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Panorama Gedenkfeier für ermordete Melanie aus Peine
Nachrichten Panorama Gedenkfeier für ermordete Melanie aus Peine
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21:03 02.11.2010
Bei einem Gottesdienst in der Peiner Ortschaft Dungelbeck gedachten gestern etwa 300 Menschen der ermordeten Melanie.
Bei einem Gottesdienst in der Peiner Ortschaft Dungelbeck gedachten gestern etwa 300 Menschen der ermordeten Melanie. Quelle: dpa
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Hunderte Teelichter erhellen die evangelische Kirche in der Peiner Ortschaft Dungelbeck. Im Altarraum ist ein Bild der getöteten Melanie zu sehen: In ihrem Heimatort gedachten am Dienstagabend etwa 300 Menschen des Schicksals der 23-jährigen Floristin. Zu den Besuchern des Gottesdienstes zählten Freunde und Nachbarn. Auch Melanies Familie war anwesend. In den Gesichtern vieler Besucher zeigten sich Ratlosigkeit und Trauer.

Vergangene Woche hatte ein 27-Jähriger Melanie mit Messerstichen getötet. Kennengelernt hatten sich das Opfer und der mutmaßliche Mörder wenige Tage vor der Tat über die Internetplattform „goolive“. Dort hatte sich der 27-jährige Benjamin F. als Frau ausgegeben und Melanie zu einem Treffen überredet. Er hat die Tat bereits gestanden.

„Wie kann jemand das fertigbringen, mithilfe des Internets eine junge Frau in so eine Falle zu locken, ihre Offenheit auszunutzen, ihr Vertrauen in andere Menschen?“, fragte Pastor Dr. Stefan Leonhardt.
Der Gedenkgottesdienst begann exakt eine Woche, nachdem Melanie ihren Heimatort zum letzten Mal verlassen hatte. Am Dienstag, 26. Oktober, war sie mit ihrem Freund René zu dessen Wohnung in Sehnde-Höver aufgebrochen. Später traf sie sich mit Benjamin F. und wurde von ihm getötet.

In seiner Predigt warnte Leonhardt vor den Gefahren des Internets, das von manchen Menschen missbraucht werde. Gleichzeitig sprach er sich dagegen aus, dieses Medium zu verteufeln. Es gebe etliche Menschen, die auf diesem Weg Freunde und Lebenspartner gefunden hätten. „Wenn du dich und deine Kinder noch so gut zu schützen suchst – einen hundertprozentigen Schutz gibt es nie“, sagte Leonhardt. Das gelte sowohl für das Internet wie für die Außenwelt.

Dennoch mache die grausame Tat an Melanie ohnmächtig und wecke große Ängste. „Weil uns plötzlich bewusst wird: Es könnte über jeden von uns hereinbrechen.“ Viele Eltern erzählten, ihre Kinder hätten sich auch schon einmal mit Chatpartnern treffen wollen, sagte der Theologe.

Zu dem Trauergottesdienst war auch die Peiner evangelische Superintendentin Christa Gerts-Isermeyer nach Dungelbeck gekommen. Im 1800-Einwohner-Dorf herrschten Fassungslosigkeit und Entsetzen, sagte Leonhardt am Rande des Gottesdienstes. „Man hört so etwas im Fernsehen, aber jetzt ist es ganz nahe gerückt in unserem kleinen Dorf.“ Jugendliche, für die Chatten alltäglich sei, hielten inne und dächten darüber nach, was sie da eigentlich täten.

André Ziegenmeyer und Tobias Mull

02.11.2010