Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Panorama Babydoll statt Minimalismus: Der Streit um Celine
Nachrichten Panorama Babydoll statt Minimalismus: Der Streit um Celine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 12.01.2019
Umstrittener Stardesigner: Hedi Slimane, der – man sieht’s – für Männer gern scharf geschnittene Anzüge entwirft. Quelle: Starface/Imago
Berlin

Ein Jahr ist es her, dass die gefeierte Designerin Phoebe Philo ihren Rücktritt verkündete. Das war ein Schock für die Modewelt. Die 45-jährige Britin hatte das Label Céline zu Everybody’s Darling gemacht. Kaum eine Moderedakteurin, die nicht ihrem minimalistischen Design verfallen war, das den Ruf hatte, intellektuellen Frauen jeden Alters zu gefallen.

Und kaum eine Saison, in der Philo nicht ein neues It-Piece aus dem Ärmel schüttelte: von der Trapeze Bag über Birkenstock-Latschen mit Fellsohle bis hin zu Mänteln mit kariertem Kleidertütenprint.

Ein Jahr nach ihrem Abschied verkaufen sich Philos Kreationen auf Luxus-Second-Hand-Seiten wie Vestiaire Collective immer noch wie warme Semmeln. Und das, obwohl ihr Nachfolger, Stardesigner Hedi Slimane, längst das Zepter übernommen hat. Und Celine im Übrigen kein accent aigue mehr trägt.

Coole, minimalistische Mode für gestandene Frauen: Eine Kreation von Phoebe Philo für Céline aus dem Jahr 2010. Quelle: Pierre Verdy/AFP

Schon bei Saint Laurent, wo Slimane von 2012 bis 2016 Kreativdirektor war, hatte er das „Yves“ aus dem Namen nehmen lassen und damit für Empörung gesorgt. Auch für sein Design hagelte es Kritik. Zu jung sei es, zu wenig innovativ, schrieb die Presse. Doch die Zahlen gaben Slimane recht: Seine Teenager-Glam-Rock-Mode verkaufte sich bestens. Während seiner Amtszeit konnte er den Umsatz von 400 Millionen Euro auf 1 Milliarde Euro anheben.

Der Grund für Slimanes Rücktritt bei Saint Laurent war also nicht der mangelnde Erfolg seiner Kreationen. Angeblich gab es Uneinigkeiten über die Zukunftsstrategien der Marke. Zwei Jahre später feiert der 50-Jährige nun bei Celine sein Comeback. Und versetzt damit die sogenannten Philophiles in helle Aufregung.

Als ob es Philo nie gegeben hätte

Denn zwischen Slimanes Design und dem von Philo liegen nicht nur Welten, sondern ganze Universen. Und Slimane ist bekanntlich keiner, der sich irgendwie verbiegen lässt. Das ließ er auch in einem Interview durchblicken, das er wenige Tage vor seiner ersten Show gegeben hat. „Man geht nicht zu einem Modehaus, um die Arbeit des Vorgängers zu imitieren“, sagte er „Le Figaro“.

Am Abend des 28. September setzte er der Philo-Ära ein jähes Ende. In einem imposanten schwarzen Bau an der Place Vauban, gleich hinter Les Invalides, wurden die Gäste mit Mini-Champagner-Flaschen begrüßt, auf die das neue Logo gedruckt war. Unter dem Trommelwirbel eines Mitglieds der Garde Républicaine läutete Slimane das neue Kapitel ein, das er Celine 01 getauft hatte. Als ob es Philo nie gegeben hätte.

Celine-Mädchen statt Céline-Frauen

Ein Model im knappen Pünktchenkleid eröffnete die Show – das Kleid eine einzige übergroße Schleife. Viele Zuschauer, darunter auch Karl Lagerfeld, Catherine Deneuve, Cara Delevigne und Virgil Abloh, jubelten. Andere verdrückten an diesem Abend eine Träne.

Aus den gestandenen Céline-Frauen waren Celine-Mädchen in Babydoll-Kleidchen geworden, die mit ihren ballonartigen Röcken, Volants und schimmernden Bolerojäckchen ein bisschen an „Prom Queens“ erinnerten. Das Zuckrige brach Slimane durch Nieten, Leder, Cowboyboots und viel schwarz.

Auch Männer gehören von nun an dazu: Sie tragen scharf geschnittene, schwarze Anzüge, schmale Krawatten, Leopardenmäntel, elegante Slipper, metallisch glänzende Stoffe und lässige Lederjacken. Dieses Design kennt man von Slimane schon aus seiner Zeit bei Dior Homme.

Hedi Slimane schickte schon die Models für Yves Saint Laurent (hier aus dem Jahr 2014) mit kurzen Röckchen und tiefen Dekolletés auf den Laufsteg – jetzt setzt er seinen Mix aus Leder, Glitzer, Leo-Print und viel „Sex sells“ bei Celine fort. Quelle: dpa

Vor allem die angelsächsische Presse hielt sich mit scharfer Kritik nicht zurück. Vanessa Friedman von der „New York Times“ spricht von einem „Déjà-vu“. Er mache haargenau das Gleiche wie das, was er bereits vorher bei Saint Laurent gezeigt habe, wetterte sie. „Vor zwei Jahren, als Mr. Slimane die Modewelt verließ, war die Welt eine andere. Frauen waren anders. Sie haben sich weiterentwickelt. Nur er hat es nicht.“

Gerade in Zeiten von #MeToo war Phoebe Philos Vision von Mode aktueller denn je. Sie zwängte Frauen nicht in megaknappe Kleidchen, die nur dafür da sind, die Blicke der Männer auf sich zu ziehen. Eine Dekade lang stand das Haus dafür, die Macht von Frauen nicht mit ihrer Sexualität gleichzusetzen. Diese Philosophie habe Slimane mit einem Mal zugrunde gerichtet, schreibt Jess Cartner-Morley vom „Guardian“.

Jo Ellison von der „Financial Times“ betrachtet das Ganze auch unter pragmatischen Gesichtspunkten: „Kann sich Geschichte wiederholen, wenn man das gleiche Produkt auch zwei Geschäfte weiter in der Straße kaufen kann?“, fragt sie. Denn in der Tat sehen die Looks dem Design vom heutigen Saint Laurent verblüffend ähnlich. Kein Wunder, Chefdesigner Anthony Vaccarello führt die Linie von Slimane schließlich stilgetreu weiter.

Ein Verlust, den die Modewelt noch nicht überwunden hat

Dagegen hinterlässt das Design von Phoebe Philo eine große Lücke. Diesen Verlust hat die Modewelt noch nicht überwunden. Das zeigt allein der Erfolg des Instagram-Accounts @oldceline, den Gabrielle Boucinha am 3. September ins Leben rief und mit dem sie die Philosophie von Phoebe Philo am Leben erhalten möchte. Zu ihren inzwischen über 160 000 Followern gehören viele Mode-Insider wie Leandra Medine, Pernille Teisbaek oder Garance Doré.

Celine ist nicht mehr das, was es mal war. Doch genau das war wohl letztlich auch das Ziel des Unternehmens LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton SE), zu dem das Haus gehört. Phoebe Philo, die Intellektuelle, hatte sich immer gegen die Vermarktung im Internet gewehrt. Ihre Céline-Kollektionen gehörten zu den wenigen, die es nicht offiziell im Netz zu kaufen gab. Das ist nun anders. Zumindest die Accessoires sind inzwischen über den hauseigenen Onlineshop erhältlich.

Hinterlässt eine große Lücke: Phoebe Philo, ehemalige künstlerische Leiterin des Modehauses Céline (undatiertes Handout). Quelle: dpa

Mit dieser Strategie und natürlich mithilfe von Goldesel Slimane möchte LVMH-Präsident Bernard Arnault den Umsatz von Celine künftig verdreifachen. Damit würde die Marke zu den erfolgreichsten Marken der Welt gehören. Ob Hedi Slimane dieser Kunstgriff tatsächlich gelingen wird, wird sich zeigen.

So oder so bleibt aber die Frage, warum bisher niemand Slimane sein eigenes Label gegeben hat. Denn wie es in der Mode so ist, wird er irgendwann weiterziehen und für eine andere Marke arbeiten. Und wird dort dann wieder Hedi Slimane machen.

Von Estelle Marandon

„Dafür fühle ich mich zu alt“: Dieser Satz geht uns Middle-Agern nicht über die Lippen. Wir rennen jedem Trend hinterher und halten alles Neue für cool. Höchste Zeit, da mal umzudenken.

12.01.2019

Ein seit Monaten in den USA vermisstes Mädchen ist wieder aufgetaucht. Seitdem ihre Eltern erschossen aufgefunden wurden, fehlte von dem Mädchen jede Spur. Sie bat Passanten um Hilfe – 100 Kilometer vom Heimatort.

11.01.2019

Ein befreundeter Metzger soll einer Familie in Indien geholfen haben, die Tochter zu töten und anschließend zu zerstückeln. Weil die Eltern zunächst behaupten, die Tochter sei vergewaltigt worden, gab es Demonstrationen.

11.01.2019