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Medien & TV The Great Hack: So will die Netflix-Doku will dem Cambridge-Analytica-Skandal aufarbeiten
Nachrichten Medien & TV The Great Hack: So will die Netflix-Doku will dem Cambridge-Analytica-Skandal aufarbeiten
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17:35 24.07.2019
Wenig Aufklärung: David Carroll, Professor an der Parsons School of Design in New York. Quelle: Foto: Netflix
Los Gatos

Eine Stimme sagt unheilvoll: „Es begann mit dem Traum von einer vernetzten Welt.“ Und: „Wir waren so verliebt in das Geschenk der freien Vernetzung, dass sich niemand die Mühe machte, die Geschäftsbedingungen zu lesen.“ Dazu sieht man, wie Menschen und Städte sich in kleine Pixel auflösen, untermalt von unheilvoller Musik.

Eigentlich beginnen Weltuntergangsfilme so. Doch „Cambridge Analyticas großer Hack“ ist kein Apokalypsenspielfilm, es ist eine Dokumentation, die auf dem Sundance-Festival Premiere feierte und nun in Deutschland auf Netflix zu sehen ist.

Facebook muss für 5 Milliarden US-Dollar Strafe zahlen

Sie handelt von einem der größten Datenskandale unserer Zeit: Wie das Unternehmen Cambridge Analytica Zugang zu den Daten von Millionen Facebook-Nutzern erhielt und wie es diese Daten dazu nutzte, um Wahlkampf für Donald Trump zu machen. Ein Skandal, der Facebook mit einer Strafe in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar neben der Frage zur Glaubwürdigkeit auch wirtschaftlich teuer zu stehen kommt.

Ein wichtiges Thema. Aber eben auch ein komplexes. Der Anfang setzt dabei den Ton für die gesamte fast zweistündige Dokumentation. Die Protagonisten sagen darin immer wieder bedeutungsschwangere Sätze wie: „Ich wurde besessen davon, Antworten zu finden.“

Cambridge Analyticas großer Hack“ trägt wenig zum Datenskandal von Facebook bei

„Wir hoffen, dass der Film Aufschluss darüber gibt, was es bedeutet, die Geschäftsbedingungen zu unterzeichnen, denen wir täglich zustimmen“, sagten die beiden Filmemacher, Jehane Noujaim und Karim Amer, im Januar gegenüber dem Magazin „Wired“. Man merkt dem Film an, dass sie den ganz großen Bogen spannen wollen – von Facebook zu Cambridge Analytica zu Überwachung und der Zukunft der Demokratie. Tatsächlich sind Dokumentarfilme ja auch gut geeignet, sehr komplexe Themen zu veranschaulichen – und dazu gibt es rund um Cambridge Analytica wirklich Bedarf.

Doch der Film trägt zur Aufklärung nicht allzu viel bei. Stattdessen wird ein eher großes Vorwissen vorausgesetzt, auf eine zeitliche Einordnung verzichten die beiden Filmemacher zum Beispiel. Wer sich dagegen schon mit dem Thema auseinandergesetzt hat, erfährt kaum neue Fakten. Welche Verantwortung Facebook dafür trägt, dass die Daten seiner Nutzer missbraucht wurden – der eigentliche Cambridge-Analytica-Skandal –, das wird eher kurz abgehandelt.

Netflix-Doku arbeitet auf Basis einer These – ohne die zu hinterfragen

Stattdessen steht ohne Widerspruch die These im Raum: Mittels der Facebook-Daten und daraus erstellten Persönlichkeitsprofilen konnte Cambridge Analytica die US-Wahl manipulieren. Microtargeting heißt das Stichwort: Durch auf sie zugeschnittene Werbung werden unentschlossene Wähler beeinflusst – Trump gewinnt die Wahl.

Das Problem ist nur: Als Quelle für diese Behauptungen dienen Aussagen von Cambridge Analytica und Whistleblower Christopher Wylie. Sie haben – zu Recht – dafür gesorgt, dass die Themen Fake News und Wahlwerbung in sozialen Medien mittlerweile ernsthaft diskutiert werden. Doch welchen Effekt das Handeln von Cambridge Analytica hatte, ob Fake News wirklich Wahlen beeinflussen können – darauf gibt es auch heute noch keine klaren Antworten. Man hätte aber zumindest erwarten dürfen, dass der Film diese Fragen stellt. Die Filmemacher haben sich entschlossen, das Problem Cambridge Analytica vor allem anhand involvierter Personen nachzuerzählen.

Cambridge Analyticas großer Hack“ kann Kontrollverlust des normalen Nutzers nicht erlebbar machen

So kommt zum Beispiel die ambivalente Brittany Kaiser, ehemalige Obama-Unterstützerin, dann Cambridge-Analytica-Mitarbeiterin, dann selbst erklärte Whistleblowerin, zu Wort. Oder der Forscher David Carroll, der vergebens versucht herauszufinden, welche Daten Cambridge Analytica über ihn gespeichert hat. Doch die Geschichte dieser Personen macht es für den normalen Nutzer nicht richtig erlebbar, was es bedeutet, das Recht an den eigenen Daten zu verlieren.

Man bekommt beim Zusehen das Gefühl, dass die Filmemacher ein drohendes „Was-wäre-wenn“ mehr beschäftigt als die Frage, was denn nun eigentlich passiert ist. Zumal es der Film auch versäumt zu erzählen, was sich inzwischen, etwa durch die Datenschutz-Grundverordnung, getan hat. Trotzdem ist das Thema natürlich relevant – Cambridge Analytica ist nicht die einzige Firma dieser Welt, die versucht (hat), Menschen mittels Daten zu beeinflussen. Jedes bisschen Aufmerksamkeit kann da helfen.

Von Anna Schughart/RND

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