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Medien & TV Angriff des Kaugummi-Killers
Nachrichten Medien & TV Angriff des Kaugummi-Killers
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21:16 25.05.2014
Foto. Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann).
Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann). Quelle: ARD
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Gemeinsam haben sie Großes geleistet: Neunmal hat der Schweizer Regisseur Markus Imboden bereits Drehbücher von Holger Karsten Schmidt verfilmt, siebenmal hat Hinnerk Schönemann dabei die Hauptrolle gespielt. Zum vierten Mal verkörpert er am Montag in „Mord in Aschberg“ den Privatdetektiv Finn Zehender, einen etwas großmäuligen, aber charmanten Moralisten, den seine Gegner gern unterschätzen.

Aber in der Kunst ist es nicht anders als im Sport: Wer schon oft Meister geworden ist, schürt höchste Erwartungen. Gemessen am gewöhnlichen TV-Krimi ist „Mord in Aschberg“ immer noch mindestens ungewöhnlich; gemessen an den früheren Arbeiten von Schmidt und Imboden aber – allen voran „Mörder auf Amrum“ (Grimme-Preis für Schmidt, Imboden und Schönemann – ist zumindest keine Weiterentwicklung festzustellen. Obwohl der Regisseur mit dem gleichen Team zusammenarbeitete wie sonst (unter anderem Peter von Haller an der Kamera), fehlen diesmal etwas die inszenatorischen Finessen, die gerade auch die bislang drei Zehender-Filme („Mörderisches Wespennest“, „Tod einer Brieftaube“, „Mörderische Jagd“) ausgezeichnet haben.

Dieser Krimi lebt aber vor allem von seiner originellen Geschichte: Eine Frau (Julischka Eichel) beauftragt Zehender, ihren angeblich untreuen Gatten Jörg Albrecht (Peter Schneider) zu beschatten, und engagiert gleichzeitig einen Scharfschützen (Florian Lukas). Er soll den Mann erschießen, mit dem sich Jörg trifft. Was auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen will, entpuppt sich als perfider Plan, der dem Ehemann ein perfektes Alibi verschafft. Allerdings bittet nun auch der zunächst noch ahnungslose Ehemann den Privatdetektiv um Hilfe, und der stellt die Suche nach dem Mörder selbst dann nicht ein, als das Ehepaar den Auftrag zurückzieht – prompt landet er ebenfalls auf der Liste des Killers.

Dank seiner Handlung ist der Film wenigstens unkonventionell, aber der tiefere Reiz liegt wie auch bei den anderen Arbeiten von Schmidt und Imboden in den oftmals grotesken Einfällen. In dieser Hinsicht genießen gerade die Zehender-Krimis ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dazu zählt auch das immer wieder überraschende Verhalten der Figuren, zumal ein Typ wie der von Lukas als gefühlloser Psychopath verkörperte Afghanistan-Veteran, der auf alles zielt (und oft auch schießt), was sich bewegt, erst recht aus dem Rahmen fällt. Umso liebenswerter ist die von Hinnerk Schönemann mit wenig sichtbarem Aufwand verkörperte Hauptfigur: Im Grunde ist Zehender alles andere als ein strahlender Held – trotzdem liegen ihm die Damen zu Füßen. Man muss den Film schon allein wegen der sanften Ironie lieben, mit der Schmidt und Imboden erzählen, wie der Detektiv zwischen Staatsanwältin Agnes (Katja Danowski) und Kommissarin Karin (Stephanie Eidt) hin- und hergerissen ist.

Außerdem ist da natürlich noch der von Thomas Thieme unnachahmlich verkörperte Ex-Polizist Gerhard Mühlfellner, der nach einem überlebten Kopfschuss etwas wunderlich geworden ist und erneut die schönsten Zeilen hat. Aber auch in den weiteren Dialogen findet sich eine Vielfalt verblüffender Fundstücke. Und während Geräusche für gewöhnlich nicht auffallen sollen, tragen hier beispielsweise das Quietschen einer Hollywoodschaukel oder das Kaugummischmatzen des Killers maßgeblich zur Atmosphäre des Films bei.

Von Tilmann P. Gangloff

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