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Panorama 14-Jähriger soll Kassandra gequält haben
Nachrichten Panorama 14-Jähriger soll Kassandra gequält haben
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20:53 04.10.2009
Von Heinrich Thies
Hat ein Junge die neunjährige Kassandra schwer misshandelt in diesen Kanalschacht geworfen?
Hat ein Junge die neunjährige Kassandra schwer misshandelt in diesen Kanalschacht geworfen? Quelle: ddp
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Schockierend aber ist für die Einwohner, dass der Täter aus dem eigenen Ort stammt und fast selbst noch ein Kind ist.

Die Polizei nahm am Wochenende im Haus seiner Eltern einen 14-jährigen Jungen fest, der seit der Grundschulzeit verhaltensauffällig ist und eine Förderschule besucht. Es erging Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Der Junge war am Tattag im gleichen Kinder- und Jugendtreff vorbeigekommen, in dem auch Kassandra den Nachmittag verbracht hatte. Weil er aber wegen aggressiven Verhaltens Hausverbot hatte, wurde er abgewiesen. Gegen 19 Uhr, als Kassandra bereits vermisst wurde, tauchte er erneut in der Nähe des „Treffs 51“ auf, der nur 50 Meter vom Gully entfernt ist. Als er von Zeugen gesehen wurde, flüchtete er mit dem Fahrrad.

Wegen seines auffälligen Verhaltens wurde er bereits am Tag nach der Tat vernommen. Doch er beteuerte überzeugend seine Unschuld. „Er hat sich völlig gelassen und abgeklärt gezeigt, ohne emotionale Regungen“, sagt der Leiter der Mordkommission, Wolfgang Siegmund. „Und da wir nur Zeugenaussagen, aber keine Beweise hatten, mussten wir ihn wieder laufen lassen.“

Ende vergangener Woche jedoch erhärtete sich der Tatverdacht. Das Landeskriminalamt stellte an Kassandras blutiger Jacke Faserspuren fest, die der Kleidung des Jungen entstammen. Die gleichen Fasern hafteten auch am noch nicht näher bestimmten „Tatwerkzeug“. Doch der tatverdächtige Schüler wies weiterhin alle Vorwürfe zurück. „Er hat sich genauso unbeeindruckt gegeben wie vorher, völlig gefühllos, total cool“, sagt Hauptkommissar Siegmund. „Das ist für einen 14-Jährigen schon sehr ungewöhnlich.“ Der Junge habe auf jede Frage eine Antwort gegeben, sich aber in Widersprüche verstrickt. Das Tatmotiv ist unklar. Spuren für ein Sexualverbrechen wurden nicht gefunden. Der Junge soll sich jedoch immer wieder den Kindern im Jugendtreff genähert haben. Fest steht, dass er Kassandra und ihre Familie seit Langem gut kannte.

Gegen den Jungen läuft bereits ein Verfahren wegen Körperverletzung, Ermittlungen wegen Beleidigung und Sachbeschädigung wurden eingestellt. Der 14-Jährige besucht die Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung wegen Verhaltensstörung, er gilt als durchschnittlich intelligent. „Er kommt aus geordneten Verhältnissen“, sagte der Leiter der Mordkommission am Sonnabend. Sein Vater ist Geschäftsmann, seine Mutter Hausfrau, er hat noch zwei ältere Geschwister. Die Eltern zeigten sich schockiert von der Festnahme. Sie glauben den Beteuerungen ihres Sohnes.

Die Polizei hofft nun, dass Kassandra ihren mutmaßlichen Peiniger identifizieren wird. Das Mädchen, das schwere innere Verletzungen und ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, ist nach den Worten von Polizeisprecher Ulrich Löhe nach wie vor nicht vernehmungsfähig. „Es geht ihr Tag für Tag besser, und sie wird sich körperlich vermutlich auch vollständig erholen“, sagt Löhe. „Aber wie sie es seelisch verkraftet, wissen wir natürlich nicht.“

Kassandra war gut sieben Stunden nach ihrem Verschwinden von einem Suchhund in einem 1,50 Meter tiefen Regenwasserschacht aufgespürt worden, der von einem 40 Kilogramm schweren Gullydeckel verschlossen war. Nach einer Notoperation lag sie tagelang im künstlichen Koma.

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