Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Medien & TV „Wir sind nicht die Kumpels der Politiker“
Nachrichten Medien & TV „Wir sind nicht die Kumpels der Politiker“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:03 05.07.2014
Foto: Politjournalist Thomas Walde führte 2013 das Sommerinterview mit Peer Steinbrück.
Politjournalist Thomas Walde führte 2013 das Sommerinterview mit Peer Steinbrück. Quelle: dpa
Anzeige

Herr Walde, Sie sind 1,93 Meter groß – hilft das im Umgang mit Machtmenschen?
Da mache ich mir keinen Kopf drum. Bei den Sommerinterviews sitzen wir ja, von daher spielt das sowieso keine Rolle. Wir  kreuzen ja zum Glück nur verbal die Klingen.

Zum Auftakt interviewen Sie Bundespräsident Joachim Gauck. Sind Sie bei einem Gesprächspartner dieses Kalibers auch mal nervös?
Nervös nicht, weil ich mich gut vorbereitet habe. Ich habe mir zum Beispiel angeschaut, was er so im letzten Dreivierteljahr an Interviews gegeben hat, und habe auch in die ein oder andere seiner Reden noch mal reingeschaut. Das ist journalistisches Handwerk, das einem auch eine gewisse Sicherheit gibt.

Die Gesprächsatmosphäre bei den Sommerinterviews ist entspannter als sonst. Begegnen Ihnen die Politiker entsprechend lockerer?    
Lockerer würde ich es nicht nennen, es ist einfach eine andere Form. Man kann in 20 Minuten einen Gedanken mal ein bisschen vertiefen und ist nicht gezwungen, alles in 20 oder 30 Sekunden auszudrücken, wie das in Nachrichtenformaten üblich ist. Die Leute stehen bei einem Sommerinterview nicht wie sonst unter dem Druck, alles ganz schnell auf den Punkt bringen zu müssen, sondern können einen Gedanken auch mal in Ruhe entwickeln. Und wir als Fragesteller müssen auch nicht so drängeln.

Welchen Fehler darf man als Journalist im Umgang mit Politikern auf gar keinen Fall machen?
Oje, man kann viel falsch machen als Journalist. Ich möchte jetzt keine allgemeinen Regeln formulieren, aber ich würde sagen, man muss das gesunde Verhältnis von Distanz und Nähe zwischen Journalisten und Politikern beachten. Wir sind nicht deren Kumpels, die sind nicht unsere Kumpels. Wenn man die Rolle des Fragestellers verlässt, wird es schwierig. Schlecht ist es, glaube ich auch, sich selbst zu wichtig zu nehmen, und wenig hilfreich ist es, einfach nur vorgefertigte Fragen abzuspulen und gar nicht mehr genau hinzuhören, was die Gesprächspartner antworten.

Sind die Fragen in den Sommerinterviews mit den Politikern abgesprochen?
Um Gottes willen, natürlich nicht. Wir informieren die Gesprächspartner vorab grob über die Themen, aber mehr auch nicht. Manchmal versuchen wir sie ja auch zu überraschen und ihnen mit etwas zu kommen, womit sie nicht rechnen. Genau das macht ja auch den Reiz aus. Wir wollen unsere Gäste schließlich nicht unterfordern.

Wie läuft das nach dem Interview: Trinkt man noch was zusammen oder geht jeder gleich seiner Wege?
Danach kann es schon mal sein, dass man noch einen Kaffee zusammen trinkt. Letztes Jahr zum Beispiel hatte ich mit Horst Seehofer einen Termin in einer Abtei in Bayern, und die Äbtissin hat uns nach dem Interview noch auf Kaffee und Kuchen eingeladen. Gerade bei solchen Gelegenheiten kann man dann noch Hintergrundgespräche führen und fragen, was sich in einer Partei so tut, damit man ein Gespür für die Themen kriegt, die gerade angesagt sind. Man sollte aber nie vergessen, dass sich Journalisten und Politiker bei einem solchen Termin immer in ihrer jeweiligen Funktion begegnen. Und das völlig unabhängig davon, wie nett und freundlich man miteinander umgeht. 

Was kann man als Interviewer gegen das typische Politiker-Blabla tun?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zuerst einmal muss man genau hinhören, dann kann man die Frage noch mal stellen, und schließlich kann man auch sagen: „Entschuldigung, das war jetzt ein bisschen floskelhaft.“ Oder: „Moment mal, die Frage haben Sie jetzt nicht beantwortet.“ Wenn der Interviewte dann der Ansicht ist, er habe die Frage beantwortet, kann man sich auch irgendwann sagen: „Okay, das können die Zuschauer schon einschätzen, ob sie mit dieser Antwort zufrieden sind oder nicht.“

Duzen Sie eigentlich jemanden aus der politischen Kaste?
Nur zwei Leute, die ich von früher kenne, aus einer Zeit, bevor sie in die Politik gegangen sind. Wir reden hier aber nicht über Kabinettsmitglieder oder so.

Zur Person

Der 51-jährige Thomas Walde war für den NDR und den Privatsender Vox tätig, bevor er 1994 zum ZDF wechselte. Dort arbeitete der Fernsehjournalist in den Studios in London und Washington, 2010 stieß er zum Team des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin. Er moderiert das Politmagazin „Berlin direkt“.  Zum Auftakt der sonntäglichen Gesprächsreihe „Berlin direkt – Sommerinterviews“ (Sonntag, 19.10 Uhr, ZDF) spricht Thomas Walde mit Bundespräsident Joachim Gauck, eine Woche später trifft sich Waldes Kollegin Bettina Schausten mit der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel.

Interview: Martin Weber

Medien & TV „Polizeiruf 110“ - Eiskaltes Magdeburg
04.07.2014
Medien & TV Britischer Abhörskandal - Andy Coulson muss ins Gefängnis
04.07.2014
04.07.2014