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Panorama 86 Teilnehmer bei kuriosem Bürostuhl-Rennen
Nachrichten Panorama 86 Teilnehmer bei kuriosem Bürostuhl-Rennen
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19:44 25.04.2009
Dirk Adler (rechts) fährt am Sonnabend in Bad König-Zell bei den 2. Deutschen Meisterschaften im Bürostuhlfahren gegen Benedikt Moneke. Quelle: Thomas Lohnes/ddp
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„Das hätte ich ihm nie zugetraut und habe nun eine Kiste Bier verloren“, sagt Kevin Karg von den Zeller „Kerbbursche“, den Veranstaltern dieses kuriosen Wettkampfs. Daran beteiligen sich am Sonnabend eine Frau und 85 Männer aus der Schweiz und Deutschland. Rund 2000 Zuschauer verfolgen die Rennen.

Gefahren wird im K.-o.-System: Nur wer seinen Gegner auf der abschüssigen 150-Meter-Strecke abhängt, ist eine Runde weiter. Allerdings liegt bei „Turbo-Schnecke“ der Verdacht nahe, dass einer der „Kerbbursche“ mit der Kiste Bier geliebäugelt hat. Denn Lokalmatador Reeg war in seinem ersten Rennen ohne Gegner die Dorfstraße hinunter gebraust. Protest legt aber keiner der Kontrahenten ein. „Wer hier mitmacht, muss sowieso einen an der Meise haben“, sagt ein „Kerbbursche“ an der Startrampe.

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Nichtsdestotrotz sind die Zeller zielgerichtet vorgegangen und haben sich den Titel „Deutschlands offizielles Bürostuhlrennen“ mit anwaltlicher Hilfe beim Münchner Patentamt schützen lassen. Den Wettkampf haben sich vor einigen Jahren ein paar Schweizer einfallen lassen, die inzwischen in den Klassen „original“ und „tuned“ die nationalen Titel vergeben. „Tunen“ - technisch aufrüsten - ist in Zell verboten. Verbessert werden dürfen an den Stühlen lediglich die Rollen und deren Aufhängung.

Zu den Teilnehmern gehört die vierköpfige Darmstädter „Stuhlgang“ - hinten mit “ä“, wie Markus Peier betont. Der 19-jährige Gymnasiast von der Lichtenbergschule tritt zusammen mit zwei Mitschülern und seinem Physiklehrer Milan Dlabal an. Dem 43-jährigen Dlabal fiel es leicht, die Schüler für eine Teilnahme zu begeistern. „Anstellwinkel, Flexverhalten, Drehmoment - wo sonst außer bei einem durchgeknallten Bürostuhlrennen lassen sich physikalische Begriffe so spannend diskutieren“, sagt Dlabal grinsend.

Alle vier Darmstädter waren in der ersten Runde erfolgreich. „Am schwierigsten ist es, den Eigendrehungen des Stuhls auf der seitlich geneigten Straße beizukommen“, berichtet Markus. Zusammen mit ihrem Physiklehrer haben sie daher versucht, das Bürostuhl-spezifische „Flexverhalten in Kombination mit Gewichtsverlagerungen“ zu ergründen. Dlabal befürchtet, „dass da ein unwissenschaftlicher Rest bleibt“.

Andere Teilnehmer versuchen, diesen „unwissenschaftlichen Rest“ durch eine gefüllte Bierflasche am hangwärts gestreckten Arm auszugleichen. Doch es bleibt dabei: Bei einigen rotiert das sperrige Renngerät, bei anderen nicht. „Turbo-Schnecke“ Reeg ist sogar von seinem Bürostuhl gefallen. Endlich im Ziel, versucht sich der 48-Jährige Bankkaufmann schon auf seinen nächsten Wettkampf „mental“ vorzubereiten. Sein Gegner könnte „Afterburner“ werden, „eine schwere Aufgabe“.

Lokalmatadoren haben es jedoch nicht leicht. Mitten in der Konzentrationsphase wird „Turbo-Schnecke“ von seiner kleinen Tochter aufgeschreckt, die ihre neueste Zahnlücke präsentieren will. Reeg setzt letztlich auf die „Belastbarkeit“ seines Geräts. Den Bürostuhl hat er im Keller seiner Bank aufgetan. „Dem Stuhl traue ich alles zu“, sagt er. „Das war mal ein Vorstandssessel.“

ddp