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Panorama Das Familienleben im Weißen Haus
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10:43 30.10.2009
Wenn man dem „New York
Times Magazine“ Glauben schenkt, dann ist die Ehe zärtlicher als bei vielen Vorgängern im Weißen Haus.
Wenn man dem „New York
Times Magazine“ Glauben schenkt, dann ist die Ehe zärtlicher als bei vielen Vorgängern im Weißen Haus. Quelle: AFP (Archiv)
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Barack Obama zeigt selten Gefühle. Aber als ihn jetzt das Wochenendmagazin der „New York Times“ gefragt hat, was das Leben im Weißen Haus für seine Ehe bedeutet, erinnerte er sich zornig an den Augenblick, als er im Frühling seine Frau zu ihrem regelmäßigen Ausgehabend nach New York ausgeführt hat – was wegen der angeblichen Romanze auf Steuerzahlerkosten viel Staub aufwirbelte. „Die Leute haben daraus ein politisches Thema gemacht. Das hat mich wirklich geärgert“, sagte Obama bei seinem ersten großen Interview zu seinem Eheleben im Weißen Haus. „Sag das nicht!“, fuhr seine Frau Michelle halb scherzhaft dazwischen.

Seit einigen Monaten führen die Obamas den Amerikanern eine moderne Ehe vor. Und wenn man dem „New York
Times Magazine“ Glauben schenkt, dann ist sie zärtlicher, partnerschaftlicher, aber auch ehrlicher als bei vielen Vorgängern im Weißen Haus. „Das Image einer makellosen Partnerbeziehung ist das Letzte, was wir projizieren wollen“, sagte Michelle Obama. „Das wäre unfair gegenüber der Institution der Ehe – und es ist unfair gegenüber jungen Leuten, die erst etwas aufbauen, wenn man ihnen eine Perfektion vorgaukelt, die nicht existiert.“

In den Korridoren des Weißen Hauses hängen Poster, die kleine zärtliche Gesten bei den öffentlichen Auftritten der Obamas dokumentieren. Ihre Mitarbeiter seien immer wieder erstaunt, in den Gängen das Paar bei einer freundschaftlichen Umarmung anzutreffen, schreibt das Magazin: „Es ist wohl schwer, einen anderen Arbeitsplatz zu finden, der mit derart offensichtlichen Beweisen der gegenseitigen Zuneigung der wichtigsten Beteiligten dekoriert ist.“

Trotz des Drucks der Präsidentschaft ist das Weiße Haus der Ort für ein ungewohnt enges Familienleben. Obamas politische Karriere hatte zuvor ständige Trennungen bedeutet, welche die Ehe zeitweise schwer belasteten. Im Weißen Haus leben alle unter einem Dach – einschließlich Obamas Schwiegermutter Marian Robinson, die sich mit um die Töchter Sasha und Malia kümmert. „Das ist zum ersten Mal seit langer Zeit in unserer Ehe ein Ort, wo wir sieben Tage in der Woche im selben Haushalt leben, mit demselben Lebensrhythmus und mit denselben Ritualen“, sagt Michelle Obama. Der Präsident frühstückt mit den Kindern, und er liest ihnen abends vor. Barack und Michelle Obama spielen seit Neuestem gemeinsam Tennis oder kümmern sich zusammen um die Innenausstattung des Weißen Hauses, wo nun in vielen Räumen moderne Gemälde hängen.

Trotz aller Heimeligkeit ist für Michelle Obama der Balanceakt nicht einfach. Weder will sie sich auf die traditionelle Rolle der First Lady beschränken noch darf sie nach außen zu viel politischen Einfluss demonstrieren. „Meine Mitarbeiter haben viel mehr Angst davor, was die First Lady über ein Thema denkt, als darüber, was ich denke“, sagte Barack Obama im Interview – und löste schallendes Gelächter seines im Hintergrund lauschenden Stabes aus. Für Obama ist seine Frau Michelle die Antenne für die Gefühle der Menschen im Land. „Sie ist eigentlich Bill – und er ist Hillary“, zitiert das Magazin einen Freund der Familie in Anspielung auf das Ehepaar Bill und Hillary Clinton, wo die Rollen von Emotionalität und Analyse genau vertauscht sind.

Weniger die politischen Gegner bringen den Präsidenten ein Jahr nach seiner Wahl auf den Boden der Tatsachen, sondern seine Frau. „Sie lässt aus dem Ballon manchmal ganz schön die Luft heraus“, sagte Obama. Die scherzhaften Bemerkungen, die sie auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh bei der feierlichen Parade der Würdenträger in sein Ohr flüsterte, wollte er aber lieber nicht weitererzählen.

von Andreas Geldner