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Panorama Lebenslange Haft für Mord am eigenen Baby
Nachrichten Panorama Lebenslange Haft für Mord am eigenen Baby
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18:01 23.07.2009
Die im Mordprozess um den Tod der acht Monate alten Siri verurteilte Mary F. (l.) wird von einer Justizbeamtin abgeführt.
Die im Mordprozess um den Tod der acht Monate alten Siri verurteilte Mary F. (l.) wird von einer Justizbeamtin abgeführt. Quelle: Mario Vedder/ddp
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Darüber hinaus stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Demnach dürfen die Verurteilten auch nach 15 Jahren nicht vorzeitig entlassen werden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 24-jährige Vater und die 35-jährige Mutter im Mai 2008 ihre Tochter zu Tode gequält haben. Die Eltern nahmen das Urteil kopfschüttelnd entgegen.

In ihrer Urteilsverkündung verlas die Richterin am Donnerstag eine lange Liste von Misshandlungen, die dem Baby zugeführt wurden. So habe der Vater das Kind bereits wenige Tage nach der Geburt mit heißem Wasser verbrüht. Die Mutter habe diese Tat gefilmt. Immer wieder sei es zu Übergriffen auf das Kind gekommen. So sei dieses in der Nacht geweckt und in die Luft geworfen worden, um es zu erschrecken.

Das Mädchen sei zudem auf den Mund geschlagen worden, um es am Weinen zu hindern. Die Angeklagten hätten sich an dem Leid des Kindes erfreut, sagte die Richterin. Dies beweise auch, dass ein Teil der Taten gefilmt und fotografiert wurde. Die Eltern hätten das Kind als einen Störfaktor empfunden.

Einem Zugriff durch das Jugendamt seien die Eltern durch Ausreden ausgewichen. Bevorstehende Termine seien vom Vater immer wieder abgesagt worden. Beiden sei bewusst gewesen, dass dann die Verletzungen des Kindes auffallen würden, sagte die Richterin. Sie hätten sich über den Leidensdruck des Mädchens hinweggesetzt, um die Taten unentdeckt zu lassen.

Laut Gericht hatten die Angeklagten selbst eine schwierige Kindheit. Die Frau sei als Kind oft alleine gewesen und von einem Onkel sexuell missbraucht worden. Der Mann sei von seinem Großvater aufgezogen worden und nie in der Lage gewesen, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Die Familie lebte den Angaben zufolge zuletzt in einer spärlich eingerichteten Wohnung in Wetzlar von der „Hartz IV“-Unterstützung der Frau. Der Mann gab vor, selbstständig zu sein. Gegenüber Bekannten behauptete er, er sei ein IT-Fachmann. In Wirklichkeit war er aber auch arbeitslos.

In dem seit Januar dauernden Verfahren hatten sich die Eltern immer wieder gegenseitig belastet, für den Tod des Mädchens verantwortlich zu sein.

Wegen einer anonymen Bombendrohung musste die Urteilsverkündung um drei Stunden verschoben werden. Wer dafür verantwortlich war, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Gegen das Urteil wurde Revision innerhalb einer Woche zugelassen.

ddp