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Panorama Der kontrollierte Rausch: Debatte um Drug-Checking
Nachrichten Panorama Der kontrollierte Rausch: Debatte um Drug-Checking
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10:20 03.03.2019
Nächte im Rausch und viel Risiko: Konsumenten von Drogen wissen nie, welche Substanzen sie einnehmen. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Es ist Freitagabend, kurz vor 18 Uhr. Emilio*, Angestellter eines Leipziger Mittelstandsunternehmens, macht Feierabend. Er ist müde. Die Büroarbeit hat ihn geschafft, doch vor ihm liegt der Samstag mit einer Party, die Emilio mit seinen Freunden selbst organisiert. Der 29-Jährige sitzt zu Hause auf dem Sofa. Er trinkt zunächst eine Flasche Bier, dann zieht er eine Line Kokain. Die Müdigkeit weicht aufgeregter Vorfreude. Emilios Wochenende beginnt.

Emilio ist der Prototyp eines modernen Drogenkonsumenten. Für Menschen wie ihn haben Sozialarbeiter und Drogenberater Begriffe des Freizeit- oder Partykonsumenten geprägt. Spätestens seit dem Boom der Technoszene in den Neunzigerjahren gibt es diese Gruppe.

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Montags bis freitags führen sie ein geregeltes Leben. Sie sind berufstätig und verfolgen bisweilen beachtliche Karrieren. Am Wochenende aber nehmen sie Drogen und feiern mit deren Hilfe Tage und Nächte auf Partys durch. Für Menschen wie Emilio, so erschreckend das auch klingen mag, sind Drogen ganz einfach ein Hobby.

„Der Zugang zu Drogen ist leicht“

Die polizeiliche Statistik beschreibt ein trauriges Gesamtbild: Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist nach Angaben des Bundeskriminalamtes im Jahr 2017 zum siebten Mal in Folge gestiegen. „Der Zugang zu Drogen ist leicht, und Drogenhandel ist nach wie vor ein lukratives Geschäft“, sagte etwa Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), im Mai.

Eine Zunahme gab es sowohl beim Drogenkonsum als auch beim Drogenhandel. Bundesweit starben 2017 insgesamt 1272 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Das geht aus dem Bericht der Bundesdrogenbeauftragten hervor.

Erst vor wenigen Monaten beschrieb der „Spiegel“ den Fall einer Touristin, die nach einer Party in einem Berliner Club starb – möglicherweise, weil sie den eingenommenen Drogencocktail nicht vertragen hatte oder körperlich nicht stabil genug für die eingenommene Dosis war. Der Fall ist, so zumindest beschreiben es Clubbetreiber und Experten, kein Einzelfall.

Initiativen wie Safer Clubbing bemühen sich innerhalb der Partyszene um Aufklärung Quelle: Matty Adame/Unsplash

Dass der zum Teil gleichzeitige Konsum von Partydrogen wie Ecstasy, Kokain und anderen Substanzen in den Clubs regelmäßig zu Dehydration, Angstzuständen, Desorientierung bis hin zu irreparablen Gehirnschädigungen führt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch weil die Drogen gestreckt sind.

Initiativen wie Safer Clubbing bemühen sich innerhalb der Partyszene deshalb um Aufklärung. Sie propagieren den sogenannten sicheren Konsum – und bieten Hilfestellungen für Konsumenten an. Die Ratschläge erstrecken sich von Handreichungen wie „viel Wasser trinken“ bis zu dem Hinweis, dass unterschiedliche Substanzen nicht gemeinsam eingenommen werden sollen.

Auch vor Alkohol als Begleitdroge wird eindringlich gewarnt. Präventionsexperten fordern außerdem die Zulassung des sogenannten Drug-Checkings – das sind kostenlose Tests von Substanzen.

Modellprojekt zum Drug-Checking in Berlin

Zahlreiche europäische Länder haben bereits begonnen, ihre Drogenpolitik auf die Freizeitkonsu­menten auszuweiten – und diese beim Konsum zu beraten, wenn sie diesen schon nicht stoppen können. Sie arbeiten mit Clubbetreibern zusammen, klären vor Ort auf und testen die Substanzen kostenlos.

Konsumenten geben die erworbenen Drogen im Labor ab und erfahren nach der Prüfung das Ergebnis der Untersuchungen. Warnungen vor zu hohen Dosierungen, unerwünschten Substanzen oder giftigen Streckmitteln veröffentlichen die beteiligten Sozialarbeiter auf Websites wie checkit.wien oder saferparty.ch.

Im November startete der Berliner Senat ein auf zwei Jahre angelegtes Modellprojekt zum Drug-Checking und stellte 150 000 Euro dafür zur Verfügung. Nach Angaben der Berliner Gesundheitsverwaltung geht es bei dem Programm darum, detaillierte Informationen darüber zu gewinnen, welche illegalen Substanzen gehandelt werden und welche Dosierung diese haben.

Die Sozialarbeiter allerdings wollen mit ihrer Arbeit Schlimmeres verhindern – und einen Zugang zur Szene erhalten. Quelle: saferparty.ch

Die Ergebnisse werden – das ist Kern des Projektes – veröffentlicht, um Konsumenten vor akut lebensgefährlichen Substanzen zu warnen, etwa, wenn Drogen mit Rattengift gestreckt sind. Das Drug-Checking-Programm ist Teil des Maßnahmenpakets zur „Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum“. Es steht im Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung Berlins.

Ähnliche Programme gibt es in den Niederlanden, in Belgien, Österreich, Großbritannien und der Schweiz. In Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird derzeit ebenfalls über die Einführung legaler Drogentests diskutiert. Etliche Versuche, illegale Drogen zum Schutz der Konsumenten einer Prüfung zu unterziehen, sind in der Vergangenheit bereits gescheitert.

Vorreiter war in Deutschland schon Mitte der Neunzigerjahre der Berliner Verein Eve & Rave, der ein ähnliches Programm in Zusammenarbeit mit der Charité durchführte. Allerdings kam es 1996 zum Konflikt mit der Justiz – eine Durchsuchung und ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft waren die Folge. Ähnliche Versuche von Vereinen gab es in anderen Städten.

Die rechtliche Lage ist schwierig

Die Idee des Drug-Checkings gleicht einer Gratwanderung – schließlich arbeiten die Labore mit illegalen Substanzen, darunter sind Ecstasy, Kokain, Heroin oder gar Crystal Meth. Gegner sehen darin eine Scheinsicherheit, die den Konsumenten vermittelt werde – schließlich sind auch reine Substanzen gesundheitsschädlich, suchtbildend und damit gefährlich.

Die rechtliche Lage ist zudem schwierig: Das deutsche Betäubungsmittelgesetz untersagt Einfuhr, Kauf, Handel und Besitz der meisten Rauschmittel. Die Chemiker in den beauftragten Laboren, aber auch die Mitarbeiter der Suchtberatungen, könnten sich mit Drug-Checking also strafbar machen. Das gilt indes auch für die Konsumenten. Sobald die Polizei die Übergabe der Substanzen an die Tester beobachtet, müssen die Beamten laut Gesetz eingreifen.

Das Projekt in Berlin konnte zunächst nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) starten. Soll es Erfolg haben und irgendwann tatsächlich Drogentests vornehmen, müssen auch die Strafverfolgungsbehörden, also Polizei und Staatsanwaltschaft, bereit sein, das Drug-Checking zu tolerieren. Sie dürften im Regelbetrieb gegen die Tester also keine Strafermittlungen wegen illegalen Drogenbesitzes einleiten.

„In den illegalen Stoffen ist alles Mögliche drin – nicht immer das, was die Konsumenten erwarten“, sagt Clubbetreiber Steffen Kache. Quelle: Blickwinkel/Imago

Befürworter des Projektes setzen nun auf ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Darin steht, dass es keine „verbindlichen Zusagen über die rechtliche Zulässigkeit von Drug-Checking“ gebe. Es fehlt eine eindeutige Entscheidung des Gesetzgebers.

Wer die Unterstützer verstehen will, muss eigentlich nur eine Nacht in den Räumen eines Szeneclubs verbringen. Oder Menschen wie Steffen Kache zuhören. Kache ist Inhaber der Distillery in der Leipziger Südvorstadt, dem ältesten Technoclub in den neuen Bundesländern. Die Tille ist weit über die Grenzen Leipzigs hinaus bekannt.

Kache erlebt seit Jahrzehnten, was Drogen anrichten können – besonders wenn sie, was häufig der Fall ist, zusammen mit Alkohol oder anderen Substanzen konsumiert werden. „In den illegalen Stoffen ist alles Mögliche drin – nicht immer das, was die Konsumenten erwarten“, sagt er. „Es gab eine Zeit, in der wir regelmäßig den Notarzt riefen, weil die Leute Liquid Ecstasy mit Alkohol konsumierten. Das ist eine lebensgefährliche Kombination.“

„Ein Bewusstsein dafür schaffen, was Drogen neben der eigentlichen Substanz alles enthalten“

Auch Antje Kettner zählt zu den Befürwortern des Drug-Checkings. Die Sozialarbeiterin des Drogeninformationsprojekts Drug Scouts in Leipzig kennt Konsumenten wie Emilio, sie ist sich sicher: In der Partyszene gibt es einen Bedarf. Ablesen lässt sich das nicht allein an der großen Anzahl der Klienten, die das Beratungsangebot der Drug-Scouts nutzen – sondern auch an den Zugriffszahlen, die die Drug-Checking-Websites in Österreich und der Schweiz verzeichnen: Sie steigen – und unter den Nutzern sind Tausende Deutsche.

Selbstverständlich wäre es auch Kettner und den Kollegen am liebsten, den Freizeitkonsum wie überhaupt jegliche Einnahme von Rauschmitteln zu verhindern. Schließlich ist keine Droge ungefährlich. Solange das nicht machbar sei, ist die Sozialarbeiterin wie viele andere Experten dafür, zu informieren.

„Es ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was Drogen neben der eigentlichen Substanz alles enthalten“, sagt sie. Der Vorteil: Anders als in anderen Szenen gelten Freizeitkonsumenten als bewusster. Die Gruppe der Partynutzer konsumiert aus der Lust am Rausch.

Die Leipziger Distillery ist einer der ältesten und bekanntesten Clubs in der Messestadt. Quelle: Dirk Knofe

Auch Emilio würde seine Drogen testen lassen, sagt er. Er bestätigt, was Befürworter des Projektes immer wieder betonen: Ein solches Angebot würde keine Steigerung seines Konsums bedeuten.

Es ist jetzt Sonntag, 20 Uhr: Ein ganzes Wochenende ist vergangen. Emilio pendelt zwischen den Gemütszuständen. Er funktioniert nur noch. Sein Kopf ist leer, seine Gedanken sind weder positiv noch negativ. Eine verschwitzte Blässe markiert sein Gesicht, er sieht ungesund aus. Seine Pupillen sind geweitet.

Emilio fühlt sich ausgelaugt und bereit für Schlaf. Sein Armband zählt 65 000 Schritte. Über das Wochenende hat er eine Strecke von 20 Kilometern durchgetanzt. Morgen nun kehrt der Alltag zurück.

*Name geändert. „Emilio“ ist der Redaktion bekannt.

Ecstasy, Kokain und Co.: Was ist Drug-Checking?

Was sind die Ziele von Drug-Checking?

Befürworter versprechen sich vom Drug-Checking – neben öffentlichen Warnungen etwa vor gefährlichen Pillen – auch einen besseren Zugang zu Konsumenten, um sie über Risiken aufklären zu können. Manche hoffen zudem, dass die Hersteller wegen der Kontrollen stärker auf sichere Produkte achten. Solche Risiken können neben der Gesundheitsschädigung durch Wirkstoffe – etwa bei Cannabis, Kokain und Ecstasy – auch Verunreinigungen, das Strecken der Stoffe oder eine zu hohe Konzentration sein.

Was passiert genau beim Drug-Checking?

Experten analysieren kleine Proben des jeweiligen Rauschgifts. Dabei geht es um den Anteil des Hauptwirkstoffes und die beigemischten weiteren Inhaltsstoffe. Eine der Analysemethoden heißt HPLC (High Performance Liquid Chromatography). Dazu werden meist eine Tablette oder Teile davon benötigt. Auch 30 bis 50 Milligramm eines Pulvers – das entspricht etwa einer Messerspitze – gehen. Diese Analyse dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Das Ergebnis kann man später erfragen. Warnungen werden auch im Internet veröffentlicht.

Wie sieht eine solche Warnung aus?

In einer der zahlreichen online veröffentlichten Warnungen über MDMA (Ecstasy) heißt es etwa: „Diese XTC-Tabletten enthalten 227,6 Milligramm bzw. 207,7 Milligramm MDMA. Bei solch hohen Dosen können unter anderem folgende Nebenwirkungen auftreten: Kiefer mahlen, Augen- und Nervenzucken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Krampfanfälle, Halluzinationen. Oder: „Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt der im Drogeninformationszentrum DIZ getesteten Kokainproben betrug im dritten Quartal 2018 76,2 Prozent Kokain-HCL (Hydrochlorid). Der Wirkstoffgehalt der analysierten Proben variierte stark und lag zwischen 2,3 und 98 Prozent Kokain.“

Ist Drug-Checking strafbar?

Das Betäubungsmittelgesetz verbietet bestimmte Rauschgifte und ihre Herstellung und Einfuhr, den Handel, Kauf und weitgehend auch den Besitz. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen für medizinische und wissenschaftliche Zwecke. In einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages aus dem Jahr 2009 heißt es, verbindliche Aussagen über die rechtliche Zulässigkeit von Drug-Checking seien nicht möglich. „Das Gesetz regelt diesen Sachverhalt nicht ausdrücklich.“ In dem Gutachten wird jedoch festgestellt, dass der untersuchende Chemiker sich wegen des unerlaubten Besitzes strafbar machen könne; das Gleiche gelte für den Konsumenten. Würde ihn die Polizei bei der Abgabe der Droge beobachten, müsste sie eingreifen. Nötig sei also eine „eindeutige gesetzgeberische Entscheidung“, um Rechtssicherheit herzustellen. So etwas gibt es bereits für Drogenkonsumräume in einigen Bundesländern.

Was sagen die Kritiker?

Kritiker befürchten, dass die Tests und die mögliche Bestätigung, dass die Drogen „sauber“ seien, Konsumenten erst recht in ihrem Handeln bestärken könnten. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Senat, Tim-Christopher Zeelen, etwa sagt: „Wir lehnen solche Tests ab. Was nützt es, wenn die Reinheit untersucht wird? Dadurch entsteht nur ein zusätzlicher Anreiz zum Konsum. Drogen sind immer schlecht und leider auch fast immer verunreinigt. Daher wäre es besser, jeden Euro in die Prävention zu stecken.“

In welchen Ländern ist Drug-Checking erlaubt?

Eines der größten Projekte europaweit ist Checkit in Wien. Ähnliche Angebote gibt es in der Schweiz, in Großbritannien, in den Niederlanden und in Belgien. In Deutschland diskutiert neben Hessen und Bremen auch Niedersachsen über Drug-Checking.

„Die meisten Konsumenten kennen die Risiken kaum“

Christian Kobel leitet die Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich. Zu den Angeboten der Einrichtung zählen unter anderem die Beratung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Krisensituationen und das Präventionsprojekt Saferparty.ch, das über die Gefahren des Drogenkonsums informiert. Quelle: saferparty.ch

Herr Kobel, Ihr Verein Saferparty bietet Konsumenten in der Schweiz schon seit einigen Jahren kostenlose Tests von Partydrogen an. Wer nutzt diese Angebote?

Die meisten Nutzer sind erfahrene Freizeitdrogenkonsumenten. Beim mobilen Drug-Checking direkt an den Veranstaltungsorten liegt das Durchschnittsalter bei 27 Jahren. Rund 40 Prozent der Nutzer sind zwischen 19 und 24 Jahre alt. Bei unserem ambulanten Angebot liegt das Durchschnittsalter bei 31 Jahren, die meisten Nutzer sind zwischen 25 und 30 Jahre alt.

Welches Ziel verfolgen Sie mit den Drogentests? Das Konzept ist ja durchaus umstritten ...

Drug-Checking kann Gesundheitsschäden mindern oder gar verhindern. Unsere Experten erhalten außerdem Zugang zu Konsumenten – unser Angebot trägt also dazu bei, Trends und Dynamiken des illegalen Drogenmarktes und des Konsums auf Partys besser zu verstehen. Es hilft unseren Experten, potenziell gefährliche Entwicklungen auf dem Drogenmarkt frühzeitig zu erkennen. Auf diese Weise können wir die Öffentlichkeit und Fachkreise schneller informieren.

Was machen Sie, wenn Sie gefährliche Substanzen finden?

Wir sprechen Warnungen aus, wenn sich bei der Analyse ungewöhnliche oder unerwartete Substanzen zeigen. Diese Warnungen veröffentlichen wir auf sogenannten szenerelevanten Websites und melden sie der Polizei, Krankenhäusern, forensischen Laboren, toxikologischen Instituten und anderen Projekten, die präventiv arbeiten.

Wie sieht Ihre Arbeit im Alltag aus?

Für die Analyse vor Ort, also bei Festivals oder in Clubs, verwenden wir ein mobiles Labor. Es ist bei etwa zehn Veranstaltungen im Jahr im Einsatz. Die Analyse der Probe dauert etwa 20 Minuten. In der Zeit führen wir das Beratungsgespräch. Die Nutzer erhalten vor Ort die Testresultate und gegebenenfalls zusätzliche Informationen und Tipps. Wir bitten sie, auf freiwilliger Basis einen anonymen Fragebogen auszufüllen. Dort sind Fragen zu Konsumverhalten, Kaufpreis und Bezugsquellen der Substanzen aufgeführt. Auch demografische Daten spielen eine Rolle.

Ist der Andrang groß? Wie viele Klienten nutzen das Angebot?

Im Jahr 2017 haben wir etwa 1600 Beratungsgespräche geführt. Zusätzlich stellten wir 3400 informelle Beratungskontakte her. 450 000 Aufrufe unsere Website gab es im vergangenen Jahr.

Kann das Konzept tatsächlich dabei helfen, Gesundheitsschäden durch den Konsum von Drogen zu verhindern?

Drug-Checking ist darauf ausgerichtet, der oftmals versteckten Gruppe von Freizeitdrogenkonsumenten Zugang zu unseren Angeboten zu ermöglichen. Eine von der Europäischen Union im Jahr 2001 in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass Konsumierende von Freizeitdrogen beim Drug-Checking wenig bis gar nichts über die Risiken der Substanzen wussten, die sie konsumierten. Erfahrungen aus Bern und Zürich weisen darauf hin, dass die heutigen Nutzer besser über Konsumrisiken informiert sind, als sie es bei den Anfängen des Projektes waren.

Welche Drogen landen in Ihren Laboren?

Im Jahr 2017 haben wir mehr als 2000 Proben analysiert. In 847 Fällen haben wir wegen gefährlicher Streckmittel, sehr hohen Dosierungen oder unerwarteten Wirkstoffen Warnungen ausgesprochen. Die am häufigsten analysierten Substanzen waren mit 44 Prozent Kokain und mit 19 Prozent Amphetamine. Darauf folgte die Partydroge MDMA mit 17 Prozent. In sieben Prozent aller Fälle wurde LSD getestet. Andere Substanzen wie Heroin, Methamphetamin, Ketamin, das Halluzinogen 2C-B oder sogenannte Legal Highs gaben Nutzer seltener zur Analyse ab.

Seit wann ist Drug-Checking in der Schweiz legal?

Im Jahr 1997 gelangten zwei voneinander unabhängige Gutachten zu dem Schluss, dass ein Testen von illegalen Substanzen in der Schweiz rechtlich zulässig ist, sofern das Ziel ist, die Konsumenten zu schützen. Der Konsum der analysierten Substanz ist verboten und mit Risiken verbunden – darüber müssen wir aufklären. Die Analyse dürfen private oder staatliche Laboren jedoch durchführen, wenn sie eine Bewilligung für den Verkehr von Betäubungsmitteln besitzen.

Von Maria Sandig/RND

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