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Panorama Arzt wegen massiven Abrechnungsbetrugs unter Verdacht
Nachrichten Panorama Arzt wegen massiven Abrechnungsbetrugs unter Verdacht
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15:36 11.11.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Schwangerschaftsberatungen für eine fast 83-Jährige und Hausbesuchs-Arbeitstage mit mehr als 22 Stunden: Weil ein Hamburger Arzt mehrere Krankenkassen jahrelang im großen Stil betrogen haben soll, hat die Polizei am Mittwoch dessen Praxis und Wohnung durchsucht. Dabei stellte sie Patienten- und Abrechnungsakten sicher, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft und bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders NDR Info.

Die AOK Niedersachsen brachte die Ermittlungen im April 2010 mit einer Strafanzeige ins Rollen. Betroffen sind der Staatsanwaltschaft zufolge auch die Techniker Krankenkasse, die AOK Hamburg/Rheinland und die DAK.

Der 54 Jahre alte Facharzt für Innere Medizin soll unter anderem Schwangerschaftsberatungen für Kleinstkinder und 83-Jährige abgerechnet haben. Außerdem habe er allein der AOK Niedersachsen teilweise bis zu 89 Hausbesuche täglich in Rechnung gestellt. Seine Fahrten führten ihn nach Peine, Stade, Ilsede und sogar nach Bochum. „Sein Verhalten war hochgradig auffällig“, sagte Sprecher Klaus Altmann.

Auf die Unregelmäßigkeiten war die AOK Ende 2009 durch Patienten aufmerksam geworden, die eine vermeintlich zu Unrecht gezahlte Praxisgebühr zurückforderten. „Bei einer Prüfung stellten wir fest, dass unsere Daten nicht mit den Patientenangaben übereinstimmten.“ Daraufhin nahm die Kasse die Abrechnungen, die normalerweise von der Kassenärztlichen Vereinigung auf Plausibilität überprüft werden, genauer unter die Lupe und kam so der Falschabrechnung mit System auf die Schliche. „Bei uns hatte der Arzt 2007 das erste Mal falsch abgerechnet“, sagte Altmann. Ein klärendes Gespräch zwischen Arzt und AOK sei nicht erfolgt.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) kontrolliert alle Abrechnungsunterlagen darauf, ob der Arzt für die abzurechnenden Leistungen auch eine Zulassung und eine entsprechende Qualifizierung hat. Die Abrechnungen würden automatisch geprüft, bei Auffälligkeiten schauten sich Mitarbeiter die Fälle genauer an, sagte Barbara Heidenreich, Sprecherin der KV Hamburg. Die Vorgänge rund um den 54-Jährigen würden derzeit hausintern geprüft. Es habe den derzeitigen Erkenntnissen zufolge jedoch keine Versäumnisse bei der KV gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft nun die beschlagnahmten Unterlagen des Arztes, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Über die Höhe des Schadens ist daher noch nichts bekannt. Über mögliche berufliche Konsequenzen entscheidet die Ärztekammer erst, nachdem das strafrechtliche Verfahren abgeschlossen ist. Sollte der Arzt wegen Abrechnungsbetrugs verurteilt werden, droht ihm der Entzug seiner kassenärztlichen Zulassung.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

10.11.2010
10.11.2010