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Panorama Gibt Kölner Imam den Opfern eine Mitschuld?
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00:13 22.01.2016
Quelle: REN TV/Screenshot
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Köln

Der Kölner Imam Sami Abu-Yusuf hat laut Medienberichten den Opfern der massenhaften Übergriffe in der Silvesternacht eine Mitschuld gegeben. "Wenn sie halbnackt und parfümiert herumlaufen, passieren eben solche Dinge", habe der Salafist in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender REN TV gesagt, berichteten die "Bild"-Zeitung und der Fernsehsender NTV am Donnerstag. Der "Kölner Express" zitierte den Imam außerdem mit den Worten: "Es ist nicht überraschend, dass die Männer sie attackiert haben. Sich so anzuziehen, ist wie Öl ins Feuer zu gießen."

Anzeige gegen Imam

Der Grünen-Politiker Volker Beck zeigte Sami Abu-Yusuf noch am Donnerstag an, wie er auf Anfrage sagte. "Das sind niederträchtige, menschenverachtende Äußerungen." Sami Abu-Yusuf schiebe damit die Schuld von den Tätern auf die Opfer. Beck habe ihn deshalb unter anderem wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten (Paragraph 111 Strafgesetzbuch) angezeigt. Aber Sami Abu-Yusuf sei ein Einzelfall, er widerspräche der Mehrheitsmeinung der Imame und Moschee-Gemeinden in Deutschland.

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Am Donnerstagabend ließ der Imam seine Äußerungen relativieren. Sami Abu-Yusuf sei vom Sender falsch wiedergegeben worden, sagte ein Sprecher seiner Moschee dem "Westdeutschen Rundfunk". Der Imam habe im Interview verurteilt, was in der Silvesternacht geschehen sei. Seine Aussagen, dass kurze Röcke und Parfüm für die Taten verantwortlich seien, sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Beck sagte dazu, durch seine Anzeige müsse nun die Polizei prüfen, was Sami Abu-Yusuf tatsächlich gesagt habe.

Wie "NTV" weiter schrieb, predigt der Imam in der Al-Tauhid-Moschee in Köln. Diese werde vom Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen als salafistisch-extremistisch eingestuft und überwacht. Das berichteten außerdem der "Kölner Express" und die "Bild". Auch die britische Zeitung "Daily Mail" befasste sich mit den Äußerungen. Auf Twitter wurden sie ebenfalls diskutiert und kommentiert.

Mehr als 1000 Opfer

In Köln waren in der Silvesternacht am Hauptbahnhof Frauen massenweise sexuell bedrängt und bestohlen worden. Auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Unter den mutmaßlichen Tätern sollen viele Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft sein. Von den 30 Verdächtigen stammen 25 aus Marokko und Algerien.

Die Polizei hat mittlerweile mehr als 800 Anzeigen erhalten. Sie werden von einer 140-köpfigen Ermittlungsgruppe bearbeitet. 1049 Personen wurden als Opfer erfasst, darunter 482 Opfer von Sexualstraftaten. Zudem geht es um Eigentumsdelikte, Raub und Körperverletzung. Das ergibt sich aus einem Bericht des NRW-Innenministeriums.

Auch in anderen Städten hatte es Übergriffe gegeben, zum Beispiel in Hamburg. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest.

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