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Panorama Krankenschwester unter Tötungsverdacht
Nachrichten Panorama Krankenschwester unter Tötungsverdacht
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17:51 06.05.2009
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Im vergangenen Jahr sei während der Dienstzeiten der Beschuldigten eine erhöhte Zahl von Todesfällen auf der Intensivstation verzeichnet worden, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Uta Wilkmann am Mittwoch in Magdeburg. Die Krankenschwester bestreitet den Angaben zufolge die Vorwürfe.

Im Jahr 2008 seien insgesamt 121 Patienten auf der Intensivstation der Klinik verstorben, in 50 Prozent der Fälle habe die Tatverdächtige Dienst gehabt. 2007 zählte die Klinikleitung 93 Tote, in 42 Fällen davon war die beschuldigte Krankenschwester auf Station. 2009 starben 24 Patienten auf der Intensivstation, 16 davon während der Dienstzeiten der Frau. Bis auf diesen „statistischen Anfangsverdacht“ gebe es derzeit keine Indizien, die eine vorsätzliche Tötung und somit die Schuld der Krankenschwester beweisen würden, sagte der Präsident der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, Johann Lottmann.

Die Klinikleitung hatte bereits im Februar Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Die Beschuldigte sei zunächst für zwei Wochen beurlaubt worden, sie arbeite aber trotz der Vorwürfe weiter in der Klinik. Wilkmann beteuerte, dass die Krankenschwester jedoch „keinen Kontakt zu Patienten“ habe. Von ihren Kollegen werde die Frau, die über eine langjährige Berufserfahrung verfüge, als „engagiert und kompetent“ beschrieben.

In 67 der insgesamt 121 Todesfälle aus 2008 habe die Staatsanwaltschaft die Krankenakten der Verstorbenen zur Überprüfung an das Institut für Rechtsmedizin in Hannover geschickt. In 15 Fällen hätten die Wissenschaftler zwecks Obduktion eine Exhumierung empfohlen, da aufgrund der Krankenakten nicht eindeutig ausgeschlossen werden könne, dass der Tod herbeigeführt wurde. Elf der Leichen seien jedoch verbrannt worden, nur vier wurden in der Erde bestattet, wie Wilkmann sagte. Derzeit informiere die Staatsanwaltschaft die Angehörigen von dem Vorhaben.

Die Rechtsmedizin Hannover überprüft den Angaben zufolge aktuell die Krankenunterlagen der 2009 in der Klinik Verstorbenen. Wenn das Ergebnis vorliege, müsse überlegt werden, ob auch die Todesfälle aus dem Jahr 2007 zu untersuchen seien, sagte die Oberstaatsanwältin. Mit dem Befund sei allerdings erst in „ein paar Wochen“ zu rechnen. Die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord hat unterdessen eine Ermittlungsgruppe „Klinik“ aus zehn Beamten gebildet, wie Lottmann sagte.

Für Angehörige der im Klinikum Gardelegen Verstorbenen sei eine Telefonhotline eingerichtet worden. Unter der Nummer 03931 / 68 53 33 beantworteten Beamte täglich von 08.00 bis 16.00 Uhr Fragen zu dem Fall.

ddp