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20:06 10.01.2012
Von Sebastian Harfst
Foto: Geschickt und hoch verschuldet: Mit diesem Bild sucht die Polizei nach Thomas Feldhofer.
Geschickt und hoch verschuldet: Mit diesem Bild sucht die Polizei nach Thomas Feldhofer. Quelle: dpa
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Düsseldorf/Hannover

Er ist seit August auf der Flucht, hat seitdem drei Banken ausgeraubt, einen Bus mitsamt Fahrgästen gekapert, dazu mehrere Lottoannahmestellen Kioske und Elektrogeschäfte in fünf Bundesländern mit vorgehaltener Waffe überfallen und diverse Tankstellen geprellt. Nie hielt er es dabei für nötig, sich zu maskieren. Und doch hat ihn die Polizei trotz mittlerweile europaweiten Haftbefehls immer noch nicht schnappen können. Der 46-jährige Thomas Feldhofer ist der derzeit wohl meistgesuchte Verbrecher Deutschlands. „Der Mann ist brandgefährlich“, warnt Markus Niesczery von der Polizei Düsseldorf, die die Suche nach dem Kriminellen koordiniert.

Dabei wirkt er auf den ersten Blick wie der nette Herr von nebenan, wie jemand, den man sieht und sofort wieder vergisst. Eine Überwachungskamera aus einem Hotel im Frankfurter Bahnhofsviertel zeigt ihn, wie er im November, als er bereits in ganz Deutschland gesucht wurde, nach zwei Tagen Aufenthalt scheinbar entspannt beim Auschecken mit der ahnungslosen Rezeptionistin schäkert. Der gebürtige Krefelder trägt ein rot kariertes Hemd, die Haare sind akkurat geföhnt und in der Mitte gescheitelt. Medien bezeichneten ihn deswegen bereits als den „Verbrecher mit Charme“.

Ermittler Niesczery zeichnet ein anderes Bild: „Er ist nicht der nette Schwiegersohn von nebenan.“ Bei seinen Taten sei Feldhofer zwar nicht brutal, dafür aber sehr bestimmt aufgetreten. Und er hat je nach Sichtweise Nerven wie Drahtseile oder mit 200.000 Euro Spielschulden im Nacken einfach nichts mehr zu verlieren. In einem Hotel in Neuss nächtigte er erst und raubte es anschließend aus.

Zweimal hatte die Polizei den Serientäter fast geschnappt, trotzdem gelang ihm jeweils die Flucht. Am 9. Dezember geriet Feldhofer in eine Verkehrskontrolle, raste auf einen Beamten zu, der sich im letzten Augenblick mit einem Sprung retten konnte. Im hessischen Kronberg überfiel er fünf Tage später ein Elektrogeschäft, die Polizei rückte an, Feldhofer aber klopfte mit seiner Waffe an die Scheibe eines Linienbusses, gab sich als Polizist aus, stieg ein – und schickte den Bus auf eine 20 Kilometer lange Irrfahrt, während der er die Fahrgäste ausraubte.

Das Auto, das Feldhofer nach der Geiselnahme stahl, fand die Polizei vergangene Woche in Berlin-Charlottenburg wieder. Mit eingeschlagenen Scheiben. „Dabei hatte er einen Schlüssel für das Fahrzeug“, sagt Polizeisprecher Niesczery.  Der Zick-zackkurs durch das Bundesgebiet geht weiter. Die Ermittler wissen nur, dass sich Feldhofer einige Tage in Berlin aufgehalten hat. Nun hat sich seine Spur erneut verloren. Das letzte Verbrechen beging er am 20. Dezember, als er eine Bank in Arendsee in Sachsen-Anhalt überfiel.

Thomas Feldhofer ist wie ein Phantom. Die Polizei weiß nur wenig über den 46-Jährigen. So viel ist sicher: Nach elf Banküberfällen in den neunziger Jahren saß er acht Jahre in der Justizvollzugsanstalt Osnabrück ein. 2008 wurde er wegen guter Führung drei Jahre vor dem eigentlichen Haftende entlassen. Wie er sich von der Entlassung bis zum Überfall auf die Stadtsparkasse in Voerde (Niederrhein) am 17. August über Wasser gehalten hat, ist unklar. Feldhofer habe keinerlei familiäre Kontakte, keine Kinder, keine Freunde, niemanden, bei dem die Polizei anknüpfen könnte, heißt es.

Die Ermittler wissen aber, dass Feldhofer spielsüchtig ist, und hoffen auf entsprechende Hinweise aus dem Milieu. Die Vermutung: Mit dem Geld aus den mehr als einem Dutzend Raubüberfällen, die ihm zugesprochen werden, versucht er seine Zockerei zu finanzieren. Die Belohnung, die für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, ausgesetzt ist, wurde mittlerweile von 3000 auf 5000 Euro angehoben. Der Fahndungsaufruf wird heute auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ zu sehen sein.

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