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Medien & TV Turbulente „Tatort“-Premiere für Til Schweiger
Nachrichten Medien & TV Turbulente „Tatort“-Premiere für Til Schweiger
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15:01 05.03.2013
Der Mann für's Grobe: Til Schweiger in der Rolle des "Tatort"-Kommissars Nick Tschiller.
Der Mann für's Grobe: Til Schweiger in der Rolle des "Tatort"-Kommissars Nick Tschiller. Quelle: dpa
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Hamburg

Ausgerechnet aus Deutschlands beliebtestem „Tatort“-Revier kam die Quotenansage für Til Schweiger: „Er wird uns alle übertrumpfen“, hatte Schauspieler Axel Prahl, gemeinsam mit Jan Josef Liefers in Münster für die ARD-Reihe im Einsatz, im Kölner „Express" prophezeit. Als die Top-Personalie unter Deutschlands TV-Ermittlern Ende 2011 bekannt wurde, legte Prahl die Messlatte für den „Keinohrhasen"-Kommissar hoch: „Til knackt die magische 12-Millionen-Marke." Die hat das Münsteraner „Tatort"-Duo inzwischen selbst übertroffen und damit die Vorgabe für den Neuen in Hamburg unterstrichen. Zweistellig sollte die Millionenzahl der Zuschauer schon sein, wenn es für Schweiger heißt: „Willkommen in Hamburg".

An diesem Sonntag (10. März/20.15 Uhr) ist der 49-Jährige nun tatsächlich auf dem Bildschirm erstmals als Nachfolger von Mehmet Kurtulus an Elbe und Alster unterwegs. Gefühlt ist es der Kinostar schon seit mehr als einem Jahr. Seit Schweiger auf Thomas Gottschalks „Wetten, dass...?"-Couch seinen Dienstantritt im NDR-Revier bestätigte, brachten ihm seine Äußerungen zum Kult-Krimi immer wieder Schlagzeilen und nicht selten Empörung bei Fans und Kollegen ein. Erst war es der Vorspann: Das mehr als 40 Jahre alte Intro mit dem berühmten Augenpaar und Fadenkreuz nannte er „outdated". Kurz vor Drehbeginn sorgte die Änderung des Rollennamens für Aufsehen: Aus Tschauder wurde Tschiller, der Vorname Nick blieb.

„Wo Til Schweiger draufsteht, ist Til Schweiger drin"

„Und der hat so einiges mit Schweiger gemeinsam: Er nuschelt ab und an, findet manches ein bisschen überholt und liebt seine Tochter abgöttisch. Als „Tatort"-Sprössling Lenny darf wieder Schweigers eigene Tochter Luna ran, die zuletzt mit Papa für dessen Kinofilme „Schutzengel" und - ganz kurz - in „Kokowääh 2" vor der Kamera stand. So manches im Traditionskrimi ist wie im Schweiger-Kino, auch wenn er diesmal nicht Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion ist. „Wo Til Schweiger draufsteht, ist auch Til Schweiger drin", betont er gern. Ins Kino lockte er damit Millionen in seine Komödien („Keinohrhasen", „Kokowääh"). „Schutzengel" mit Schweiger in Action schnitt im Vergleich dazu schlechter ab.

Mit Action und einer Ladung Testosteron, Schießereien und Schlägereien will er nun den TV-Sonntagabend aufmischen: „Willkommen in Hamburg" läuft nur wenige Sekunden, da flucht er „Fuck!", einige Minuten später gibt es drei Tote - erschossen von Hauptkommissar Tschiller mit der Dienstwaffe am ersten Arbeitstag beim LKA. „So arbeiten wir nicht! Bei uns werden Verdächtige festgenommen und dann verhört", macht ihm sein Chef klar. „Das wollten die aber nicht", kontert Tschiller. Auch als die Staatsanwältin (Edita Malovcic) wissen will, ob er den Erschossenen zuvor auf seine „polizeiliche Gewaltanwendungslegitimation" hingewiesen habe, meint Tschiller nur: „Ja, ich hab Polizei gesagt, bei „ei" hat er geschossen."

Tschiller als neuer Schimanski - einer, der mit unkonventionellen Methoden heraussticht aus der Reihe der 21 „Tatort"-Teams. Ein harter Kerl: Das Weichei versucht er nur beim Frühstück für Tochter Lenny, für die er eigens nach Hamburg gezogen ist, hinzubekommen. „Fuck" als erstes Wort sei eine Hommage des Drehbuchautors Christoph Darnstädt an Schimanski (Götz George), dessen erstes Wort im „Tatort" 1981 "Scheiße" war. Wie Schimanski schert sich Tschiller nicht um Regeln und nimmt im Alleingang den Kampf gegen einen Zuhälter-Clan auf, der den Kiez offenbar fest im Griff hat. So versteckt er eine minderjährige Prostituierte eigenmächtig in der Wohnung seines neuen Partners Yalcin Gümer (Fahri Yardim), der beim Schusswechsel verletzt wurde und im Krankenhaus liegt.

„Tatort" mit Humor

Dass Yardims Part ans Bett gefesselt ist, ermöglicht Schweiger den Alleingang - und Yardim mit witzigen Sprüchen via Handy und Laptop die Rolle des Sympathieträgers. Denn auch Humor gibt es im Film von Regisseur Christian Alvart („Antikörper"). Etwa wenn die Schlagzeilen aufgegriffen werden und Worte wie „outdated" fallen oder der Polizeichef (Tim Wilde) Tschiller anfährt: „Sie glauben, Sie kommen nach Hamburg und können hier alles auf den Kopf stellen, oder was?! Sie und Ihre Alleingänge und diese Gewalt und dieses ganze Rumgeblute!" Oder beim Aufeinandertreffen von Schweiger und Wotan Wilke Möhring, bald ebenfalls als NDR-„Tatort"-Ermittler am Start, nach dem „medialen Schwanzvergleich" auf der LKA-Toilette.

„Halt durch, Kollege", sagt Möhring in der Szene. „Mach dir mal keine Sorgen, Kollege", erwidert Schweiger. Verpflichtet hat sich der Filmstar erst einmal für vier „Tatorte", einen pro Jahr will er drehen. Schweiger selbst rechnet mit einer „Superquote" für seinen „Popcorn-Tatort", wie die Macher ihn nennen: „Es wird so sein wie bei Markus Lanz' erster „Wetten, dass...?"-Sendung, die Leute sind einfach neugierig. Danach müssen wir mal sehen, was passiert", sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Münsteraner Quoten halte er jedoch für unerreichbar - die seien „von einem anderen Stern".

Nick Tschiller im Rollenprofil

Nikolas „Nick" Tschiller ist der Neuzugang beim Hamburger Landeskriminalamt (LKA) und zuständig für organisiertes Verbrechen und Rauschgift. Tschiller stammt aus Frankfurt, wo er zunächst Streifenpolizist und dann beim LKA war. Doch der Job befriedigt ihn nicht. „Soziologische und psychologische Hintergründe von Drogen- und Menschenhändlern interessieren ihn wenig", wird er im Rollenprofil beschrieben. „Er will die Täter zur Verantwortung ziehen, mit allen - legalen - Mitteln." Tschiller wechselt zum Spezialeinsatzkommando (SEK) und betritt mit ihm die gefährlichsten Abgründe - „ohne anzuklopfen".

Nur aus einem Grund steigt Tschiller beim SEK aus und geht nach Hamburg: Ex-Frau Isbaella (Stefanie Stappenbeck) zieht der Karriere wegen mit der gemeinsamen Tochter Lenny (Luna Schweiger) um. Die 15-Jährige ist das Wichtigste in Tschillers Leben und wohnt in der Hansestadt bei ihm, da ihre Mutter viel unterwegs ist. Nicht nur das Zusammenleben ist ungewohnt für Tschiller, auch die Arbeitsweise beim LKA. Klassische Mordermittlung ist nicht sein Fall. „Der neue Hauptkommissar ist nicht mehr so gut auf den Beinen und er ist auch nicht mehr der Jüngste, trotzdem fackelt er nicht lange, wenn sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit verletzt wird..."

Sein erster Fall

Es ist der erste Einsatz für den Neuen beim LKA Hamburg - und gleich sticht Nick Tschiller in ein Wespennest: Bei einer routinemäßigen Wohnungsüberprüfung durch Tschiller und seinen Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim) entpuppt diese sich als Versteck für minderjährige Prostituierte, deren Zuhälter plötzlich vor der Tür stehen. Es kommt zu einer Schießerei, bei der drei Mitglieder des gefürchteten Astan-Clans getötet werden, mit dem die Hamburger Polizei offenbar eine Art Kiezfrieden geschlossen hat. Die Macht des Clans, den die Hamburger Behörden gewähren lassen, ist ungebrochen.

Der LKA-Neue muss sich einer internen Untersuchung stellen: Hat er in Notwehr getötet? Was hatte Max Brenner (Mark Waschke) am Tatort zu suchen - sein Ex-Partner als verdeckter Ermittler in Frankfurt? Sein Chef Holger Petretti und Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) beobachten Tschiller misstrauisch, der angeschossene Co-Ermittler Gümer unterstützt ihn vom Krankenhausbett aus. Eine der jugendlichen Zwangsprostituierten versteckt Tschiller eigenmächtig in Gümers Wohnung, um sie vor korrupten Kollegen zu schützen - und um auf die Spur der Menschenhändler zu kommen.

dpa/jos