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Panorama Sieg eines singenden Baggerfahrers: Das sind die Preisträger beim Deutschen Filmpreis
Nachrichten Panorama Sieg eines singenden Baggerfahrers: Das sind die Preisträger beim Deutschen Filmpreis
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22:04 03.05.2019
Zwei freuen sich mit Lola: Regisseur Andreas Dresen (l.) und sein Hauptdarsteller Alexander Scheer. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Wenn das kein gutes Omen war: Mit Bauhelm auf dem Kopf war Alexander Scheer über den roten Teppich spaziert – und hatte damit an seine Kinofigur Gerhard Gundermann erinnert. Und dann räumte Andreas Dresens Gundermann am Freitagabend beim Deutschen Filmpreis ab. Sechs Auszeichnungen gab es insgesamt, darunter die goldene Lola für den besten Film sowie die für Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller Scheer, im Film ein schniefender Typ mit übergroßer Brille, der hingebungsvoll singt.

Zärtlich nähert sich Dresen dem singenden Baggerfahrer und ausgespitzelten Stasi-Spitzel Gundermann. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist „Gundermann“ ein Film, der beharrlich Widerstand gegen die übliche Schwarz-Weiß-Zeichnung der DDR leistet – und wohl auch deshalb in den Augen der knapp 2000 Mitglieder der Deutschen Filmakademie ein verdienter Sieger war. „Es ist an der Zeit, dass wir komplexere Geschichten erzählen aus Ost und West“, sagte Dresen im Berliner Palais am Funkturm.

Endlich wird das Flüchtlingsdrama „Styx“ gewürdigt

Die Silberne Lola holte sich verdientermaßen das sträflich unterschätzte Flüchtlingsdrama „Styx“. Die packende Geschichte einer Seglerin im Atlantik gewann gleich vier Lolas – auch die für Hauptdarstellerin Susanne Wolff und Kameramann Benedict Neuenfels. Talal Derkis „Of Fathers and Sons“ über eine Islamistenfamilie in Syrien holte sich nicht nur den Dokumentarfilmpreis, sondern auch den für den besten Schnitt.

Am Freitag wird der Deutsche Filmpreis verliehen: Schon am Nachmittag laufen die prominenten Gäste über den roten Teppich.

Regisseurin Margarethe von Trotta („Die bleierne Zeit“) stand schon vorab als Ehrenpreis-Trägerin fest – die 77-Jährige ist bis heute ein rebellischer Geist im deutschen Kino. Der umstrittene Oscar-Kandidat „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck ging bezeichnenderweise leer aus, Fatih Akins Frauenmörder-Groteske „Der goldene Handschuh“ blieb nur die Lola fürs Maskenbild.

Allenthalben wurde die Magie des schwächelnden Kinos beschworen. Umso begeisterter fiel der Applaus für Caroline Link aus, deren Hape-Kerkeling-Biografie „Der Junge muss an die frische Luft 3,6 Millionen Zuschauer vor die Leinwand gelockt hatte. Dafür gab es nicht nur die Ehrung als besucherstärkster Film, sondern auch die bronzene Lola. Die Akademie arbeitet erkennbar daran, die Grenze zwischen E und U zu schleifen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte, dass das Kino als Begegnungsort gerade jetzt wichtig sei, „da sich die Fronten in unserer Gesellschaft verhärten“ und „sich die Menschen zunehmend abgehängt fühlen“. Für das laufende Jahr spendierte sie fünf Millionen Euro Soforthilfe für Kinos im ländlichen Raum. Rund 17 Millionen Euro sollen 2020 beim neuen „Zukunftsprogramm Kino“ folgen.

Iris Berben hatte Tränen in den Augen

Politische Akzente setzte auch Ulrich Matthes. Der frisch gekürte Akademiepräsident forderte die Gäste auf, Position gegen den Rechtspopulismus zu beziehen und zur Europa-Wahl am 26. Mai zu gehen – frei nach dem Titel von Spike Lees Film: „Do The Right Thing“. Seiner Vorgängerin Iris Berben sang er das Frank-Sinatra-Ständchen „The Lady is a Tramp“. Berben hatte dabei Tränen in den Augen.

Keine Frage, die früher gelegentlich als spröde geltende Filmakademie hat sich im Feiern mit Berührtsein-Bonus geübt. Nach der Gala ging es zur Party - mit vegetarischem Essen. Auf Nachhaltigkeit setzt die Akademie auch.

Die Preisträger 2019

Bester Film: Lola in Gold: „Gundermann

Lola in Silber:Styx

Lola in Bronze: „Der Junge muss an die frische Luft“

Beste Regie: Andreas Dresen für „Gundermann

Drehbuch: Laila Stieler für „Gundermann

Kinderfilm: „Rocca – Verändert die Welt“

Dokumentarfilm: „Of fathers and sons“

Hauptdarstellerin: Susanne Wolff in „Styx

Nebendarstellerin: Luise Heyer in „Der Junge muss an die frische Luft“

Hauptdarsteller: Alexander Scheer in „Gundermann

Nebendarsteller: Alexander Fehling in „Das Ende der Wahrheit“

Kamera: Benedict Neuenfels für „Styx

Schnitt: Anne Fadini für „Of Fathers And Sons“

Ton: Uwe Dresch, Tobias Fleig, Andreas Turnwald, André Zimmermann für „Styx

Filmmusik: die Band Hochzeitskapelle für „Wackersdorf

Szenenbild: Susanne Hopf für „Gundermann

Kostümbild: Sabine Greunig für „Gundermann

Maskenbild: Maike Heinlein, Daniel Schröder und Lisa Edelmann für „Der Goldene Handschuh“

Besucherstärkster Film: „Der Junge muss an die frische Luft“

Ehrenpreis: Margarethe von Trotta

Bernd-Eichinger-Preis: Christian Becker

Von Claudia Palma und Stefan Stosch/RND

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