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Medien & TV ZDF-Show „Sorry für alles“: Ein letztes Zucken beim Lagerfeuer-Fernsehen
Nachrichten Medien & TV ZDF-Show „Sorry für alles“: Ein letztes Zucken beim Lagerfeuer-Fernsehen
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17:21 06.08.2019
Sagt Sorry: ZDF-Moderator Steven Gätjen (rechts) entschuldigt sich mit einem selbst gebastelten Magazin bei Kandidatin Alisa. Quelle: Foto: Sascha Baumann/ZDF
Mainz

Die ZDF-Show „Sorry für alles“ bohrt so tief ins Allerheiligste des Alltags, dass man sie nur betäubt angucken kann. Sie soll die neue Familiensendung im Zweiten werden, eine Art Quizshow mit Fremdschämpotenzial.

Das Prinzip: Ein Mensch wird 30 Tage mit der Kamera verfolgt, er weiß nichts davon – in der ersten Episode der Sendung trifft es Buchhändler Denis, dann Kaufhausmitarbeiterin Alisa. Begegnungen werden mithilfe von Lockvögeln arrangiert, Peinlichkeiten geschaffen. Und alles wird heimlich gefilmt, bis schließlich im Studio die Irrungen der vergangenen Wochen von Moderator Steven Gätjen an der Seite der verstörten Kandidaten aufgelöst werden.

Steven Gätjens Mitgefühl: „Oh, Mäuschen!“

Gätjen versucht es mit der Masche „Vertrauenslehrer“, indem er einerseits ins Leere schaut, andererseits wie eingefroren lächelt. Und immer wieder „Mein lieber Denis“ sagt. Oder, wenn Alisa zuckt: „Oh, Mäuschen!“ Den Ton der Sendung gibt das „Sorry“ im Titel ganz gut vor. Im deutschen Sprachgebrauch heißt es nichts anderes als: „Hab dich nicht so, ist doch halb so wild.“ Zwischen „Sorry“ und „Ich bitte um Entschuldigung“ liegen Welten und mindestens zwei Benimmkurse.

Schließlich folgt der Quizteil der Show – mitsamt Entschädigung für die Peinlichkeiten: das kleine Glück, das sich als Preis auf einer Punkteskala gewinnen lässt. Dort winken Wellnesswochenende, ein Jahr lang freies Heißgetränk im Lieblingscafé, Brautkleid oder Reise nach Lissabon. Punkte erhält ein Kandidat, wenn er zu den bloßstellenden Clips Fragen richtig beantwortet: Welches T-Shirt trug der Nebenmann? Kann der Bruder raten, ob die Schwester beim Aktzeichnen den Penis des Mannes gemalt hat oder nicht? Als Köder für die Quote läuft unausweichliches Fernsehpersonal wie Eko Fresh, Thomas Hermanns und Johann Lafer für Sekunden durchs Bild.

„Sorry für alles“ soll das neue ZDF-Lagerfeuerfernsehen werden

In der Fernsehbranche gibt es das Wort „Lagerfeuer“. Es bezeichnet eine Gattung, die angeblich nicht mehr existiert. Lagerfeuer heißt: Alle wärmen sich, sitzen behaglich beieinander und schauen gebannt ins Feuer, oder eben auf den Bildschirm. Wer davon spricht, ist ein Nostalgiker und redet letztlich immer über „Wetten, dass…?“, die Blüte der Familienunterhaltung. Die Show ist 2014 gestorben, das ZDF hat sie eingestellt. Die Kinder gucken seither beim Streamingdienst Netflix, Papa gönnt sich Fußball-Bundesliga auf Sky und Mama schaut „Bares für Rares“. So könnte sie aussehen, die Fernsehfamilie der neuen Zeit.

Das ZDF sucht trotzdem weiter nach der zeitgemäßen Wunderformel, die nach Lagerfeuer riecht. Neuester Versuch ist eben dieses „Sorry für alles“. Es läuft zum ersten Mal an diesem Mittwoch, das ist im Showgeschäft die zweite Liga, von der man im Erfolgsfall aufsteigt in die erste und sich den Platz am Samstagabend sichert.

Manche Menschen sind zu gut fürs Fernsehen – und für „Sorry für alles“

Ob das klappt? Was an „Sorry für alles“ an die Nieren geht, ist das Verjuxen der privatesten Gefühle, nur, um mal ins Fernsehen zu kommen. Bitter ist, dass nicht die Hauptperson entscheidet, ob sie mit der Kamera verfolgt wird, sondern deren Angehörige.

Wo sich der Buchhändler Denis mit rheinischem Gemüt noch irgendwie behaupten kann, geht Alisa unter. Sie ist eine Seele von Mensch und sagt tatsächlich 301-mal den Nonsens-Satz: „Ich male, also bin ich“, weil es der schmierige Aktzeichenlehrer möchte. Sie will ihn nicht enttäuschen. Und heult fast. Menschen wie Alisa sind zu gut fürs Fernsehen. Und Shows wie „Sorry für alles“ sind zu schlecht für so ein Wort wie „Lagerfeuer“.

Von Lars Grote/RND

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