Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Kachelmann verabschiedet sich vom Fernsehen
Nachrichten Panorama Kachelmann verabschiedet sich vom Fernsehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:11 03.11.2010
Von Wiebke Ramm
Jörg Kachelmann will seine Karriere als Moderator beenden.
Jörg Kachelmann will seine Karriere als Moderator beenden. Quelle: dpa
Anzeige

Jörg Kachelmann beendet seine Fernsehkarriere. Freiwillig macht er diesen Schritt nicht. Der bisherige ARD-Wetterexperte sieht sich als Opfer von Justiz und Medien. „Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär‘s mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig“, sagte er in einem Zeitungsinterview: „Das Kapitel Fernsehen ist dadurch für mich beendet worden.“ Er wolle nur noch hinter der Kamera als Redakteur bei seinem Unternehmen Meteomedia AG arbeiten. Ausgerechnet die „Bild“-Zeitung wählte Kachelmann für seine Ankündigung. Mit seinem Sender hatte er zuvor nicht gesprochen.

„Jörg Kachelmann hat uns im Vorfeld nicht informiert“, erklärte eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion gestern. „Wir haben Kachelmanns Aussagen zur Kenntnis genommen, werden uns zum Fall aber erst nach Prozessende äußern.“

Kachelmann ist angeklagt, in der Nacht auf den 9. Februar seine damalige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er bestreitet das. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen ihm mindestens fünf Jahre Gefängnis. Das Urteil des Landgerichts Mannheim wird für den 21. Dezember erwartet.

Die ARD-Verträge mit Kachelmanns Firma Meteomedia laufen nun zunächst unverändert weiter. Die Quoten der Wetterprognosen im Ersten hätten ohne Kachelmann nicht gelitten, hieß es. Der 52-Jährige wird in der ARD seit März von seinen Kollegen Sven Plöger, Alexander Lehmann und Claudia Kleinert vertreten. Dass Kachelmann auch die Talkshow „Riverboat“ nicht mehr moderieren wird, hatte er dem MDR bereits Anfang 2009 mitgeteilt.

Während Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim lediglich Angaben zu seiner Person gemacht hat und ansonsten seinen Verteidigern das Reden überließ, äußerte er sich gegenüber dem Boulevardblatt auch über seine privaten Zukunftsvorstellungen. Und er hat sich viel vorgenommen. „Wenn ich in Zukunft eine Beziehung führe, werde ich monogam leben“, sagte Kachelmann: „Ich werde in Zukunft Situationen vermeiden, in denen man mir etwas vorwerfen kann.“ Zudem überlege er, erst einmal mit seiner Mutter zusammenzuziehen. Heiligabend werde er auf jeden Fall mit ihr verbringen. Da hat allerdings das Gericht ein Wort mitzureden.

Seinen letzten großen Fernsehauftritt hatte Kachelmann während der Olympischen Winterspiele in Vancouver, wo er für die ARD das Olympia-Wetter präsentierte. Das war im Februar, wenige Tage nach der verhängnisvollen Nacht. Direkt nach seiner Rückkehr aus Kanada wurde er am 20. März auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen.

Doch Kachelmann moderierte nicht nur jahrelang das „Wetter im Ersten“ und „Riverboat“, sondern präsentierte 1996 auch die Sendung „Vorsicht Blöff“ und versuchte sich zwei Jahre später wenig erfolgreich an der Quizshow „Einer wird gewinnen“. Von 2002 bis 2008 war er auch Gastgeber seiner eigenen MDR-Talkshow „Kachelmanns Spätausgabe“.

Doch vor allem die Wettervorhersage im Fernsehen hat Kachelmann revolutioniert. Nachdem er den Deutschen Wetterdienst aus dem Ersten Programm verdrängt hatte, zog die Flapsigkeit in die Ansagen ein. Nicht jedem hat das gefallen.

Kachelmann ist übrigens auch verantwortlich dafür, dass seit Januar 1999 die Hoch- und Tiefdruckgebiete abwechselnd weibliche und männliche Namen tragen. Er sorgte dafür auf Initiative einer Soziologin, die gegen die Frauendiskriminierung durch Meteorologen wetterte. Bis dato trugen ausschließlich Tiefs Frauennamen.

Der Artikel wurde erneut aktualisiert.