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Medien & TV „Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“: Das ZDF kann auch knallharte Action
Nachrichten Medien & TV „Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“: Das ZDF kann auch knallharte Action
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06:04 06.05.2019
Plötzlich in der Defensive: Sarah (Lisa Maria Potthoff) trifft auf einen skrupellosen Verbrecher. Gelingt es ihr dennoch, Egor (Stipe Erceg) zu stoppen? Quelle: Foto: Marion von der Mehden/ZDF
Mainz

Wer glaubt, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen Krimis nur zaghaft erzählen kann, wird durch die Fernsehreihe mit Ermittlerin Sarah Kohr eines Besseren belehrt. Die setzt nämlich ausgerechnet mit dem angeblich ach so vergreisten ZDF voll und ausschließlich auf Action. Als Zuschauer dieses Spektakels fühlt man sich verwundert zurückversetzt in die Zeit des Popcorn-Kinos der Neunzigerjahre, als ein Typ wie Bruce Willis im Alleingang und im zunehmend zerfetztem Unterhemd ganze Heerscharen von Halunken in die ewigen Jagdgründe für Böswichte geprügelt hat.

So etwas muss man schon mögen, und ganz offensichtlich tun dies immer noch erstaunlich viele. Sechs und sieben Millionen Zuschauer sind beim Auftakt der „Sarah Kohr“-Reihe 2014 und bei der Fortsetzung 2018 dabei gewesen, und so folgt jetzt bereits der dritte Streich, ein vierter ist übrigens schon in Arbeit.

Sarah Kohr“: Nicht allzu anspruchsvolle Krimikost

Allerdings sollte man irgendwie anspruchsvolle Krimikost auch von der nun gesendeten Folge „Das verschwundene Mädchen“ nicht erwarten. Hier geht es um pure Unterhaltung auf bestenfalls B-Film-Niveau. Dennoch ist einiges durchaus bemerkenswert. Beispielsweise die prominenten Darsteller, die hier mitmischen. Und vor allem die Idee, eine Frau in den Mittelpunkt des explosiven Geschehens zu stellen.

Wie furios sich diese Sarah Kohr dann durch den Film schlägt und schießt, das schaffen ihre männlichen Fernsehkollegen nicht in einem ganzen Jahr. Gespielt wird diese öffentlich-rechtliche Actionheldin von Lisa Maria Potthoff, die ja äußerlich eher unscheinbar und durchschnittlich wirkt. Und umso überraschender ist dann ihre fast übermenschliche Power, mit der sie hier zu Werke geht. Selbst die stärksten Typen haut sie weg wie nichts. Und wenn sie mal am Boden liegt, berappelt sie sich im Nullkommanix, um anschließend noch heftiger zuzulangen. Erstaunlich ist auch, dass Potthoff fast alle Stunts selbst bewältigt hat. Natürlich ist ihre Sarah eine eigensinnige Einzelgängerin, das versteht sich ja von selbst. Sie hat zwar irgendein Problem mit ihrer Mutter (Corinna Kirchhoff) und vermutlich auch mit Männern, aber Psychologie ist das Letzte, was den Regisseur Christian Theede und den Drehbuchautor Timo Berndt interessiert.

Sarah Kohr ist eine Art weiblicher Bruce Willis

Schließlich muss ihr weiblicher Haudrauf mit der Lizenz zum Töten zwar nicht die Welt retten, aber immerhin ein Attentat verhindern. Aber los geht es erst einmal mit einer Szene, die gleich mitten hineinführt ins Vergnügen. Mit vorgehaltener Smartphone-Kamera prügelt sich Sarah durch ein modernes Wohnhaus und erschießt dort dann einen Mann. Einen wichtigen Zeugen in einem Prozess gegen den ukrainischen Gangsterboss Lasarew (Ulrich Matthes). Doch wie sich dann schnell herausstellt, ist das Ganze ein reiner Fake.

Inszeniert, um Lasarew zu täuschen und so ein Mädchen freizubekommen, dass dessen Handlanger als Geisel genommen haben.

Ein großer Showdown – aber auch ein Happy End?

Das klingt kompliziert, ist es auch, aber im Grunde geht es um was ganz anderes. Und zwar um ein Attentat, mit dem sich Lasarew an der Polizeiführung und an dem Innensenator (Devid Striesow) rächen will. Natürlich aus familiären Gründen. Und da es ja um Familie geht, macht sich Sarah mit vollem Körpereinsatz ran an Lasarews Sohn Dan (Golo Euer). Dieser hat sich zwar vor Jahren schon von seinem Vater losgesagt, gleichwohl hofft Sarah, von ihm mehr über den geplanten Anschlag zu erfahren. Und vielleicht steckt er ja mit ihm sogar unter einer Decke.

Da dieser Dan jedoch ein richtig netter Kerl und Sarah nach ihrer Affäre mit ihrem Staatsanwalt (Herbert Knaup) gerade wieder solo ist, verknallt sie sich in ihn. Auch Heldinnen haben eben Gefühle, aber ein Happy End, das gönnt ihnen kein Drehbuchautor dieser Welt. Stattdessen steuert die Story unweigerlich mit Karacho auf einen Showdown hin: Mit tickender Bombe und allem, was dazugehört.

Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“ läuft am Montag, 6. Mai, um 20.15 Uhr auf ZDF

Von Ernst Corinth/RND

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