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Panorama Ewige Liebe … bis das Leben uns scheidet
Nachrichten Panorama Ewige Liebe … bis das Leben uns scheidet
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10:02 30.03.2019
Die ewige Liebe und die ewige Ehe stehen seit der Romantik hoch im Kurs. Doch tatsächlich gibt es viele gute Gründe dafür, dieses Ideal zu hinterfragen. Quelle: Istvan Bajzat/dpa
Hannover

Als das Ehepaar Gottschalk Silberhochzeit feierte, konnte Thomas nicht bei Thea sein. Er hatte Verpflichtungen, stand bei einer Wohlfahrtsveranstaltung im Wort. „Ich habe aber fest versprechen müssen, zur goldenen Hochzeit persönlich anwesend zu sein“, erzählte der Ex-„Wetten dass..?“-Moderator vor ein paar Jahren.

Zur goldenen Hochzeit reicht es nun aber nicht mehr. Die Gottschalks – neben Goldie Hawn und Kurt Russell sowie Susan und Jeff Bridges eines der dienstältesten Promi-Paare – haben sich getrennt. Ihre Ehe ist nach 42 Jahren gescheitert. Gescheitert? Ist eine Ehe, die 42 Jahre hält, wirklich gescheitert?

Wer Kommentare im Internet über das Ehe-Aus der Gottschalks liest, darf sich wundern, wie viel Betroffenheit, ja zum Teil sogar Zorn da mitschwingt. „An was soll man sich im Leben noch festhalten?“, schreibt einer. „Jeder kann machen, was er möchte, aber die menschliche Enttäuschung, die ich bei einer solchen Nachricht empfinde, ist echt“, meint ein anderer. „Das bringt mein Weltbild ins Wanken“, ein Dritter.

Dass Promi-Ehen scheitern, ist nichts Besonderes

Ein ganzes Weltbild gerät ins Wanken? Nur weil sich ein Showmaster von seiner Ehefrau trennt? Dass Promi-Ehen scheitern, ist nichts Besonderes. Die kürzeste zertifizierte Liaison führten Britney Spears und ihr Jugendfreund Jason Alexander: Nach 55 Stunden war wieder Schluss.

Die Beziehung zwischen Angelina Jolie und Brad Pitt hielt immerhin zwölf Jahre (die Ehe der beiden nur zwei). Bei Maria Shriver und Arnold Schwarzenegger lagen 25 Jahre zwischen Hochzeit und Trennung.

Doch egal, welche Paare kamen und gingen, wer welchen Scheidungskrieg mit wem ausfocht, wer mit wem etwas Neues anfing – die Gottschalks waren und blieben ein Paar. Still und ohne Skandale war ihre Beziehung in ihrer vordergründigen Hintergründigkeit eine ruhige Konstante, zumindest machte es den Eindruck für uns Beobachter, die ja trotz aller Bemühungen des Boulevards doch nie wirklich hinter die Kulissen blicken konnten.

Ein Beweis, dass wahre Liebe noch existiert

Doch wegen dieses Eindrucks ist auch die Verwunderung so groß. Die Gottschalks galten vielen als Beweis, dass die wahre Liebe doch noch existiert. Sogar in den Glitzerwelten des Showbusiness, das doch zumindest in den Vorstellungen von uns Normalbürgern ein stetiger Quell der Versuchung sein muss.

Wenn trotz der vielen schönen, aufregenden, kreativen Menschen um sie herum Stars wie Thomas Gottschalk eisern an ihrer Ehe festhalten, dann muss das doch wahre Liebe sein. Und für all die Beobachter ist das Motivation: Wenn die das schaffen, schaffen wir das erst recht.

Deshalb zeigen sich viele dieser Beobachter nun besonders enttäuscht. Deswegen gerät bei manchen vielleicht wirklich ein Weltbild ins Wanken. Die Fallhöhe ist bei den Gottschalks eine größere als etwa bei Otto Waalkes und Eva Hassmann, die sich 2011 nach elf Jahren trennten, die aber niemals als Identifikationsfiguren einer sich nach unendlicher Zuneigung sehnenden Masse dienten.

Was hätten Thomas Gottschalk und Ehefrau Thea wohl zur goldenen Hochzeit angezogen? Nach ihrer Trennung werden wir es nicht mehr erfahren. Quelle: imago/WEREK

Die ewige Liebe und die ewige Ehe stehen seit der Romantik hoch im Kurs. „Das Mädchen atmet auf, reicht aus dem Schweigen / Die Hand mir, dass sie ewig meine bliebe“, dichtete Joseph von Eichendorff. Ewig, darunter geht es nicht bei Novalis, den Schlegels und Co. Bis dato waren Hochzeiten zumeist kein Ausdruck von Liebe, sondern Resultate von Zweckverbindungen und finanziellen oder standeserhaltenden Erwägungen.

Immanuel Kant etwa schrieb noch 1797 sachdienlich unromantisch: „Die Ehe ist die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften.“ Doch nun sollten in der Ehe sexuelle Leidenschaft und wahrhaft gefühlte Zuneigung zueinanderkommen.

Und nicht nur das: Die Liebe galt den Romantikern als Voraussetzung zur Eheschließung. Aufrichtigkeit, Treue und Fürsorge der Partner sollten dazu führen, dass die Liebe für immer andauert. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet“, schrieb Schiller (den die Romantiker allerdings nicht zu den Ihren gezählt haben). Augen auf bei der Partnerwahl, rief der Großdichter: Es sollte im Idealfall wirklich nur heiraten, wer einander liebt. Schließlich bindet man sich ewig.

Als sei eine Beziehung ein Langstreckenrennen

Bis heute stecken Eheleute einander an den Finger einen Ring – das Symbol für Unendlichkeit. Und noch heute singt Herbert Grönemeyer im Fahrwasser des romantischen Liebesflusses: „Fühl mich bei dir geborgen, / setz mein Herz auf dich, / will jeden Moment genießen, / Dauer ewiglich.“

Viele von uns tragen dieses Ideal von der immerwährenden Liebe (und Ehe) offenbar immer noch in uns. Und auch wenn die Partner im Laufe der Jahre auch mal miteinander ringen, sich streiten und sich voneinander entfernen, bleibt das hohe Ideal: zusammenbleiben, es gemeinsam ins Ziel schaffen. So, als sei eine Beziehung ein Langstreckenrennen, das erst mit dem eigenen Tod oder dem Ableben des Partners endet. Wer es nicht schafft, gilt als gescheitert.

Doch als die Romantiker von Ewigkeit sprachen und dieses uns bis heute prägende Ideal in unsere Köpfe und Herzen dichteten, lag die Lebenserwartung der Deutschen bei rund 30, manchmal auch 35 Jahren. Diese Form der Ewigkeit schaffen auch heute noch viele Paare locker ohne Trennung.

Ewige Dauer kann auch ewiges Einerlei bedeuten

Aber mit dem Partner, der Partnerin bis ins hohe Alter durchzuhalten fällt offenbar immer mehr Menschen schwer. Ewige Dauer kann auch ewiges Einerlei bedeuten, ewiges Aushalten der Macken des anderen, ewiges Rätseln darüber, warum man nicht schon vor Jahren den Absprung gewagt hat. Der Paartherapeut Eric Hegmann sagte kürzlich: „Das Leben ist zu kurz für eine Beziehung, die unglücklich macht.“

Jede sechste Ehe wurde im Jahr 2017 nach 25 oder mehr Ehejahren geschieden, 1991 waren es nur 9 Prozent. Das Durchschnittsalter der Geschiedenen lag 1991 noch um sieben Jahre niedriger als 2017. Die Gründe, warum sich Paare auch nach 25, 35, gar 45 Jahren trennen, können vielfältig sein.

Die Kinder sind dann meist aus dem Haus, und damit ist das größte, am meisten Zeit und Energie raubende, aber auch am meisten Kraft und Liebe spendende gemeinsame Projekt vorbei. Nach dem Auszug der Kinder, aber auch nach dem Berufsleben muss man plötzlich viel mehr Zeit miteinander verbringen. Der Partner wird plötzlich zum Blitzableiter, weil diese Funktion die Arbeitskollegen nicht mehr übernehmen können. Und manchmal steckt natürlich auch eine Affäre, ein Seitensprung, eine neue Liebe hinter einer Trennung.

Ehen sind heute Erlebnisgemeinschaften

Auch die Voraussetzungen haben sich geändert. Frauen müssen heute oftmals nicht mehr aus finanzieller Abhängigkeit bei ihren Männern bleiben, bis entweder der Tod oder die Beziehung zu einer jüngeren Frau ihnen den Partner entreißt. Frauen sind heute im Gegensatz zu früher unabhängig.

Auch wenn es natürlich immer noch Frauen gibt, die sich aus finanziellen Gründen von ihren Männern nicht trennen können oder wollen, beantworten immer mehr die alte The-Clash-Frage „Should I Stay or Should I Go Now?“ mit: Ich gehe.

Ehen sind heute immer häufiger keine „Versorgungsehen“ mehr, sondern Erlebnisgemeinschaften. So befinden sich diese Bindungen oft im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Stabilität und dem Wunsch nach Freiheit. Mal überwiegt das eine, mal das andere. Fast jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Jede zweite Ehe hält.

Das Dasein hat keine festgesetzten Ziele

Zudem sind Sexualität und eine neue Beziehung im Alter immer seltener ein Tabu. Auch wenn ältere Menschen immer noch eher in der Rolle der fürsorgenden Großeltern als in der Rolle sexuell aktiver Rentner gesehen werden, wandelt sich dieses Bild langsam.

Eine gelungene Partnerschaft muss auch nicht mehr unbedingt ein Faktor für ein gelungenes Leben sein. Das Singledasein hat genauso viele Vor- und Nachteile wie das Zusammenleben mit einem Partner. Aber vor allem ist es nicht mehr stigmatisiert. Wer allein lebt, ist keine „alte Jungfer“ oder kein gesellschaftlicher Außenseiter oder automatisch Witwe oder Witwer mehr.

Aus all diesen Gründen, weil Liebe und Partnerschaft endlich sein können, weil Menschen auch im fortgeschrittenen Alter ein Recht auf ein neues Leben haben, weil das Dasein keine festgesetzten Ziele und keine Ziellinie hat, die man gemeinsam überqueren muss, und weil das romantische Liebesideal zwar schön klingt, aber kein Nonplusultra mehr sein muss, ist eine Ehe, die nach 42 Jahren zu Ende geht, nicht gescheitert.

Ehen sind keine Selbstläufer

Die Jahre davor sind ja wahrscheinlich harmonisch gewesen, zumindest so harmonisch, dass es die Gottschalks lange miteinander ausgehalten haben. Gerade in heutigen Zeiten, in denen Beziehungen manchmal nicht länger halten als der Geschirrspüler, den man sich zur Hochzeit gönnt, sollte eine 42 Jahre haltende Ehe nicht als gescheitert, sondern als gelungen gelten.

Egal, wie lange sie andauern, Ehen sind keine Selbstläufer. Die Erwartung, dass sie ewig halten, kann auch zu Ermüdungserscheinungen, Respektlosigkeiten, Unaufmerksamkeiten in der Partnerschaft führen. Nach dem Motto: Ich muss mich nicht mehr bemühen, ich habe „meine Schäflein im Trockenen“.

Vielleicht tut es Beziehungen ja manchmal sogar gut, wenn das mögliche Ende immer mitschwingt. Das kann die Liebe lange frisch halten. Oder um es mit der Band Wir sind Helden zu sagen: „Ich werde mein Leben lang üben, / Dich so zu lieben, / Wie ich dich lieben will / Wenn du gehst.“

Von Kristian Teetz

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