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Panorama Behinderten-Fahrdienst vergisst autistisches Kind über Nacht im Auto
Nachrichten Panorama Behinderten-Fahrdienst vergisst autistisches Kind über Nacht im Auto
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15:55 17.04.2009
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Dies räumten die beiden Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes, die die achtjährige Miriam am Mittwoch von der Schule abgeholt hatten, nach Polizeiangaben am Freitag ein. Die Malteser-Dienststelle kündigte eine lückenlose Aufklärung und die „nötigen Konsequenzen“ an.

Das Mädchen war am Donnerstagmorgen in dem in einer Garage geparkten Auto entdeckt worden, wohlbehalten und immer noch angeschnallt. Miriams Eltern hatten die Achtjährige bereits am Mittwochnachmittag als vermisst gemeldet, nachdem sie zuvor vergeblich die umliegenden Straßen vergeblich nach ihrer Tochter durchkämmt hatten. Insgesamt 200 Polizeibeamte, eine Hundestaffel und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera kamen daraufhin zum Einsatz, um das autistische Mädchen zu finden.

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Zu den beiden Mitarbeitern des Malteser Hilfsdienstes, die Miriam schließlich am Donnerstag entdeckten, gehörte auch der 32-jährige Fahrer, der zunächst angegeben hatte, das Mädchen vor dessen Elternhaus abgesetzt zu haben. Gemeinsam mit seinem 22 Jahre alten Beifahrer vom Mittwoch verstrickte er sich laut Polizei bei der anschließenden Befragung jedoch in Widersprüche.

Schließlich räumten die beiden Männer ein, sie hätten die Achtjährige schlicht im Transporter vergessen und seien auch beim Abstellen des Fahrzeugs in der Garage des Hilfsdienstes nicht mehr auf sie aufmerksam geworden. Der 32-Jährige, gleichzeitig Finder der Vermissten, sprach demnach von einem „schrecklichen Fehler“. Diesen könne er einzig mit dem routinierten Ablauf der Transporte erklären. Eigentlich soll der Behinderten-Fahrdienst laut Polizei die achtjährige Miriam, die sich nicht mitteilen kann, direkt in die Hand der Eltern übergeben. Strafrechtliche Konsequenzen des Falls würden noch geprüft.

Die Malteser Bremen erklärten am Freitag ihr außerordentliches Bedauern. „Unser tiefes Mitgefühl gilt nicht nur Miriam, sondern auch den Eltern, die stundenlang im Ungewissen waren über den Verbleib ihrer Tochter“, erklärte die Bezirksgeschäftsführerin Angelika Gabriel. Leider lasse sich das Geschehene nicht rückgängig machen. Die Malteser unterstützten aber die Ermittlungen der Polizei und würden Konsequenzen ziehen: „Bei einer reinen Entschuldigung wird und darf es nicht bleiben.“

Der 32-jährige Fahrer sei seit zwei Jahren bei den Maltesern Bremen beschäftigt, der 22-jährige Beifahrer seit einem Jahr. Beide seien innerhalb der Organisation „anerkannt und beliebt sowie als zuverlässig und freundlich bekannt“. Beide seien regelmäßig im Einsatz, und bis Mittwoch habe es von Kunden auch keine Beschwerden gegeben. Leider hätten beide offenbar gegen die Qualitätsvorgaben und Inhalte regelmäßiger Fahrerschulungen verstoßen. Die Erkenntnisse aus dem Fall sollen demnach ins Qualitätsmanagement einfließen. Der Fahrdienst der Malteser-Dienststelle Bremen befördert den Angaben zufolge täglich mehr als 170 Menschen.

afp