Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Fernsehturm wird 40 Jahre alt
Nachrichten Panorama Fernsehturm wird 40 Jahre alt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 01.10.2009
Herzlichen Glückwunsch: Der Berliner Fernsehturm wird 40.
Herzlichen Glückwunsch: Der Berliner Fernsehturm wird 40.
Anzeige

Das Bauwerk wurde mit höchsten Ehren eröffnet: Vor 40 Jahren kam der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht persönlich, um am 3. Oktober 1969 den Berliner Fernsehturm im Osten der Stadt einzuweihen. Zum Jubiläum an diesem Wochenende gibt sich der Turm nostalgisch. Wer das höchste öffentlich zugängliche Gebäude Europas besucht, erhält am Samstag eine Eintrittskarte im Stil des Eröffnungsjahres und kann Speisen bestellen à la Soljanka oder Gulasch, wie sie damals üblich waren.

Das einstige Wahrzeichen der DDR hat sich längst zum Symbol für ganz Berlin gewandelt. Mit 1,2 Millionen Besuchern pro Jahr zählt der Turm laut einer Online-Umfrage des Deutschen Tourismus Verbands zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Was ihn so attraktiv macht, sind sein Standort am Alexanderplatz, seine außergewöhnliche Höhe von 368 Metern und der kugelrunde Bauch, in dem sich auf 207 Metern ein Restaurant dreht.

Dabei war der Grund für seinen Bau denkbar profan: Die DDR hatte von der Internationalen Frequenzkonferenz in Stockholm nur zwei TV-Bereiche zugeteilt bekommen, die nach einem möglichst hohen, zentral gelegenen Turm verlangten, um die Sendefrequenzen möglichst optimal ausschöpfen zu können.

Zehn Jahre lang planten Architekten und Ingenieure das Bauwerk, mehrmals wurde sein Standort verschoben. In 53 Monaten zogen die Arbeiter schließlich den Turm hoch. Der Bau verschlang mindestens 200 Millionen DDR-Mark, rund sechsmal mehr als die ursprünglich geplanten Kosten.
Doch das störte die SED-Oberen nicht. Ihnen war wichtiger, dass der Turm zum 20. Jahrestag des Arbeiter- und Bauernstaats fertig war, der vier Tage nach der Eröffnung gefeiert wurde. Sogar einen Spitznamen hatten die Ideologen für ihn parat: „Telespargel“ sollte er genannt werden, ein Name, der nie ins Volk fand. Eher belachten die Berliner die „Rache des Papstes“, ein strahlendes Lichtkreuz, das sich auf der Kugel bei Sonnenschein bildet und weithin leuchtet.

Die Kugel ist die Besonderheit des Baus. DDR-Architekt Hermann Henselmann nahm für sich in Anspruch, ihr geistiger Vater zu sein, doch auch andere Architekten reklamierten diese Rolle. Der Rundbau war Ende der 60-er Jahre ein Novum, denn üblich war die zylinderförmige Turmkopflaterne wie beim 1956 eröffneten Stuttgarter Fernsehturm. Die Kugelaußenhaut besteht aus 120 trapezförmigen Segmenten, die rund 2.600 Quadratmeter Oberfläche verkleiden. Sie wurden von den Stahlwerken Südwestfalen AG bei Siegen geliefert, goldfarben, ganz nach den Wünschen des damaligen Präsidenten der DDR-Bauakademie, Gerhard Kosel.

Heute zählt der Turm zum Bedeutendsten, was die DDR-Architektur hervorgebracht hat, und immer noch kann der Besucher die Atmosphäre von damals schnuppern. Für zehn Euro trägt der Aufzug ihn in 40 Sekunden in die Höhe. Trotz einer Renovierung im Jahr 1996 sind Restaurant und Aussichtsplattform fast wie früher geblieben, ganz im Stil der 70er Jahre. Zur Zeit wird von den Betreibern ein erneuter Umbau geplant.

Doch trotz seiner 40 Jahre ist der Turm keine Antiquität. Über seine Antennen werden 60 Fernseh- und Radioprogramme gesendet. Weitaus erfolgreicher übrigens als bei seiner Eröffnung. Als Walter Ulbricht am 3. Oktober 1969 das Knöpfchen drückte, damit die ersten bunten Fernsehbilder in die DDR-Wohnzimmer flimmerten, tauchte nur das Pausenbild des Deutschen Fernsehfunks auf: das Brandenburger Tor, das Wahrzeichen einer ganz anderen Berliner Epoche.

afp