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Panorama Habseligkeiten der Bewohner der verschütteten Häuser geborgen
Nachrichten Panorama Habseligkeiten der Bewohner der verschütteten Häuser geborgen
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19:06 18.10.2009
Blick auf die Wohnhäuser und die Abbruchstelle am Concordia-See in Nachterstedt (Salzlandkreis) drei Monate nach dem verheerenden Erdrutsch.
Blick auf die Wohnhäuser und die Abbruchstelle am Concordia-See in Nachterstedt (Salzlandkreis) drei Monate nach dem verheerenden Erdrutsch. Quelle: ddp
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Der 71-jährige Lothar Gareis aus Nachterstedt muss mit den Tränen kämpfen, als er seine Modellflugzeuge in den Händen hält. Der Bergmann überlebte schon vor 53 Jahren ein Grubenunglück im Harz – vor drei Monaten verlor er sein Haus mit Panaromablick auf den Concordia-Tagebausee. Dort wollte er seine Rente genießen - doch riesige Erdmassen rissen zwei Häuser am Rande der Stadt in Sachsen-Anhalt in den gefluteten See. Danach mussten der Flugzeugfan und 40 weitere Bewohner ihre Häuser zurücklassen.

Am Sonnabend gingen die Bergwacht-Teams unter riskanten Umständen bei Regen vielleicht zum letzten Mal in die Häuser, um Habseligkeiten zu bergen. Rentner Gareis will sein jahrzehntelanges Heim in guter Erinnerung behalten. Aus einem Umzugskarton packt er eine Luftbildaufnahme aus, die sein Haus vor dem Unglück zeigt. Das Bild hängt er in seinem gemieteten Reihenhäuschen auf, das nur 700 Meter von der Unglücksstelle entfernt ist. Elefanten mit Elfenbeinstoßzähnen, afrikanische Masken und eine Luftflieger-Karteikartensammlung standen auf der Liste der Gegenstände, die die Bergwacht dem alleinstehenden Rentner mitbringen sollte.

„Natürlich wäre gerne jeder selbst gegangen“, sagt Gareis. „Ich hätte aber kein Ende gefunden.“ Für die Bergung der Habseligkeiten gingen rund 150 Einsatzkräfte das Risiko ein, dass es noch einmal einen Erdrutsch gibt. „Ein Restrisiko hat natürlich auch heute bestanden“, sagte die Sprecherin der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Katrin Franke. Letztlich sei aber alles glattgelaufen. Trotz der heiklen Aktion blieb der Untergrund auch am Sonntag fest.

Wie vor drei Monaten regnete es, aber nicht wie damals in Strömen. „Erdbewegungsmessung, Rissmessung, Pegelmessung, seismische Aufzeichnung – es gab keine Anhaltszeichen, dass sich hier etwas bewegt“, sagte Franke. Die Ehrenamtlichen der Bergwacht Harz transportierten die Habseligkeiten mit Bollerwagen von den einsturzgefährdeten Häusern ab. „Es ist alles dafür getan worden, dass alles sicher ist“, sagte Einsatzleiter Michael Walther. Das Bergbau-Unternehmen ist für die Flutung des früheren Braunkohle-Tagebaus zu einem See verantwortlich. Die LMBV hatte es abgelehnt, dass die früheren Bewohner selbst in ihren Häusern nach Erinnerungsstücken suchen können.

Gareis hofft, dass er noch einmal ganz in sein Eigenheim zurückkehren kann. „Ich glaube aber, irgendwann rutschen die Häuser weg“, sagt der Bergmann und ist sich ganz bewusst, dass er sich mit seinem Schicksal abfinden muss. „Es nützt alles nichts, wir müssen nach vorne schauen“, sagt Nachterstedts Bürgermeister Siegfried Hampe.

Die Gemeinde arbeite bereits an der Erschließung eines Neubaugebiets, das weit genug weg von der Unglücksstelle liegt. „Das Unglück ist noch nicht verarbeitet – wird es auch so lange nicht, wie die Häuser da noch stehen. Die Betroffenen schauen jeden Tag auf ihre Häuser.“ Sie hätten viel Solidarität in den Wochen nach dem Verlust ihres Hab und Guts erhalten. „Sie wollen jetzt aber nicht mehr besonders behandelt werden. Ja, sie sind jetzt Mieter, aber normale Bürger.“

von Juliane Quägwer 
und Sebastian Döring

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