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Panorama Bruder gesteht Schüsse auf Arzu Ö.
Nachrichten Panorama Bruder gesteht Schüsse auf Arzu Ö.
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18:07 30.04.2012
Foto: Bei dem Prozess am Montag gestand einer der Brüder, Arzu Ö. erschossen zu haben.
Bei dem Prozess am Montag gestand einer der Brüder, Arzu Ö. erschossen zu haben. Quelle: dpa
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Detmold

Drei Geschwister einer kurdischen Familie aus Detmold haben gestanden, ihre jüngere Schwester Arzu Ö. entführt und getötet zu haben. Eine Mordabsicht stritten sie aber zum Auftakt des Ehrenmord-Prozesses vor dem Landgericht Detmold am Montag ab. Der 22-jährige Osman Ö. sagte, er habe die Kontrolle über sich verloren und die 18-jährige Arzu erschossen. Ebenso wie seine Schwester Sirin (27) und sein Bruder Kirer (25) gestand er auch die Entführung Arzus im November 2011.

Das Trio ist wegen Mordes und Entführung angeklagt. Die Staatsanwälte gehen von einem „ehrbezogenen“ Tatmotiv aus: Arzus jesidische Familie habe deren Liebesbeziehung zu einem deutschen Bäckergesellen aus religiösen Gründen nicht dulden wollen. Wegen der Verschleppung Arzus müssen sich außerdem zwei weitere Brüder vor dem Gericht verantworten.

Arzu war im November spurlos aus Detmold verschwunden. Fünf ihrer neun Geschwister gerieten in Verdacht und kamen in Haft, schwiegen aber. Zehn Wochen lang suchte die Polizei nach Arzu. Im Januar wurde ihre übel zugerichtete Leiche in Schleswig-Holstein entdeckt. Arzu wurde mit zwei Schüssen in die Schläfe getötet.

Eigentlich hätten sie ihrer jüngeren Schwester nur „den Kopf waschen wollen“, um sie zur Vernunft zu bringen, sagte Sirin Ö. vor Gericht. Doch dann sei alles anders gekommen. Bei einer Rast in einem Waldstück bei Lübeck seien plötzlich zwei Schüsse gefallen, schilderte sie. Osman sagte, Arzu habe ihn bespuckt und beschimpft. Da habe er geschossen.

Zuvor hatte Sirin Ö. berichtet, Arzu habe seit dem Frühjahr 2011 getrunken und Drogen genommen und sich immer mehr von ihrer Familie entfernt. Im Spätsommer sei Arzu von der Familie verprügelt worden und kurz darauf weggelaufen. Arzu zeigte die Familie an, die verstieß ihre Tochter. Sirin Ö. sagte vor Gericht, sie habe auch danach noch ihre verstoßene Schwester mit aller Macht in die Familie zurückholen wollen.

Die Staatsanwaltschaft geht von „ehrbezogenen Motiven“ aus. Derartige niedrige Beweggründe seien nach den in Deutschland geltenden Maßstäben und den hier herrschenden sittlichen und rechtlichen Auffassungen besonders verachtenswert. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten am Montag Menschenrechtsvereine gegen sogenannte Ehrenmorde. Vertreter von Terre des Femmes und Peri forderten gerechte Strafen. Es dürfe keinen „Kulturbonus“ für Ehrenmorde geben.

Zunächst sind bis zum 16. Mai fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht hat 30 Zeugen geladen. Der Vater des Opfers ist nicht darunter. Er gilt zwar als Beschuldigter, das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde aber abgetrennt.

dpa

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