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Panorama 18-Jähriger zeigte sich 2011 bereits selbst an
Nachrichten Panorama 18-Jähriger zeigte sich 2011 bereits selbst an
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06:16 06.04.2012
Foto: Gegen den Tatverdächtigen im Emder Mordfall läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie.
Gegen den Tatverdächtigen im Emder Mordfall läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie. Quelle: dpa
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Osnabrück

Eine schwere Ermittlungspanne hat die Polizei am Dienstag im Zusammenhang mit dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden eingeräumt. Ein Durchsuchungsbeschluss gegen den geständigen Mörder lag bereits knapp drei Monate vor der Tat vor, wurde aber bis heute nicht umgesetzt. Der 18-Jährige hatte sich im November 2011 selbst wegen Kinderpornografie angezeigt, blieb aber trotz Einschaltung der Staatsanwaltschaft von der Polizei völlig unbehelligt und konnte am 24. März dieses Jahres ungestört zuschlagen: In einem Emder Parkhaus tötete er die elfjährige Lena.

Die Polizeidirektion Osnabrück als zuständige Behördenleitung hat nun interne Ermittlungen gegen Beamte der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund eingeleitet. Dies erklärte am Dienstag Polizeivizepräsident Friedo de Vries in Osnabrück. Im Rahmen der bereits seit Herbst 2011 laufenden Ermittlungen gegen den 18-Jährigen sei es, so de Vries, „zu für mich nicht nachvollziehbaren Verzögerungen gekommen“. Es werde geprüft, ob es strafrechtliche Konsequenzen für einzelne Beamte geben werde. De Vries: „Der Durchsuchungsbeschluss hätte kurzfristig umgesetzt werden müssen.“

Nach Darstellung der Polizeidirektion Osnabrück lag zudem bereits im September 2011 eine Anzeige wegen Kinderpornografie gegen den Jugendlichen vor – vom Lebensgefährten der Mutter des Täters. Zwei Monate später tauchte der 18-Jährige selbst in einer Polizeiwache in Emden auf und berichtete dort, dass er Fotos von einem unbekleideten Mädchen gemacht und kinderpornografische Dateien gesammelt habe. Er wolle sich dieser Neigung nun stellen, erklärte der junge Mann damals, und befinde sich deshalb „in fachlicher Betreuung“.

Diese Aussagen wurden an die Staatsanwaltschaft in Hannover weitergeleitet, die in Niedersachsen für die Bekämpfung der Kinderpornografie zuständig ist. Sie erwirkte nach Aussagen von Staatsanwältin Karin Söfker am 20. Dezember den Durchsuchungsbeschluss. Die Akten seien einen Tag später zum Amtsgericht Aurich geschickt worden. Am 30. Dezember erreichte der Durchsuchungsbefehl die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund – ohne dass er umgesetzt wurde. „Dieser Vorgang ist so schwerwiegend, dass ich das rückhaltlos und restlos aufgeklärt haben möchte“, erklärte Polizeivizepräsident de Vries und fügte hinzu: „Ich selbst bin betroffen und in Sorge.“

Ob die elfjährige Lena heute womöglich noch leben würde, wenn die Polizei in Ostfriesland den Durchsuchungsbefehl schneller umgesetzt hätte, wollte die Behördenleitung in Osnabrück am Dienstag nicht sagen: „Ich will mich an Spekulationen nicht beteiligen“, erklärte Polizeivizepräsident de Vries.

Bernhard Remmers und Michael B. Berger

03.04.2012
Saskia Döhner 03.04.2012
Karl Doeleke 03.04.2012