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Medien & TV US-iranische Journalistin im Iran zu acht Jahren Haft verurteilt
Nachrichten Medien & TV US-iranische Journalistin im Iran zu acht Jahren Haft verurteilt
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19:30 18.04.2009
Roxanas Mutter, Akiko Saberi, zeigt ein Foto ihrer inhaftierten Tochter. Quelle: Atta Kenare/afp
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Wie ihr Vater der Nachrichtenagentur AFP am Samstag sagte, hatte die 31-Jährige zuvor ein falsches Geständnis abgelegt, um freigelassen zu werden. US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte, sie sei „tief enttäuscht“ von dem Urteil.

Saberis Verteidiger Abdolsamad Choramschahi kündigte in Teheran an, dass er das von einem sogenannten Revolutionsgericht gefällte Urteil anfechten werde. Ihr Vater Reza Saberi sagte: „Roxana hat uns gesagt, dass alles was sie gestanden hat, nicht wahr ist.“ Seine Tochter sei eingeschüchtert worden. Außerdem sei ihr versprochen worden, dass sie freikomme, wenn sie mit den Behörden zusammenarbeite. Vor Gericht habe sie das falsche Geständnis widerrufen und erklärt, sie sei getäuscht worden. Saberi sagte nicht, wann er mit seiner Tochter gesprochen hat. Am Samstag durfte er sie nach eigenen Angaben nicht im Gefängnis besuchen.

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Die Journalistin, die sowohl iranische als auch US-Bürgerin ist, war im Januar im Iran festgenommen worden. Seitdem sitzt sie im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Ursprünglich warf die Justiz der Reporterin vor, Alkohol gekauft zu haben, was in dem streng islamischen Land verboten ist. Dann erklärten die Behörden, Saberi habe ohne Presseausweis und daher illegal im Iran gearbeitet. Später wurde ihr Spionage für die USA vorgeworfen, was in der Islamischen Republik mit dem Tod bestraft werden kann.

Roxana Saberi wurde in den USA geboren und lebte seit sechs Jahren im Iran. Sie war für den öffentlichen US-Rundfunksender NPR, den US-Fernsehsender Fox News und die britische BBC tätig. Nach Angaben ihres Vaters arbeitete die junge Frau zuletzt an einem Buch über den Iran. Das Gericht hatte den Fall am Montag hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Saberis Vater zeigte sich „schockiert“ über das harte Urteil. Die Familie habe nicht mit einer achtjährigen Haftstrafe gerechnet, sondern mit Begnadigung nach sechs Monaten Haft. Saberis Eltern hatten vergeblich an den obersten geistlichen Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, appelliert, die Journalistin wegen ihrer schlechten psychischen Verfassung freizulassen.

Clinton erklärte, sie sei tief enttäuscht von dem Urteil. Die US-Regierung werde „entschlossen“ ihre Bedenken gegenüber der iranischen Regierung geltend machen. Die USA bemühten sich darum, Saberis Wohlergehen zu gewährleisten. Senator Byron Dorgan aus dem Heimat-Bundesstaat der Familie Saberi, North Dakota, sprach von einem „schockierenden Fehlurteil“. Er werde nicht ruhen, bis Saberi in die USA zurückkehren könne.

Die Organisation Reporters sans frontières (RSF, Reporter ohne Grenzen) mit Sitz in Paris verurteilte die Strafe und nannte die lange Haftdauer „schwer und ungerecht“. Saberi habe bei ihrer einzigen Anhörung im Prozess keinen Verteidiger an ihrer Seite haben dürfen.

afp