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Panorama Haseloff räumt Fehleinschätzung des Risikos ein
Nachrichten Panorama Haseloff räumt Fehleinschätzung des Risikos ein
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17:53 27.07.2009
Landesamt Geologie Bergwesen Erdrutsch Oberbergamt Geiseltalsee Concordiasee Concordia Nachterstedt
Der ehemalige Braunkohletagebau Mücheln im Geiseltal im Süden von Sachsen-Anhalts ist mittlerweile ein beliebtes Naherhohlungsgebiet. Nach dem Erdrutsch in Nachterstedt werden in Sachsen-Anhal alle Tagebaue, ehemalige Gruben und Halden untersucht. Quelle: Jens Schlüter/ddp
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Danach werden alle Tagebaue, ehemaligen Gruben und Halden im Land auf das mögliche Risiko eines ähnlichen Erdrutsches hin untersucht. Darüber hinaus überprüfen die Bergbehörden in Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Sicherheit an Böschungen und Halden des Braunkohlebergbaus. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Rainer Haseloff (CDU) räumte unterdessen ein, dass das Risiko von stillgelegten Tagebauen falsch eingeschätzt wurde.

Der stellvertretende Präsident des Landesamts für Geologie und Bergwesen, Frank Esters, sagte, die Unglücksursache sei weiter unklar. „Es wird noch eine geraume Zeit ins Land gehen, bis die Ursache klar ist.“ Die Untersuchungen, bei denen unter anderem Genehmigungsunterlagen zur Flutung überprüft werden, würden von der Landesbergbehörde, vom Bergbausanierer LMBV und der zuständigen Staatsanwaltschaft geführt. Die ehemalige Braunkohlelagerstätte Nachterstedt sei mit keiner anderen vergleichbar, sagte Esters. Nur dort hätten Häuser auf einer ehemaligen Kippe gestanden.

Wirtschaftsminister Haseloff sagte: „Wir sind als politisch Verantwortliche immer von dem Fakt ausgegangen, dass alles ohne Risiko ist, wohlwissend, dass es immer Restrisiken in bergbaulichen Aktivitäten gibt.“ Um weitere Unglücke zu vermeiden, habe er angewiesen, dass alle bisher schon realisierten Projekte nochmals auf den Prüfstand gestellt werden. Zudem sollten alle laufenden Projekte noch einmal überarbeitet werden, damit Informationen aus Nachterstedt dort Eingang finden können.

Für die vom Erdrutsch betroffenen Menschen in Nachterstedt kündigte der Minister rasche Hilfe an. Im Rathaus von Nachterstedt fänden jetzt Einzelgespräche statt, dabei werde aufgelistet, was an Verlusten zu verzeichnen sei. Mit der LMBV werde dann ein Konzept entwickelt, um so schnell wie möglich eine endgültige Lösung für die Betroffenen zu finden.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) sagte, erste Überprüfungen für Sachsen hätten ergeben, dass vergleichbare Situationen im Freistaat nicht bekannt seien. Sobald die Untersuchungen zum Nachterstedter Unglück abgeschlossen sind, flössen die Ergebnisse in die weiteren Sicherheitsanalysen ein. Der Präsident des sächsischen Oberbergamtes, Reinhard Schmidt, sagte, allein in Sachsen würden 40 Tagebaue geflutet. Für das Neuseenland im Süden von Leipzig, das in einem ehemaligen Braunkohlerevier entstand, sieht er keine Gefahr.

Von der ehemalige Tagebaugrube Nachterstedt soll ein flächendeckendes digitales Geländemodell gefertigt werden. Ein Hubschrauber wird dazu ab Dienstag mehrfach über den ehemaligen Tagebau, der seit 1997 geflutet wird, fliegen und mit einem Scanner das Gelände erfassen, wie ein LMBV-Sprecher ankündigte. Die LMBV habe dazu ein spezialisiertes Geoservice-Unternehmen beauftragt. Aus dem Vergleich der auf diese Weise erzeugten Geländemodelle könnten Bewegungen der Erdoberfläche ermittelt werden.

Bei dem Erdrutsch vor neun Tagen war ein Haus komplett und ein weiteres Haus zur Hälfte zerstört worden. Drei Bewohner werden seitdem vermisst. Die Suche nach ihnen wurde vor einer Woche eingestellt. Sechs Doppelhäuser und die Hälfte eines Doppelhauses wurden für unbewohnbar erklärt.

ddp