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Panorama Lotto-Gewinner streiten um Geld
Nachrichten Panorama Lotto-Gewinner streiten um Geld
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19:37 28.05.2009
Quelle: Peter Jülich/ddp
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Sechs Richtige mit Zusatzzahl brachten einer Lotto-Tippgemeinschaft von Monteuren des Hildesheimer Bosch-Werks im vergangenen Juli gut 1,7 Millionen Euro ein. Und eine Menge Ärger, weil zwei Gewinner ihren neuen Reichtum nicht mit einem dritten teilen wollen. Am Donnerstag sahen sich die Kollegen vor Gericht wieder – unversöhnlich auf ganzer Linie.

Es gab eine Zeit, in der sich die drei Schichtarbeiter privat besuchten und sich kumpelhaft „Baby“ nannten. Im schmucklosen Saal 142 des Hildesheimer Landgerichts ist davon nichts mehr zu spüren. Wenn sich die rechtmäßigen Gewinner Adam B. und Waldemar S. auf der einen und ihr vermeintlich ausgebooteter Mitspieler Jerzy S. auf der anderen Seite anblicken, dann nur, um abschätzig zu grinsen und den Kopf zu schütteln. Das „Lotto Superding 2008“ hat die Männer auseinandergebracht.

Exakt 1.735.450,90 Euro strichen die Arbeiter im Juli vergangenen Jahres ein. Adam B. (44) und Waldemar S. (47), beide ohne Zweifel Gewinner, teilten sich die Summe und erfreuten sich an ihrem plötzlichen Reichtum. Bis ihr Kollege Jerzy S. sie anzeigte. Sie enthielten ihm sein Drittel vor, sagte er und fand bei der Hildesheimer Staatsanwaltschaft Gehör. Die pfändete daraufhin die komplette Summe und klagte die beiden Männer wegen Betruges vor dem Amtsgericht an.

Wann der Strafprozess beginnt, steht noch nicht fest. Für Richter Michael Meyer-Lamp, den Vorsitzenden der 4. Zivilkammer des Hildesheimer Landgerichts, spielt das zunächst auch keine große Rolle. Meyer-Lamp muss nämlich über eine Klage der beiden Männer gegen den dritten entscheiden. Vertreten durch den Anwalt Friedrich-Wilhelm Korn fordern sie, Jerzy S. möge das gepfändete Vermögen freigeben. Zudem solle er für den durch die Pfändung entstandenen finanziellen Schaden geradestehen. In jedem Fall habe der Dritte nie zur Tippgemeinschaft gehört. „Der lügt ohne Ende“, sagt Adam B., der stets die Tippspiele im Kollegenkreis organisierte und die Tippscheine in einer Sarstedter Annahmestelle abgab.

Um festzustellen, welche der beiden Parteien lügt, kann der Richter nur auf Indizien zurückgreifen. Er versucht es deshalb mit einem Vorschlag zur Güte. Je 670 000 Euro für die beiden Kläger, 395 000 Euro für den Dritten. Tatsächlich deutet Anwalt Reinald Gutkess, der Jerzy S. vertritt, Gesprächsbereitschaft an. Doch sein Gegenpart Friedrich-Wilhelm Korn schüttelt vehement den Kopf.

Dabei gibt es Indizien, die auch die Staatsanwaltschaft zur Anklage bewogen haben. Von „ganz gewaltigen Indizien“ spricht auch Meyer-Lamp, als er von den Handy-Daten berichtet, die die Polizei inzwischen ausgewertet hat. Demnach hat Organisator Adam B. schon Minuten nach der Ziehung der Lottozahlen eine SMS an Jerzy S. geschickt und nach Waldemar S.’s Telefonnummer gefragt. „Was, wir haben gewonnen?“, soll der später angeblich Ausgebootete gefragt und per Telefon die Antwort bekommen haben: „Wir haben gewonnen, wir haben einen Sechser mit Zusatzzahl.“ Eine halbe Stunde später erreichte den Dritten dann aber eine neue Kurznachricht: „Es war nur’n Fünfer mit Zusatzzahl, er hat sich verguckt vor Aufregung.“ Dieses Hin und Her und die anschließende Lüge mit dem Fünfer erklären die beiden Lottogewinner vor Gericht mit ihrem Streben nach Geheimhaltung. Man habe eben versucht, den Gewinn zu vertuschen.

Früher waren sie Freunde, jetzt verklagen sie sich gegenseitig wegen eines Lottogewinns: Drei Monteure streiten vor dem Landgericht Hildesheim um 1,7 Millionen Euro.

von Christian Wolters