründlich säubern. Die Journalistin Karla Akuhata beschrieb diese Aktion kürzlich als „unbeschreiblich und völlig unvergesslich“.

Zudem waren aus dem Schiff rund 360 Tonnen Schweröl ausgelaufen und hatten die weißen Strände der Plenty-Bucht schwarz gefärbt. Mehr als 2000 Seevögel verendeten. Und die Menschen wollen endlich wieder ihre Strände genießen - jetzt, wo seit Donnerstag offiziell der Sommer in Neuseeland begonnen hat.

Und doch: Es hätte schlimmer kommen können. Schließlich enthalten viele der Container an Bord des Frachters gefährliche Güter. Insgesamt sollen es 32 sein. Einige sind gefüllt mit einer Silizium-Eisen-Legierung, einem Werkstoff, der brennbares Gas im Wasser ausstoßen kann. Andere Container enthalten Eisstein (Kryolith), eine umweltschädliche und für Menschen giftige Substanz, wenn sie im trockenen Zustand eingeatmet oder verschluckt wird.

Mehr als 160 Container konnten die Bergungsleute insgesamt von der „Rena“ heben. Doch noch immer sind mehr als 1100 an Bord. Es könnte also Monate dauern, bis die Arbeiten beendet sind. Aber Kapitän Rick Hunter von dem Tankerschiff Awanuia, das die mehr als tausend Tonnen Öl von der „Rena“ gepumpt hat, spricht von einem „Wunder“.

Das 236-Meter lange Schiff hänge seit Wochen an einem „seidenen Faden“, sagt Hunter. Und dennoch liege es weiter auf dem Riff. Wenn Hunter über die 21 Jahre alte „Rena“ spricht, zitiert er einen Kolumnisten mit den Worten: „Etwas ist stärker in diesem Schiff, als wir geglaubt haben.“ Dann fügt er hinzu: „Was für ein tapferes und stoisches, altes Mädchen sie doch ist.“

frx/dpa

01.12.2011
01.12.2011