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21:12 01.10.2014
Kein Durchgang: Die alten Türen werden zur Weiterverarbeitung gesammelt (links). Die markante Gipsdecke im Saal wird in wenigen Tagen entfernt. Das Niedersachsenross (rechts) kommt in den Übergangsplenarsaal. „Idee und Pragmatik in der politischen Entscheidung“ sind dort offenbar nicht mehr gefragt (ganz rechts).Fotos: Eberstein (4)
Die markante Gipsdecke im Plenarsaal wird in wenigen Tagen entfernt. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Von außen sieht der Landtag ein wenig aus wie ein Bunker. Die Verkleidung ist abgehängt, roher Beton prägt die Fassade. Dort, wo früher Besucher in den Leinegaststätten tafelten, sind kleine Bagger am Werk. Arbeiter reißen Vertäfelungen von den Wänden. „Das ist hier wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt der Architekt Wolfgang Mairinger vom Stuttgarter Architekturbüro Blocher und Partner. Die Neugestaltung eines Landtages ist auch für ihn, der schon Großprojekte wie die Umgestaltung des Mannheimer Schlosses oder des Filmmuseums in Frankfurt verwirklicht hat, etwas ganz Besonderes. „Bei sechzehn Landtagen in Deutschland ist die Angebotspalette gering“, sagt scherzend Landtagspräsident Bernd Busemann, der die Betreuung des 53-Millionen-Projektes bei Mairinger in guten Händen weiß. Denn dessen Büro ist spezialisiert auf Umbauten, die im Grunde Neubauten in altem Gewand sind. „Das ist die eigentliche Herausforderung des Architekten: Etwas Neues schaffen, aber die Kubatur steht.“

Die Kubatur - das ist die Außenhülle jenes Plenarsaales, den der Architekt Dieter Oesterlen 1962 an das bestehende Leineschloss setzte. Sie bleibt stehen, während der Plenarsaal im Inneren ganz neu gestaltet wird. Vor allem soll er, der durchaus als hermetischer Bau gedacht war (Busemann: „Das wollten die Politiker damals so“), zum Publikum geöffnet werden. „Alle werden staunen, wenn wir den Saal 2017 wieder öffnen“, meint der Landtagspräsident.

Architekt Mairinger hat Respekt vor der Architektur Oesterlens, die er als „zurückhaltend modern“ beschreibt. Einige prägende Elemente dieser Architektur, etwa die gläsernen Treppengeländer, bleiben erhalten. Der bisherige Lichthof im Eingangsbereich des Gebäudes wird allerdings künftig überdacht sein. Er soll ein großes, offenes Foyer bieten, von dem aus Besucher in das Parlament und seinen Betrieb blicken können. Die größte Herausforderung sei für ihn, moderne, „wertige“ Architektur zu kreieren, die sich an der Formensprache Oesterlens orientiere. „Es muss wie eine Einheit wirken.“ Wenn der Landtag fertig sei, müsse er auch einige Generationen halten, sagt der Landtagspräsident.

Bis zum Frühjahr 2015 soll der gesamte Innenbereich entkernt sein. Bislang ist nur der alte, holzgetäfelte Plenarsaal leer geräumt. Bald wird die kunstvolle Innendecke aus Stahl und Gips von einem Kran herausgehoben werden. Auch das Niedersachsenross, das jetzt noch an der Stirnwand des alten Saals prangt, wird umziehen - in den Übergangsplenarsaal im Georg-von-Cölln-Haus gegenüber. Architekt Mairinger ist fasziniert von der Ordnung, die in der Abbruchszenerie herrscht: Holz, Metall, alte Neonröhren, Kabel, Türen, Klinken - alles ist sauber sortiert. „Die Trennung der Stoffe ist heute das A und O“, sagt Mairinger. Ein Großteil dessen, was früher einfach Bauschutt war, werde heute wiederverarbeitet.

Böse Überraschungen habe dieser Bau noch keine geboten, sagt Mairinger. Durch Voruntersuchungen sei man auf alles vorbereitet gewesen. Etwa auf Asbest in „begrenztem Umfang“. Dieser hochgiftige Stoff findet sich hinter einigen Holzpaneelen in der früheren Wandelhalle. Im luftdicht abgeschirmten „Schwarzbereich“ wird er zur Entsorgung verpackt. Einmal die Woche besucht Mairinger die Baustelle, die auch für einen erfahrenen Architekten wie ihn eine „hochinteressante Sache“ ist.

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