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Panorama Festnahmen nach Methanol-Vergiftung
Nachrichten Panorama Festnahmen nach Methanol-Vergiftung
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18:36 07.04.2009
Drei Schüler starben vermutlich an Methanol-Vergiftungen in der Türkei Quelle: Roland Magunia/ddp
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Nach Angaben des Lübecker Anwalts Frank-Eckhard Brand wurden für den Hoteldirektor und den Barkeeper mittlerweile Ausreiseverbote erlassen. Außerdem erwäge das zuständige türkische Ministerium eine Schließung des Hotels und die Ausweitung der Ermittlungen auf die Region, sagte er. Brand vertritt die Eltern eines der Opfer.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat Kontakt zu den türkischen Behörden hergestellt, um schnellstmöglich die Ermittlungsergebnisse auszutauschen. Unklar ist bislang aber, ob auch die zwei am Samstag vom Lübecker Universitätsklinikum für Hirntod erklärten Schüler an einer Methanol-Vergiftung starben. Die Obduktion der Leichname habe den Befund Hirntod zwar bestätigt, die Todesursache sei jedoch noch unklar, sagte der Lübecker Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz. Er fügte hinzu: „Man kann zwar den Tod durch Methanol vermuten.“ Dafür seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig, die einige Tage in Anspruch nehmen würden.

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Die beiden 17 und 19 Jahre alten Schüler waren im türkischen Badeort Kemer ins Koma gefallen. Am Samstag wurde im Universitätsklinikum Lübeck der Ausfall aller Hirnfunktionen diagnostiziert. Ein 21-jähriger Schüler war bereits in der Türkei nach dem Genuss von vermutlich mit Methanol versetztem Wodka gestorben.

Unterdessen wurden in der Türkei drei Verdächtige festgenommen. Dabei soll es sich um leitende Angestellte des Hotels, den für Speisen und Getränke zuständigen Manager sowie den Chefeinkäufer, handeln. Zuvor hatten die türkischen Behörden bei einer Überprüfung in dem Komplex gepanschten Alkohol entdeckt. Bei der dritten Person handele es sich möglicherweise um den Alkohol-Lieferanten des Hotels, sagte Rechtsanwalt Brand.

Nach Angaben eines der Schüler kostete der gepanschte Schnaps 25 Euro. Einer von ihnen habe bei einem Kellner Cola und zwei Flaschen Wodka gekauft, sagte der Schüler. Nach dem Konsum habe er am nächsten Tag Sehstörungen gehabt. „Ich bekam Panik. Es war unerträglich hell, ich konnte nichts mehr sehen“, sagte der 18-Jährige der „Bild“-Zeitung (Dienstagausgabe). Im Krankenhaus hätten die Ärzte den Schülern als Behandlung Alkohol eingeflößt. „Ich bekam einen Schlauch in die Nase, dann pumpten sie einen halben Liter Raki in mich rein.“

Nach Experteneinschätzung ist gepanschter Alkohol für Konsumenten kaum von herkömmlichen Drinks zu unterscheiden. „Das ist extrem schwierig herauszuschmecken, da hat man in der Regel keine Chance“, sagte der Toxikologe Edmund Maser von der Kieler Christian-Albrechts-Universität.

Der Reiseveranstalter Öger Tours will sich angesichts des Falls für die spezielle Problematik von mit Methanol versetzten Alkohol „sensibilisieren“. In den Vertragshotels von Öger Tours habe es bisher keinen ähnlichen Vorfall oder eine ähnliche Beschwerde gegeben. „Wir gehen nicht davon aus, dass es zu Buchungsrückgängen bei Türkeireisen kommt“, sagte Unternehmenssprecherin Kathrin Rüter-Pantzke.

Während einer Klassenfahrt waren sieben Realschüler der Lübecker Privatschule Bildungszentrum Mortzfeld nach dem Genuss von gepanschtem Alkohol mit schweren Vergiftungen ins Krankenhaus nach Antalya gekommen. Vier weitgehend wiederhergestellte Jugendliche kehrten zuerst nach Deutschland zurück.

ddp