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Panorama Diese Frau gestaltet die Einrichtungen von Hotelzimmern
Nachrichten Panorama Diese Frau gestaltet die Einrichtungen von Hotelzimmern
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14:00 03.08.2019
Hotels sind freier geworden, sie sind zu Designspielwiesen, Lifestyle- und Inspirationsorten geworden. Quelle: JOI Design

Frau Kretschmar-Joehnk, es ist Ferienzeit, viele Menschen haben Hotelzimmer gebucht. Wer plant Hoteleinrichtungen und sorgt dafür, dass die Erwartungen der Gäste erfüllt werden?

Ein Hotel zu planen ist eine komplexe Angelegenheit. Viele Disziplinen arbeiten Hand in Hand. Hotelbetreiber und Investor, Architekten, Statiker, Brandschutz- und Sicherheitsexperten, wir Innenarchitekten und externe Fachleute. Elektro-, Küchen- und Gastroplaner sind ebenso beteiligt wie Fitness-, Spa- und Wellnessberater und Lüftungsexperten. Es gibt außerdem Kollegen, die sich ausschließlich um das Lichtkonzept kümmern oder um die Beschilderung.

Im Flur der dicke Teppich, an der Tür „Bitte nicht stören“, im Schrank der Kofferbock: Überraschungen halten Hotels nicht gerade parat, oder?

Das würde ich so nicht sagen. Als ich vor 25 Jahren anfing, waren Standards am wichtigsten. Alles musste praktisch, funktional sein. Das hat sich geändert. Hotels sind freier geworden, sie sind zu Designspielwiesen, Lifestyle- und Inspirationsorten geworden. Ich war gerade auf einem Workshop, in dem wir alle – Innenarchitekten wie Bauexperten – dazu aufgefordert wurden, Regeln über Bord zu werfen und unbequem, neuartig, quer zu denken. Diese Herangehensweise prägt die Branche. Aber es gibt auch Bewährtes, Teppiche in Hotelfluren zum Beispiel. Jeder, der bereits im Bett liegt, wird sich über einen schallschluckenden Teppich freuen, wenn jemand mit seinem Koffertrolley über den Hotelflur klappert. Aber ich gebe Ihnen recht, den Kofferbock sollte man neu denken. Ich denke da an einen kürzlich in einem Projekt von uns integrierten großen, ovalen Hocker, formschön und funktional. Gäste können sich niederlassen, ihre Schuhe anziehen oder auch ihren Koffer ausbreiten.

Dekorativer Hocker statt schnöder Kofferbock: Für manche Klassiker in Hotelzimmern lassen sich moderne, multifunktionale Alternativen finden. Quelle: JOI Design

Wozu ist eigentlich dieses Stück Stoff da, das quer über dem Fußende der Betten liegt?

Sie meinen sicher den Bedrunner. Das ist eine Reminiszenz an den guten, alten Bettüberwurf. Viele Gäste fanden den schwer, unhandlich, umständlich zusammenzulegen. Man wusste auch nicht so recht, wohin damit. Auf den Boden, den Sessel, in den Schrank? Aber einfach so ein weiß bezogenes Bett sieht ja auch nicht gerade wohnlich aus. So ist der Bedrunner entstanden. Er sorgt für Ambiente und lässt sich schnell zusammenfalten. Aber auch da sind wir schon wieder am Tüfteln und ringen nach Alternativen, denn auch dieses Stück Stoff wirkt nicht hygienisch, wenn man überlegt, ob der Vorgänger es vielleicht auf den Boden geworfen hat.

Woher wissen Sie, was sich Ihre Gäste wünschen?

In die Projektteams werden auch schon mal Psychologen integriert. Aber es ist vor allem mein persönliches Steckenpferd, die Welt um uns herum bewusst auf Neuerungen hin zu beobachten, denn man hält in diesem Beruf immer die Augen offen. Ob im Supermarkt, auf dem Flughafen oder im Wald: Ich beobachte und ziehe meine Schlüsse. Ich sehe zum Beispiel die Menschen, wie sie dauernd auf ihre Handys schauen. Natürlich ergibt sich daraus die Frage, ob der klassische Schreibtisch in den Hotelzimmern weiter Sinn macht. Benötigen wir nicht vielmehr überall Steckdosen? Gäste in Hotels posten in den sozialen Netzwerken ihre Umgebung, alles, was ihnen gefällt. Diese Instagram-Mentalität gilt es zu bedienen, mit vielen kleinen, liebevollen Details, die wir designen.

Puristisch und unaufgeregt: Die neue Gemütlichkeit kommt ohne Plüsch und Schnörkel aus. Quelle: JOI Design

WLAN, Instagram-taugliche Motive – das ist eine Seite des digitalen Wandels. Ist die andere aber nicht Sehnsucht nach Entschleunigung?

Ja, auf jeden Fall. Und auch das spiegelt sich in den Hotels von heute wider. Es gibt eine tiefe Sehnsucht der Menschen nach Authentizität, nach Werten, nach Lesen, Meditieren, Yoga, gesundem Essen. Handyfreie Ruhezonen gehören dazu. Die Rückbesinnung auf Gemütlichkeit, dieser Retrostyle mit Blümchentapete, ist allerdings nicht neu.

Was liegt denn aktuell im Trend?

Der Ohrensessel aus Omas Zeiten hat langsam ausgedient, aber die Werte, von denen wir eben sprachen, bleiben zentral. Sie kommen nur im modernen Gewand daher: puristischer, unaufgeregter. Holz wird schlicht gezeigt und nicht verschnörkelt, Retromöbel stehen neben Sichtbeton. Je nach Hotelkategorie und Thema wird neu kombiniert. Egal, welche Story erzählt wird: Authentisch muss sie sein und zum Ort passen. Die Zeit der Plastikpalme in einem Spabereich in Niederbayern ist definitiv vorbei.

Und wer ist Trendsetter?

Oft kleine Hotels, junge, unabhängige Leute. Sie kreieren mal eben aus Paletten eine gemütliche Wohnzimmerlobby, probieren einfach aus. Das ist gut. Es rüttelt den Markt wach. Luxuriöse, gediegene Häuser reiben sich da erst einmal die Augen. Aber auch sie merken: Da stecken tolle Inspirationen drin.

Corinna Kretschmar-Joehnk Quelle: JENNER-EGBERTS Foto+Film

Zur Person

Corinna Kretschmar-Joehnk ist Innenarchitektin und Mitglied der Geschäftsführung von JOI-Design in Hamburg sowie Dozentin für Hoteldesign an der Fachhochschule in Coburg. Das Unternehmen für Design, Innenarchitektur und Architektur, das auf Hotels spezialisiert ist, wurde 1984 von ihrem Ehemann Peter Joehnk gegründet. 2016 brachte das Paar das Buch „101 Hotel Rooms“ (Braun Publishing, 232 Seiten, 39,90 Euro) heraus. JOI-Design ist mehrfach ausgezeichnet.

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