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Panorama Fünfjähriger aus Trümmern in Haiti lebend geborgen
Nachrichten Panorama Fünfjähriger aus Trümmern in Haiti lebend geborgen
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12:29 21.01.2010
Ein fünfjähriger Junge konnte acht Tage der dem Erdbeben aus den Trümmern gerettet werden.
Ein fünfjähriger Junge konnte acht Tage der dem Erdbeben aus den Trümmern gerettet werden. Quelle: ap (Symbolbild)
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Auch mehr als eine Woche nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti werden immer noch Überlebende in den Trümmer gefunden. Am Mittwoch wurde ein fünfjähriger Junge nahezu unverletzt gerettet. Ärzte befürchten unterdessen, dass die Zahl der Toten bei Ausbruch von Seuchen rasant weiter steigen könnte. Grund ist vor allem die schlechte sanitäre Situation in den Lagern, in denen die Zigtausenden Obdachlosen Unterschlupf gefunden haben.

Der fünfjährige Junge wurde eher durch Zufall in den Trümmern eines Hauses in der Hauptstadt Port-au-Prince gefunden, wie die US-Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) mitteilte. Er leide an Austrocknung, sei aber sonst unverletzt, sagte eine Sprecherin, Margaret Aguirre. Ein Onkel des Jungen berichtete, Verwandte hätten einen Toten aus den Trümmern bergen wollen, als plötzlich jemanden gerufen habe: „Hier bin ich, hier bin ich“.

Die Hoffnung, weitere Überbebende in den Trümmern eingestürzter Gebäude zu finden, schwindet jedoch immer mehr, wenngleich die vielen internationalen Rettungsteams auch in der Nacht zum Donnerstag die Suche mit Spürhunden und Detektoren fortsetzten.

Ein starkes Nachbeben hat am Mittwochmorgen die Menschen im Katastrophengebiet in Panik versetzt. Tausende rannten schreiend ins Freie, zahlreiche zerstörte Gebäude stürzten endgültig ein. Bei dem Hauptbeben in der vergangenen Woche der Stärke 7,0 kamen nach Regierungsangaben bis zu 200.000 Menschen ums Leben, rund 250.000 wurden verletzt, zwei Millionen obdachlos.

Nördlich von Port-au-Prince wurden mit Bulldozern weitere Massengräber ausgehoben, in denen 10.000 Tote am Tag beigesetzt werden sollten. Viele der Arbeiter dort sind inzwischen traumatisiert. „Ich habe so viele Kinder gesehen, so viele Kinder. Ich kann nachts nicht mehr schlafen. Und wenn ich es kann, dann habe ich Alpträume“, sagt der 38-jährige Foultone Fequiert. „Allein gestern sind 10.000 Leichen angekommen.“ Zeit für religiöse Zeremonien gibt es nicht.

In den Krankenhäusern hat sich für Behandlungen ein Rückstau von bis zu zwölf Tage gebildet, wie Ärzte erklärten. Die unbehandelten Wunden der zahllosen Verletzten schwärten unterdessen weiter. Die nächste große Gefahr sei, dass sich Krankheiten und Seuchen in den überfüllten Lagern, in denen es nur wenige oder gar keine sanitären Einrichtungen gebe, unter den Hunderttausenden Überlebenden ausbreiteten, erklärte Greg Elder, der stellvertretende örtliche Leiter von Ärzte ohne Grenzen.

USA bereiten Guantanamo auf Aufnahme von Flüchtlingen vor

Die USA bereiten ihren Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba für einen möglichen Ansturm haitianischer Flüchtlinge vor. Auf dem Gelände wurden bereits etwa 100 Zelte für jeweils zehn Personen errichtet, wie Konteradmiral Thomas Copeman am Mittwoch sagte. Sollten Überlebende der Erdbebenkatastrophe in Haiti tatsächlich massenweise ihr Land verlassen, stünden mehr als 1.000 weitere Zelte zur Verfügung.

Auch Feldbetten und andere Dinge seien für den Notfall gelagert, erklärte Copeman. Der Admiral ist Befehlshaber der Sondereinheit, die für das umstrittene US-Gefangenenlager für Terrorverdächtige auf dem Marinestützpunkt zuständig ist. Die Flüchtlinge aus Haiti würden allerdings getrennt von den noch rund 200 Lagerinsassen untergebracht werden. Das Gefangenenlager und das Auffanglager für Flüchtlinge liegen etwa vier Kilometer auseinander. Anfang der 1990er Jahre waren bereits tausende Bootsflüchtlinge aus Haiti vorübergehend auf dem Stützpunkt Guantanamo untergebracht worden.

Elfjähriges Mädchen aus Trümmern in Haiti gerettet

In der Hauptstadt Port-au-Prince zogen Nachbarn am Mittwoch (Ortszeit) ein elfjähriges Mädchen aus einem zerstörten Haus. „Es ist ein wahres Wunder, sie kommt Stück für Stück zurück ins Leben“, sagte die Ärztin Dominique Jean. „Ihre Nieren funktionieren, sie bekommt Salzwasser gegen die Dehydrierung und langsam wieder ein wenig zu essen“, sagte sie. Erst am Mittwoch wurden zwei Frauen und ein Baby lebend aus den Trümmern geborgen.

USA entsenden weitere 4000 Soldaten nach Haiti

Zur Unterstützung der Hilfsarbeiten in Haiti wollen die USA weitere 4000 Soldaten entsenden. Die Angehörigen von Marine und Marineinfanterie sollten anstelle geplanter Entsendungen nach Europa und Nahost in die karibische Katastrophenregion umgeleitet werden, teilten die US-Streitkräfte am Mittwoch (Ortszeit) mit. Der zerstörte Hafen in Port-au-Prince soll nach Angaben der US-Armee am Freitag wieder teilweise geöffnet werden.

Der Marschbefehl sei bereits am Dienstag an eine Flugzeugträgerkampfgruppe und eine Einheit der Marineinfanterie ergangen, teilten die US-Streitkräfte mit. In Haiti sollten sie die Hilfsbemühungen für die Überlebenden des verheerenden Erdbebens der vergangenen Woche unterstützen. Bis Mittwoch hatten die USA bereits rund 11.000 Soldaten nach Haiti entsandt. Auch Brasilien will 800 zusätzliche Soldaten schicken.

Kritik an der Entsendung von US-Soldaten kam aus Venezuela und Bolivien. Der venezuelanische Präsident Hugo Chávez warf der USA vor, in Haiti die Macht übernehmen zu wollen. Die US-Armee habe mit der Einnahme des Flughafens begonnen, erklärte er. Jetzt würden US-Marines bereits im zerstörten Präsidentenpalast sein. Der bolivianische Präsident Evo Morales kritisierte, die US-Soldaten seien in Haiti einmarschiert, ohne dies mit den Vereinten Nationen abzusprechen. Sie würden die Naturkatastrophe benutzten, um Haiti „militärisch zu okkupieren“.

Der zerstörte Hafen in Port-au-Prince soll nach Angaben der US-Armee am Freitag wieder teilweise geöffnet werden. Dann könne vielleicht wieder die Hälfte seiner ursprünglichen Kapazität genutzt werden, sagte General Kan Keen. Wenn dort wieder Schiffe mit Hilfslieferungen anlegen könnten, werde auch der völlig überfüllte Flughafen entlastet.

Auch acht Tage nach dem verheerenden Erdbeben wurden immer noch Lebende aus den Trümmern geborgen. In Port-au-Prince zogen Nachbarn ein elfjähriges Mädchen aus einem zerstörten Haus. „Es ist ein wahres Wunder, sie kommt Stück für Stück zurück ins Leben“, sagte die Ärztin Dominique Jean. „Ihre Nieren funktionieren, sie bekommt Salzwasser gegen die Dehydrierung und langsam wieder ein wenig zu essen“, sagte sie. Erst am Mittwoch wurden zwei Frauen und ein Baby lebend aus den Trümmern geborgen.

Das Land wurde am Mittwoch von dem bislang schwersten Nachbeben mit der Stärke 6,1 erschüttert. Das Ausmaß der Schäden war zunächst unklar, es wurden aber in der Hauptstadt mindestens drei große Gebäude zerstört.

ap / afp

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