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Medien & TV Deutscher (28) baut die Kulissen für „Game of Thrones“ – und zwar komplett digital
Nachrichten Medien & TV Deutscher (28) baut die Kulissen für „Game of Thrones“ – und zwar komplett digital
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07:45 24.04.2019
Kündigt am Ende der siebten Staffel die Weißen Wanderer an: Das Alarmhorn der Ostwache. Quelle: Philipp Scherer
Hannover

Tief tönt das Alarmhorn auf der Ostwache. Der rothaarige Tormund Riesentod steht auf der eisigen Festungsmauer und blickt mit zusammengekniffenen Augen auf das, was der warnende Klang aus dem Schalltrichter ankündigt: Den Tod, die Weißen Wanderer stehen vor dem letzten Bollwerk der Menschen gegen den Nachtkönig. Stille. Plötzlich erhebt sich der Drache Viserion aus den grauen Nebelschwaden und richtet seinen blauen Feuerstrahl auf die Mauer aus Eis.

Philipp Scherer hielt in dieser Sekunde des epischen Cliffhängers der siebten „Game of Thrones”-Staffel die Luft an, wie Millionen andere Fans der US-Fantasyserie auch. Doch im Gegensatz zu ihnen wusste Scherer bereits, was dann passieren würde. Er kannte die Szene lange vor der Ausstrahlung, er hatte sie schließlich mitgestaltet.

Game of Thrones“: Kampf um jede Drehbuchseite

Unaufgeregt erzählt der in Hamburg lebende 28-Jährige am Telefon von seiner Arbeit für die siebte und achte „GoT”-Staffel. Als digitaler Kulissenbauer war er sechs Monate in Belfast und hat dort auch das Alarmhorn der Ostwache konzipiert. Eine Arbeit, die zahlreiche Entwürfe gefordert und eine Woche Feinschliff in Anspruch genommen hat – und in der Serie in Sekunden zerstört wird. Eine Arbeit für den Augenblick.

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So wie in Sekunde 25 des letzten Teasers zur finalen Staffel, den die Produzenten David Benioff und D.B. Weiss zur „Game of Thrones”-Premiere in New York Anfang April veröffentlicht hatten. Eine kurze Kameraeinstellung durch einen Wehrturm auf Winterfell gibt den Blick frei auf den von Scherer mit entwickelten fünften Hof der Burg. Hier wird in der dritten Episode die große Schlacht stattfinden. Das hatte der slowakische Nachtkönig-Darsteller Vladimír Furdík auf einer Fankonvention im Dezember letzten Jahres verraten.

Kreiert am PC spektakuläre Szenen wie die Landschaft um den gefrorenen See: Der digitale Kulissenbauer Philipp Scherer. Quelle: Philipp Scherer/ picture alliance

Scherer sagt dazu nichts. Er war maßgeblich an jener Episode beteiligt, hat für das Art Department der „Game of Thrones”-Produktion, das für alles zuständig ist, was der Zuschauer zwischen Kamera und Greenscreen sieht, gearbeitet – unter anderem auch in den ehemaligen Belfaster Schiffshallen, wo die „Titanic” gebaut wurde –, und weiß um die strenge Geheimhaltung. „Wir haben um jede Drehbuchseite hart kämpfen müssen”, sagt Scherer. „Ein Skript für eine Episode war etwa hundert Seiten stark. Wir haben zuerst nur die Seiten für die Szenen bekommen, an denen wir auch gearbeitet haben.” Die letzte Folge war komplett unter Verschluss.

Jedes Detail zählt bei „Game of Thrones

Gestalterisch eine Herausforderung. Scherer fertigt zunächst Skizzen für die Sets und Requisiten an. Jede Information über den Inhalt der Szene bestimmt dabei die Komposition des Bildes, das Scherer am Computer mit fotografischen Tricks, räumlicher Tiefe, Überblendungen und Farbanpassungen später entwirft – wie zum Beispiel Eurons Schiff „Stille” oder die Landschaft um den gefrorenen See. In der sechsten Folge der siebten Staffel fällt Jon Schnee beim Angriff der Wiedergänger von einem Stein auf der Insel des Sees ins Wasser. Die Insel hat Scherer zunächst mit einem 3D-Modell aus Ton visualisiert. Doch wo muss der Stein in den Kampfszenen platziert sein? Wie hoch muss er sein? Kann man da herunterfallen?

Es sind auch diese Detailfragen, die Scherers kreativen Arbeit einen Rahmen geben. Seine Visionen konnte er in der finalen Staffel dennoch umsetzen. Für die dritte Episode arbeitete er mit dem Regisseur Miguel Sapochnik zusammen. Von der bloßen Visualisierung der Szenen der vorangegangenen Staffel mit erklärenden Dreiviertel-Ansichten wurden die Sets mit Sapochnik emotionaler und atmosphärischer. Passend zu der Endzeitstimmung in der achten Staffel.

Zur Person

Philipp Scherer wurde 1991 bei Freiburg geboren und hat 2011 Game Design an der HTW Berlin studiert. Zu seinen bisherigen Projekten als Selbständiger zählen neben „Game of Thrones” auch „Call of Duty”,„Horizon Zero Dawn” und „Artemis Fowl” (Kinostart am 3. Oktober 2019).

Wenn der Nachtkönig mit seiner Zombie-Armee gen Winterfell marschiert, wird Scherer wieder die Luft anhalten. Die Burg wurde für die finale Staffel deutlich erweitert. Neben dem fünften Hof wurden Verbindungsgänge und rundherum Festungsmauern entworfen und gebaut. „Die Schauspieler konnten sich so viel mehr bewegen”, sagt Scherer. „In der letzten Staffel hatten sie einen Radius von etwa zehn Metern. Jetzt konnten erheblich längere Szenen gedreht werden.” Auch das spricht für Winterfell als Austragungsort der großen Schlacht.

Eine Schlacht, bei der Tod und Zerstörung die Szenen bestimmen werden. Eine Arbeit für den Augenblick. Eine ausgezeichnete Arbeit. Für sie haben Scherer und seine Kollegen bereits einen Emmy-Award erhalten.

Von Amina Linke / RND

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