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Medien & TV ZDF zeigt Monica Bleibtreu in ihrer letzten Fernsehrolle
Nachrichten Medien & TV ZDF zeigt Monica Bleibtreu in ihrer letzten Fernsehrolle
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19:30 28.11.2010
Von Stefan Stosch
Anneliese (Gisela Schneeberger) und Lore (Monica Bleibtreu, r.)
Anneliese (Gisela Schneeberger) und Lore (Monica Bleibtreu, r.) Quelle: dpa/ZDF
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Die Frau guckt so streng drein wie eine unbeliebte Lateinlehrerin im Mädchenpensionat nach einer verpatzten Klausur, tatsächlich aber hat Lore (Monica Bleibtreu) es faustdick hinter den Ohren. Später werden ihre Augen vor Bosheit blitzen, und ihr Lachen wird ganze Räume füllen. Aber bis es so weit ist, dauert’s noch ein wenig in der ZDF-Komödie „Ladylike – Jetzt erst recht!“ von Regisseurin Vanessa Jopp.

Die Ausgangslage für Lore ist zugegebenermaßen schwierig: Wir begegnen ihr, wie sie im eigenen Wohnzimmer auf eine Leiter klettert und sich eine Schlinge um den Hals legt. Nach 40 Ehejahren hat ihr Mann eine andere, Jüngere, und schwanger ist diese andere auch noch von Lores Gatten. Da klingelt, gerade noch rechtzeitig, das Telefon. Die pflichtbewusste Lore steigt wieder runter von der Leiter. Anneliese (Gisela Schneeberger), ihre Freundin aus Jugendtagen, ist dran, und sie hat tatsächlich einen Toten im Haus, ihren eigenen Ehemann.

Lore verschiebt den Selbstmord bis auf Weiteres und eilt der Freundin selbstlos zu Hilfe – nur um vor Ort festzustellen, dass keine trauernde Witwe auf sie wartet, sondern eine quietschfidele Alte, Typ: unwürdige Greisin. Ihre Beerdigungsgarderobe wählt Anneliese zuallererst nach deren Verwendbarkeit für geplante fröhlichere Festivitäten aus – und sie klaut den Fummel aus dem Laden.
Annelieses gute Laune könnte auch daher rühren, dass sie ihren Ehemann womöglich eigenhändig mit einem vergifteten Süppchen aus dem Weg geräumt hat. Plausibel wäre das: Schließlich stammt die Vorlage zu diesem Film von der literarischen Giftmischerin Ingrid Noll („Die Apotherkerin“).

Annelieses Lebenslust steckt an, und die wundersame Verwandlung von Depri-Lore in eine Draufgängerin nimmt unaufhaltsam ihren Lauf. Von nun an verlangt sie vom Leben all das, was sie in braven Ehejahrzehnten verpasst hat – zum Beispiel das tägliche Gläschen Champagner. Auf der Strecke bleiben die Männer (Günther Maria Halmer, Horst Westphal). Und das ist wörtlich zu verstehen.
Das klingt nach einem großen Fernsehspaß, und doch ist diese Komödie nicht so abgründig und frech, wie sie es gerne wäre (Drehbuch: Gerlinde Wolf). Der Irrwitz ist nicht irrwitzig genug, und die perlige Musik wirkt auf Dauer aufdringlich.

Was „Ladylike“ dennoch zur sympathischen Komödie macht, ist die Ausgelassenheit der beiden Hauptdarstellerinnen. Dies ist ein Galaauftritt für Bleibtreu und Schneeberger. Lore und Anneliese trotzen ihrer Lebensrestlaufzeit Humor und Komik ab – und da beide ein gewisses Alter erreicht haben, müssen sie sich auch nicht mehr darum scheren, was die anderen davon halten. Dass die Partyzeit begrenzt ist, klingt gleich zu Beginn an: Lore macht sich darüber Gedanken, was sich wohl in ihrer Erinnerung kurz vor dem Ableben abspielen könnte.

Durch den Tod von Monica Bleibtreu im Mai vorigen Jahres bekommen solche Szenen nun viel mehr Gewicht als ursprünglich beabsichtigt – so ähnlich, wie das schon in „Soul Kitchen“ der Fall war, Bleibtreus letztem Kinoauftritt in Fatih Akins Komödie. Kurz nach den Dreharbeiten zu „Ladylike“ starb die Schauspielerin, dies ist ihre letzte TV-Rolle. Dass sie darin mit so viel Schwung und auch Albernheit bei der Sache ist, macht den Abschied von dieser wunderbaren Schauspielerin um so schwerer.

„Ladylike – Jetzt erst recht“, ZDF, Komödie mit Monica Bleibtreu, Montag, 20.15 Uhr