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Panorama Mann sticht mit Messer auf Baby ein: Polizei nahm ersten Notruf nicht ernst
Nachrichten Panorama Mann sticht mit Messer auf Baby ein: Polizei nahm ersten Notruf nicht ernst
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15:12 23.07.2019
In diesem Haus in Rostock ereignete sich die schreckliche Bluttat. Quelle: Stefan Tretropp
Rostock

Die Bluttat von Rostock – sie erschüttert nach wie vor die Menschen weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Auch mehr als 48 Stunden nachdem dort ein 40 Jahre alter Mann mit einem Messer auf ein drei Monate altes Baby eingestochen hat und anschließend von einem Balkon in den Tod gestürzt ist, gibt es mehr Fragen als Antworten. Auch die Polizei selbst gerät in den Fokus: Hätten die Beamten das Schlimmste verhindern können, wenn sie einen ersten Notruf ernst genommen hätten? Die einzige gute Nachricht: Der Zustand des kleinen Mädchens ist stabil, sie wird die Tat wohl überleben. Das Protokoll eines Dramas.

Computerspiele bei der Halbschwester

Die Vorgeschichte der Bluttat beginnt schon im Laufe des Tages. Der 40-jährige spätere Messerstecher, der nach Angaben der Rostocker Staatsanwaltschaft schon mehrere Haftstrafen – unter anderem wegen Raubes – verbüßt hat, trifft in Dierkow zufällig seinen neun Jahre alten Sohn. Von dessen Mutter lebt der Mann schon längere Zeit getrennt. Die beiden verbringen Zeit miteinander, alles verläuft harmonisch. Es ist ein schöner Sommer-Sonnabend im Rostocker Nordosten. Am frühen Abend fassen die beiden dann den Entschluss, die 18 Jahre alte Halbschwester des Jungen zu besuchen. Dort will der Neunjährige am Wochenende übernachten – und seine kleine, drei Monate alte Nichte besuchen. Der Junge und die 18-Jährige haben dieselbe Mutter, mit dem 40-Jährigen aber ist die junge Frau nicht verwandt.

Drogen im Spiel?

Dennoch: „Anfangs verlief das alles auch ganz friedlich“, sagte Maureen Wiechmann, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Rostock der „Ostsee-Zeitung“. In der Wohnung der jungen Frau am Schumacher-Ring hätten Vater und Sohn Computerspiele auf einer Playstation gespielt, sich mit der 18-Jährigen unterhalten. So jedenfalls habe es Mutter des kleinen Babys in einer ersten Vernehmung am Montag ausgesagt. Doch irgendwann am späten Abend kippt die Stimmung: „Die Zeugin hat ausgesagt, dass der Mann Drogen genommen hätte – und dann ausgerastet ist“, schildert Wiechmann den aktuellen Ermittlungsstand. Streit habe es bis dahin nicht gegeben. Und auch keine Anzeichen, dass der Abend in einem Drama enden würde.

Polizei nimmt ersten Notruf nicht ernst

Der 40-Jährige soll plötzlich an Verfolgungswahn gelitten habe – ausgelöst wohl durch die Drogen: „Er soll gesagt haben, dass er verfolgt werde“, so Wiechmann. Der Mann verbarrikadiert die Haustür der Wohnung mit einer Waschmaschine, beobachtet immer wieder den Flur durch den Türspion und schreit vom Balkon. „Haut ab“, habe er gerufen. Zu dieser Zeit geht der erste Notruf bei der Rostocker Polizei ein. Der Täter selbst ist es, der die 110 wählt: „Doch die Kollegen in der Leitstelle haben ihn nicht ernst genommen“, sagt Wiechmann. Als er sich dann aber das Baby schnappt – und ein Messer – ruft auch die 18-Jährige die Polizei. Jetzt nehmen die Beamten das Ganze ernst, rücken mit mehreren Streifenwagen in Dierkow an und brechen die Tür mit einem Stemmeisen auf.

Mann schlägt Baby mit Kopf auf Boden

„Die Beamten haben alle vier Personen – den 40-Jährigen, den neun Jahre Sohn, die 18-Jährige und das Baby – auf dem Balkon angetroffen“, sagt Wiechmann. Der 40-Jährige droht damit, allen etwas anzutun. Die Beamten sollen sich zurückziehen. Und das tun sie auch. Sie wollen die Lage nicht eskalieren lassen. Die Taktik scheint auch zunächst aufzugehen: Erst kommt der Junge aus der Wohnung, dann die junge Mutter. Nun wollen die Beamten zugreifen, den 40-Jährigen stellen. Der aber dreht mehr und mehr durch – und die Polizisten werden Zeugen unfassbarer Gewalt gegen einen kleinen Menschen: „Als die Beamten die Wohnung wieder betreten haben, schlug der Mann das Baby gerade mit dem Kopf gegen den Fußboden“, beschreibt Wiechmann das Grauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er das kleine Mädchen schon mit dem Messer durchbohrt. „Beim Zugriff flüchtete der Mann auf den Balkon und stürzte sich nach unten. Vermutlich wollte er flüchten.“

Zustand des Babys ist stabil

Während der Mann nach dem Sturz aus dem fünften Obergeschoss starb, kämpften die Ärzte in der Rostocker Uni-Klinik stundenlang um das Leben des drei Monate alten Babys: „Es ist nicht mehr in akuter Lebensgefahr, der Zustand ist stabil“, so Staatsanwältin Wiechmann. „Die Stichverletzungen wurden versorgt und auch ein Schädelbruch.“ Ob das Baby Spätfolgen davon tragen wird, sei unklar: „Aber die Ärzte haben die Hoffnung, dass es vollkommen gesund wird.“ Die einzige gute Nachricht nach dem Drama von Dierkow.

Von Andreas Meyer/RND

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