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Panorama Dreifachmord unter Kleingärtnern wird vor Gericht verhandelt
Nachrichten Panorama Dreifachmord unter Kleingärtnern wird vor Gericht verhandelt
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17:07 07.05.2009
Von Heinrich Thies
Der Dreifachmord in einer Gifhorner Kleingartenkolonie wird vor dem Hildesheimer Landgericht verhandelt. Quelle: Rainer Dröse
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Nach jahrelangem Streit schlug der Rentner Wilfried R. drei Gartennachbarn den Schädel ein. Vor dem Landgericht Hildesheim muss sich der frühere VW-Arbeiter derzeit wegen Mordes in drei Fällen verantworten. Nachdem der 66-Jährige beim Prozessauftakt beteuert hatte, er habe aus Notwehr gehandelt, hatten Mittwoch beim zweiten Verhandlungstag die früheren Nachbarn und die Hinterbliebenen seiner Opfer das Wort.

„Ein typischer Choleriker, aufbrausend und rechthaberisch.“ So charakterisiert Marcus K. den Angeklagten, der seine Eltern und seinen Bruder Martin erschlagen hat. R. habe seine Nachbarn immer nach dem Motto behandelt: „Ich bin der General und ihr seid die Stoppelhopser“, sagt der 36-jährige Elektroinstallateur. Seinen getöteten Bruder Martin, der R. nach dessen eigener Darstellung angegriffen haben soll, charakterisiert Marcus K. dagegen als „sehr ruhig“.

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Dieser Charakterisierung schließt sich auch Jens K. an. Der 27-jährige Student macht kein Hehl daraus, dass ihn der gewaltsame Tod seiner Familie aus der Bahn geworfen hat. „Seit dem 23. 9. habe ich mein Studium quasi abgebrochen“, sagt Jens K.

Lange bevor R. seine Eltern und den Bruder erschlug, war auch schon Jens K. mit dem leicht erregbarem Nachbarn aneinandergeraten. Als Jens gemeinsam mit seinem Bruder Martin eine alte Schaukel auf der früheren Kleingartenparzelle der Familie wieder aufrichten wollte, bezichtige Wilfried R. ihn des Diebstahls. „Lumpenpack, Diebesbande“, soll R. gepoltert haben.

Dem Angeklagten ist nach wie vor keinerlei Schuldbewusstsein anzumerken. Während die Angehörigen seiner Opfer über ihre leidvollen Erfahrungen mit ihm sprechen, lächelt der weißhaarige alte Herr im bunten Pullover spöttisch und verschränkt kopfschüttelnd die Arme vor der Brust. Auch bei der Vernehmung seiner früheren Nachbarn Dieter (70) und Gerda (68) S. deutet der Angeklagte an, dass deren Aussagen nicht ernst zu nehmen sind. Kein Wunder. Denn auch mit den beiden Zeugen lag der Kleingartenbesitzer schon seit gut 15 Jahren im Clinch. „Vernünftig reden konnte man mit dem nicht“, sagt Gerda S.

„Er hat uns in einem fort schikaniert und sich als Herr aufgespielt“, berichtet Dieter S., der später die Leichen fand. Als sein Nachbar einmal das Gras auf dem Weg gemäht habe, sei er „mit hochrotem Kopf wie ein HB-Männchen“ auf ihn zugestürmt und habe gedroht: „Wenn du noch einmal auf dem Grundstück mähst, schlage ich dich tot.“ Als daraufhin das (später erschlagene) Ehepaar K. dazukam, habe er auch die bedroht: „Wenn ihr Euch da nicht raushaltet, seid ihr als nächstes dran.“

Ähnlich rabiat soll sich R. verhalten haben, als es Gerda S. wagte, auf seinem Grundstück Brombeeren zu pflücken. „Da ist er von hinten auf mich zugestürzt, hat mich an der Schulter gepackt und die Brombeeren in den Busch geschleudert“, sagt die Frau. „Ich schlag dich tot“, habe R. gedroht. „Später hat er uns dann die Autoreifen zerstochen.“

Der Angeklagte begleitet die Aussage wieder mit spöttischem Grinsen. Seine Haltung ändert sich jedoch schlagartig, als seine Frau und sein Sohn in den Zeugenstand treten – beide schwarz gekleidet wie die Angehörigen der Opfer. Der angeklagte Rentner wirkt erschüttert, nachdem seine Frau Karin einen kurzen Blick mit ihm gewechselt hat. Doch auf bestärkende Worte wartet der stämmige alte Herr vergebens. Karin R. verweigert die Aussage. Sohn Dennis folgt dem Beispiel seiner Mutter. „Meiner Familie und der Gegenpartei ist schon genügend Schaden zugefügt worden“, sagt der 36-jährige IT-Techniker, der jahrelang mit seinem Vater im Streit lag. Der Sohn würdigt den Vater auf der Anklagebank keines Blickes.