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Panorama Behinderte muss Einschreiben auf Toilette annehmen
Nachrichten Panorama Behinderte muss Einschreiben auf Toilette annehmen
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22:02 26.01.2012
Foto: Ein Postbote in Uelzen überbrachte ein Einschreiben auf der Toilette.
Ein Postbote in Uelzen überbrachte ein Einschreiben auf der Toilette. Quelle: dpa
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Uelzen

Ein Postbote hat in Uelzen einer behinderten Frau ein Einschreiben auf der Toilette zugestellt. Nach Angaben der 44-Jährigen war der Bedienstete ohne anzuklopfen in das Badezimmer eingedrungen, sie habe sich noch schnell ein Handtuch über den Schoß legen können, um sich zu bedecken, erklärte die Frau gegenüber der „Allgemeinen Zeitung Uelzen“. Die Eheleute haben einen Anwalt eingeschaltet.

Die Deutsche Post AG bestritt in einer ersten Stellungnahme, dass ihr Angestellter das Bad betreten habe. Später räumte ein Sprecher die „Zustellung“ auf der Toilette dann doch ein – allerdings sei sie im Einverständnis mit dem Ehemann erfolgt. Die Eheleute weisen diese Darstellung empört zurück. Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Karl Finke, sprach von einem „Verstoß gegen die Menschenwürde“.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag kurz nach 12 Uhr. Claudia P. – ihren richtigen Namen möchte sie aus Scham in der Öffentlichkeit nicht nennen – saß gerade auf der Toilette, als der Briefträger klingelte. Weil der Postbote darauf bestand, den Brief der Frau auszuhändigen, sei es zu einem Wortgefecht gekommen, sagt Ulrich P. Daraufhin sei der Briefträger plötzlich durch die Küche ins Badezimmer marschiert. Seine Ehefrau habe sich notdürftig mit einem Handtuch den Schoß bedeckt, darauf habe der Postbote die Empfangsbestätigung gelegt und sich unterschreiben lassen. Dann habe er in der Küche dem Ehemann den Brief in die Hand gedrückt und die Wohnung verlassen.

Bei der 44-Jährigen war im Jahr 2009 die Krankheit multiple Sklerose diagnostiziert worden. Ihren Beruf musste sie aufgeben, mittlerweile ist sie schwerbehindert und ein Pflegefall. Ihr Mann Ulrich stieg vor zwei Jahren aus dem Familienbetrieb aus, um sich um seine kranke Frau kümmern zu können.

Die Eheleute waren zuerst unsicher, ob sie den Vorfall öffentlich machen sollen. Aber die Empörung über die Erniedrigung seiner Frau sei einfach zu groß. „Sie war stundenlang völlig verstört“, sagt Ulrich P. Claudia P. hat unterdessen am Donnerstag einen Brief von der Post bekommen. Man habe den Mitarbeiter „auf ein korrektes Verhalten hingewiesen“, heißt es darin.

Thomas Mitzlaff

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