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Medien & TV „Wille zur Wahrhaftigkeit“ – Joachim Knuth soll am 5. Juli neuer Intendant des NDR werden
Nachrichten Medien & TV „Wille zur Wahrhaftigkeit“ – Joachim Knuth soll am 5. Juli neuer Intendant des NDR werden
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13:34 04.07.2019
„Gemeinschaftlich sind wir stärker“: der designierte neue NDR-Intendant Joachim Knuth. Quelle: Foto: NDR/Thomas Pritschet
Hannover

Es gibt Momente, da benutzt Joachim Knuth mit großer Lust sehr elegante Wörter. Er spricht dann von „Gravitätshuberei“ und vom „Willen zur Wahrhaftigkeit“. Er schwärmt vom „Glamour des Intellekts“, von „Parasozialität“ und von der „Pluralität der Perspektiven“.

Der Rundfunkrat wird Knuth am 5. Juli zum NDR-Intendanten wählen

Der gebürtige Kieler und gelernte Journalist hat Politik, Kommunikationswissenschaft und Geschichte studiert. Es kommt vor, dass die Sätze des 60-Jährigen die Grenze zum Pathetischen berühren. Bei manchem kaschiert die „Grandezza des gesprochenen Wortes“ (Knuth) nur einen Mangel an Substanz.

Knuth freilich ist dies nicht vorzuwerfen. Am 5. Juli wird ihn der 58-köpfige Rundfunkrat wohl zum neuen NDR-Intendanten wählen – er ist der einzige Kandidat. Er braucht eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Wer ist der Mann? Joachim Knuth gilt als geschickter Diplomat im öffentlich-rechtlichen Kompetenzdschungel. Seit 1985 ist er beim NDR tätig, seit 2008 als Hörfunkchef. Im selben Jahr trat Lutz Marmor seinen Job als NDR-Intendant an.

Gerne hätte Lutz Marmor noch ein paar Jahre weitergemacht

Gerne hätte Marmor noch ein paar Jahre drangehängt, doch die Unsicherheit, ob er sich mit 65 Jahren wirklich noch eine volle sechsjährige Amtszeit antun will, bewog die Gremien trotz grundsätzlicher Zufriedenheit mit seinem Wirken, das Steuer in andere Hände zu geben.

Und das, obwohl SWR-Intendant Peter Boudgoust seine letzte Amtszeit gerade halbieren und nach drei Jahren vorzeitig an „ARD aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke übergeben durfte. Marmor wird dies nun verwehrt. Seine Amtszeit endet am 12. Januar 2020.

Nun also Knuth. Seit Jahren hält er die Fahne eines Mediums hoch, das im medialen Reigen lange gegen seinen Ruf als elitäre Sackgasse beziehungsweise totformatiertes Nebenbeimedium kämpfen musste: das Radio. „Hören ist das neue Lesen“, sagte dagegen Knuth jüngst dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Knuth ist überzeugt: „Es gibt eine Renaissance des Hörens“

Der Boom von Podcasts oder Hörspielen zeige: „Es gibt eine Renaissance des Hörens. Wir sind als Radio verdammt vital.“ Um die Strahlkraft des oft belächelten Kellerkindes zu feiern, hat Knuth 2010 den Deutschen Radiopreis initiiert, inzwischen ein glamouröses Branchenevent. Stets hat er vehement für das Digitalradio DAB+ geworben, das als UKW-Nachfolger eine eigene Infrastruktur für das Radio sichern soll („Davon bin ich überzeugt“).

Doch gerade erst hat sich der Niedersächsische Landtag gegen eine weitere öffentliche Finanzierung des Übertragungsstandards ausgesprochen, den viele in Zeiten von Spotify und blühender Netzradiowelt als 600 Millionen Euro teure Brückentechnologie kritisieren.

In der Tat dürfte die technische Zukunft im Internet liegen. Chip oder App statt eines eigenständiges Gerätes? Keine schöne Vision für Knuth. Manchmal klang er auf DAB+-Mission wie ein Grammophonhersteller 1958.

Knuth übernimmt den Sender in schwierigen Zeiten

Was will er? „Intelligente Inhalte“, eine „klare Konturierung von Persönlichkeiten“ und „etwas, das man Geborgenheit nennen könnte“ – darin liegt für Knuth die programmliche Zukunft von Medienhäusern. Auf den NDR kämen vor dem Hintergrund des rasanten Medienwandels „erhebliche Anstrengungen“ zu, sagte er im März nach seiner Wahl zum Vize-Intendanten.

Der „hervorragende Journalist und ein erfolgreiche Medienmanager“ werde „mit seiner Tatkraft und Erfahrung daran mitwirken, dass dem NDR die Balance zwischen Tradition und Erneuerung gelingt“, befand damals Cornelia Nenz, die Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates.

Tatsächlich übernimmt Knuth den Sender in schwierigen Zeiten. ARD und ZDF stehen unter heftigem Legitimationsdruck. Knuth kennt den Kampf zwischen Quote und Qualität: „Was niemand hört, das kann nicht relevant sein.“ Der Spardruck ist hoch, die Politik fordert Verschlankung. In Hamburg-Lokstedt baut sich der NDR gerade einen integrierten Newsroom für Hörfunk, Fernsehen und Onlinemedien.

Knuth hat bewiesen, „Schützenswertes“ bewahren zu können

„Wir denken, dass wir gemeinschaftlich stärker sind“, sagt Knuth. Durch Vernetzung entstehe eine Gestaltungskraft, „die über das hinausgeht, was jedes Programm einzeln erreichen kann.“ Das zeige auch das Beispiel des RND.

Sparpläne? Dafür ist es zu früh. Von den acht Radioprogrammen der Vier-Länder-Anstalt NDR aber sei keines verzichtbar, sagte er kürzlich. „Auch der Jazz ist uns lieb und teuer.“ Und sein Ziel sei, dass die beiden NDR-Orchester, der Chor und die NDR-Bigband „auch im nächsten Jahrzehnt erhalten bleiben“ sollen, versprach er noch als Hörfunkchef.

Dass er „Schützenswertes“ zu bewahren imstande ist, hat Knuth bewiesen. Nun muss er den NDR in die digitale Zukunft führen. Das wird nicht ohne den „Willen zur Wahrhaftigkeit“ gehen. Auch wenn der manchmal schmerzt.

Von Imre Grimm/RND

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