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Panorama „DSDS“-Kommentare sind Kunst
Nachrichten Panorama „DSDS“-Kommentare sind Kunst
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14:21 01.10.2009
Kann sich dreiste Sprüche erlauben: Dieter Bohlen.
Kann sich dreiste Sprüche erlauben: Dieter Bohlen. Quelle: ddp
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Der Fernsehsender wollte die oftmals bösen Kommentare der „DSDS“-Jury um Bohlen als „sachgerechte und pragmatische Expertenleistungen“ eingestuft sehen, um auf die Millionenhonorare der Juroren keine Beiträge an die Künstlersozialkasse (KSK) abführen zu müssen.

Nach Angaben des Gerichts haben Bohlen und seine Kollegen bis zu 1,2 Millionen Euro Gage pro Person und Staffel kassiert. Dennoch erklärte RTL-Anwalt Martin Reufels in der Verhandlung: „Ich meine, dass die Juroren eine untergeordnete Bedeutung für die Show haben.“ Ihre Aufgabe sei, die Kandidaten fachlich zu begutachten, um aus zigtausenden von Bewerbern die wenigen guten auszusuchen. Das sei harte Arbeit und habe mit Unterhaltungskunst nichts zu tun. „Es geht um die Demokratisierung der Möglichkeit, Superstar zu werden.“

Deutschlands oberste Sozialrichter sahen das jedoch anders: Die Bewertungen der Juroren seien eine Mischung aus Comedy, Satire, Improvisation und „zielgruppengerichteter Fernsehunterhaltung“. Die „unterhaltsam gemeinten, oft aber bissigen und die Grenzen des guten Geschmacks übersteigenden Kommentare“ seien ein wesentlicher Teil des Showkonzepts und trügen maßgeblich zum Publikumserfolg bei, sagte Senatsvorsitzender Ulrich Hambüchen. „Ohne diese Jury würde ’DSDS’nicht funktionieren.“

Die Bundesrichter hatten sich am Vorabend der Verhandlung eigens mehrere DVDs mit Ausschnitten der Castingshow angesehen und dabei auch unjuristische Erkenntnisse gewonnen. Er habe jetzt mehr Verständnis für Bohlens Verbalattacken, als er sich vorher hätte träumen lassen, sagte Hambüchen: „enn man 20 unterirdische Musikdarbietungen hört, kann ich mir gut vorstellen, dass einem da die Hutschnur hoch geht.“

Über die Künstlersozialkasse sind freischaffende Künstler und Publizisten sozial abgesichert. Wie abhängige Beschäftigte müssen sie nur die Hälfte ihrer Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zahlen. Die andere Hälfte bekommen sie als Zuschuss. Wer selbstständige Schauspieler, Musiker, bildende Künstler oder Journalisten beschäftigt, muss darum 3,8 Prozent des Honorars an die KSK abführen - auch wenn die Beauftragten, wie bei Dieter Bohlen anzunehmen, gar nicht Mitglied der Künstlersozialkasse sind.

Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts muss RTL allein für die ersten beiden Staffeln von „eutschland sucht den Superstar“ nsgesamt knapp 174 000 Euro an die Künstlersozialkasse zahlen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Sender wegen Bohlens Sprüchen in der Castingshow zur Kasse gebeten wird: Im vergangenen Jahr verhängte die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten eine Geldbuße von 100 000 Euro, weil bei „DSDS“ „eleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten„als normal dargestellt würden. Daraufhin verpflichtete RTL den Ex-Modern-Talking-Sänger zu mehr Zurückhaltung bei seinen Kommentaren. An der Verhandlung in Kassel nahm Bohlen wie erwartet nicht teil.

ddp

01.10.2009
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