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Panorama 38 Milliardäre verschenken Geld
Nachrichten Panorama 38 Milliardäre verschenken Geld
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21:54 04.08.2010
Amerikas Gutmenschen unter den Superreichen.
Amerikas Gutmenschen unter den Superreichen. Quelle: dpa
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Auf die eine oder andere Weise haben sie sich ums Gemeinwohl verdient gemacht. Dass sie mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke herschenken wollen, überrascht nicht wirklich. Mit anderen Namen war nicht unbedingt zu rechnen: Sandy Weill etwa, Gründer der Citigroup, dessen riskanter Expansionskurs maßgeblich dazu beitrug, dass der US-Steuerzahler das überschuldete Bankhaus in der Finanzkrise mit vielen Milliarden retten musste. Womöglich aber gilt für Weill ja, was ein Biograf schon Amerikas Philanthropen-Urvater Andrew Carnegie ins Stammbuch schrieb: „Vielleicht rechtfertigt er mit der Weggabe seines Geldes, was er getan hatte, es zu verdienen.“

Warum auch immer: Insgesamt 38 US-Superreiche sind dem Beispiel ihrer Milliardärs-Kollegen Bill Gates und Warren Buffett gefolgt und haben öffentlich gelobt, mindestens 50 Prozent ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zu spenden. Das gab die von Gates und Buffett ins Leben gerufene Initiative „The Giving Pledge“ am Mittwoch bekannt. Microsoft-Gründer Gates arbeitet schon seit Gründung der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung 1994 daran, sein Geld unter die Bedürftigen dieser Welt zu bringen. 2006 überzeugte Gates zunächst seinen Freund Buffett, in Raten 99 Prozent seines Geldes zu spenden. Nun soll das Beispiel Schule machen, haben sich die beiden reichsten Männer der USA vorgenommen. Sie wollen andere Superreiche zum Nachmachen animieren.

Die Zielgruppe ist – laut dem Magazin „Forbes“ – genau 403 Personen groß. So viele Milliardäre gibt es in den USA, mehr als in jedem anderen Land. Künftig sollen es ein paar weniger sein: Wer mitmacht, muss schriftlich zusagen, mindestens die Hälfte seines Vermögens an wohltätige Organisationen seiner Wahl abzugeben. Rechtswirksam ist das Versprechen zwar nicht, es soll jedoch moralisch verbindlich sein. „Wir haben gerade erst angefangen, aber die Reaktion ist fantastisch“, erklärte Mitinitiator und Investorenlegende Buffett gestern in New York. Viele hätten sogar weit mehr als die Mindestsumme versprochen. Immerhin fast jeder zehnte Milliardär hat schon unterschrieben, darunter erstaunlich viele Wall-Street-Größen wie die Hedge-Fonds-Gründer Julian Robertson und Jim Simons oder der Finanzinvestor David Rubenstein.

In privaten Treffen wollen Gates und Buffett nun andere überzeugen, sich von ihrem Geld zu trennen. Die Spenderliste könne durchaus Sogwirkung entfalten, glaubt Robert Frank, Kolumnist beim „Wall Street Journal“, „schon wegen des Gruppenzwangs, der Publicity und des inspirierenden Beispiels anderer“. Nach der großen Rezession seien Amerikas Superreiche sowieso gerade auf der Suche nach neuen Statussymbolen: „Jachten, Privatflugzeuge und Meeresvillen sind so 2007“ – Spenden hingegen topaktuell.

Dietmar Osterman

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