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Panorama Das Christkind möchte keine E-Mails
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16:51 16.11.2011
Foto: Das Christkind liest in Engelskirchen seine Weihnachtspost.
Das Christkind liest in Engelskirchen seine Weihnachtspost. Quelle: dpa
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Engelskirchen

Auf das Christkind kommt in den nächsten Wochen viel Arbeit zu. Zwölf große Kisten voller Briefe stehen in seinem weihnachtlich geschmückten Büro feinsäuberlich aufgereiht. Seit 26 Jahren beantwortet das Christkind nun schon in Engelskirchen bei Köln Wunschzettel von Kindern aus aller Herren Ländern. Am Mittwoch hat das Weihnachtspostamt dort seine Türen geöffnet, bis Heiligabend herrscht nun Hochbetrieb.

Aber nicht nur die Schreiben der meist jungen Kunden wollen beachtet werden, auch ein Haufen Fotografen und Steppkes des örtlichen Kindergartens sind erschienen. Im Blitzlichtgewitter versuchen die Kinder alles, um ihre bunt bemalten Briefe als erstes an den Mann zu bringen. Das Christkind bewahrt Contenance: Erhabenes Lächeln ist heute, am ersten Arbeitstag des Jahres, Pflicht.

Zum Glück ist das Christkind nicht alleine: Zwölf Engelshelfer, sozusagen Wunschzettel-Sachbearbeiter, sollen in den nächsten sechs Wochen die erwarteten 150.000 Zusendungen beantworten. Eine der Unterstützerinnen ist Birgit Müller. Die 51-Jährige schiebt im 19. Jahr Dienst für das Christkind und kennt die Seele der Kleinen mittlerweile genau: „Die Kinder sind viel weltoffener und sensibler geworden.“ Wo früher die Bitte nach Weltfrieden nur floskelhaft vertreten war, entspringe der Wunsch heutzutage dem eigenen Antrieb.

„Die Kinder nehmen an den Problemen der Welt genauso teil wie am Fortschritt“, weiß Müller. Kein Wunder also, dass das Christkind sich immer häufiger mit Anfragen nach seiner Handynummer konfrontiert sieht. Die gibt es allerdings genauso wenig wie eine E-Mail-Adresse oder ein Facebook-Profil: Das Christkind lehnt neue Medien kategorisch ab und vertraut auf den guten alten Brief. Und mit dem hat es genug zu tun: Puppen, Baukräne, iPhones - alte Dauerbrenner finden sich auf den Wunschzetteln genauso wie neue Techniktrends.

Der kleine Nico hat sogar ein ganzes Wunschbuch gemacht, ohne aber alles haben zu wollen: „Du kannst mir irgendwas dann davon schenken.“ Andere sind da schon pragmatischer, so wird der Wunsch eines Kindes von einem guten Ratschlag begleitet: „Das gibt es bei Kaufhof gerade im Angebot, also wenn du dich beeilst ...“. Demgegenüber möchte die junge Vanessa einfach nur, dass ihr Opa wieder gesund wird.

Die frühe Kundenbindung hat sicherlich auch für die Deutsche Post einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Aber Achtung: Die Konkurrenz des Christkinds schläft nicht. Im brandenburgischen Himmelpfort befindet sich das Weihnachtsmannbüro. In den vergangenen Jahren stagnierte die Post nach Engelskirchen. Wenn das Christkind also seine Einsendungszahlen beibehalten möchte, könnte vielleicht doch eine Facebook-Präsenz helfen - oder gleich eine Smartphone-App.

dpa/sag

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