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Medien & TV Dschungelcamp-Finale: Die Siegerin mag kein Hirn
Nachrichten Medien & TV Dschungelcamp-Finale: Die Siegerin mag kein Hirn
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12:33 27.01.2019
„Oh, mein Gott!“ Evelyn ist die neue Dschungelkönigin. Quelle: TV NOW / Stefan Menne
Hannover

Der Sommer 2018 war bekanntlich so einiges zu sehr: zu heiß, zu trocken, zu sonnig, zu lang, also alles Mögliche, was man vorm angebrochenen Klimakollaps eigentlich klasse gefunden hätte. Eines aber konnte man definitiv nicht von ihm behaupten: dass er zu friedlich gewesen wäre. Bei all dem Regierungsstreit und Populistengepöbel stand 2019 demnach alles andere als ein Winter der Liebe ins Haus. Dachte man.

Bis Freitag.

Da nämlich wählten die krawallaffinen RTL-Zuschauer ausgerechnet drei ausgemachte Friedenstauben ins Finale von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, kurz IBES. Weshalb beim ultimativen Showdown nicht die streitsüchtigen Gockel Chris Töpperwien und Sebastian Yotta mit der hinreißend scheindämlichen Evelyn um den Titel des Dschungelkönigs hühnern, sondern: der zurückhaltend freundliche Greisen-Peter aus dem Schlagerseniorenstift und der noch viel zurückhaltender freundlichere GZSZ-Felix aus der Seifenopern-Kita.

Endlich enthüllt: Dafür steht das M auf Bastians T-Shirt

Hätte im Grunde nur noch die wirklich mal so richtig zurückhaltend superduperfreundliche Kufen-Sandra aus der Sportversenkung gefehlt, aber im Land der Disser und Hater wäre das dann doch zu wenig des Instagram-Feeds gewesen.

Und so herrscht im Camp sorgsam ausgeschlachtetes Erstaunen darüber, wer um den erstmalig ausgelobten Gewinn über 100.000 Euro kämpft und wer nicht. Die zwei selbsterklärten Topfavoriten nämlich wirken in der Nacht vorm Auszug wirklich emotional angefasst von Schicksal des abgestürzten Testosteronspiegels. Zurück im Luxushotel jubelt Curryking-Chris dann aber doch, die „Muppet-Show“ hinter sich zu haben. Womit wir endlich auch Gewissheit kriegen, was das „M“ auf Bastis Muskelshirt bedeutet.

Evelyn, Peter und Felix kämpfen um die Dschungelkrone. Jeder von ihnen bekam eine eigene Prüfung, um sich zu beweisen.

Niveau endlich komplett auf RTL-Höhe

Dessen sozialdarwinistischer FDP-Poweryoga-Dreiklang kommt dann aber doch noch mal zum Einsatz. Denn die Prüfungen des Finaltags heißen Strong! Healthy!! Full of Energy!!!, was Peter!!!! Felix!!!!! Evelyn!!!!!! letztmals mit Teppichpythons!!!!!!! Buschschweinelunge!!!!!!!! Huntsman-Spinnen!!!!!!!!! konfrontiert. Wenn auch erst nach der irren Erkenntnis, dass die telegen dusselige Bachelor-Kandidatin nicht zu wissen vorgibt, was „Ching-Chang-Chong“ ist und zur Auswahl Stöckchen vorschlägt. Dass sich Felix dann aber doch – nett wie er ist – freiwillig für „Healthy“ entscheidet, was nur scheinbar mit Essen zu tun hat, ist dann aber auch egal; die Fallhöhe des kollektiven Hungerns befindet sich wenige Stunden vor der Rückkehr in die Überflussgesellschaft nur noch auf dem RTL-Niveau, ergo: Grasnarbenhöhe.

Das Wesentliche also in aller Kürze: Peter „heute war ich Crocodile-Dundee“ Orloff – fünf Sterne fürs Rangeln mit Reptilien, wobei er ein Drittel seiner 74 Jahre jünger wirkt; Evelyn „ich werde als Buschfrau rausgehen“ Burdecki – drei Sterne fürs Würgen von Innereien, die sie rätselhafterweise „durch die Zunge in die Lunge“ schlucken wollte; Felix „ich heiß‘ ja nicht Chris, Digger“ van Deventer – vier Sterne für Küssen verschiedenster Tiere, von denen ihm nur die Schlangen zu zärtlich sind. Danach folgen noch die üblichen Anrufappelle an die Fanbase, eine Nacht ohne Kamerabegleitung, dann heißt es: Warten.

Evelyn: „Oh mein Gott“. Und dann nochmal

Warten auf Entscheidung, warten auf Erlösung, warten auf 100.000 Euro, die Evelyn allein in der letzten halben Stunde knapp 1500 (also jeweils drei Dutzend zwischen zwei Werbeblöcken) Mal mit „Oh mein Gott“ herbeisehnt. Klingt instagramgeschult.

Als sie bei der Verkündung von Peters dritten Platz Arm in Arm mit Felix den Endkampf herbei flennt, erscheint Daniel Hartichs Anmoderation vom Sendungsauftakt, „sie kamen als Stars, aber der Dschungel hat Menschen aus ihnen gemacht“, gar nicht mehr sarkastisch, sondern irgendwie, nun ja, wahrhaftig.

Evelyn fragt daher spürbar arglos, ob es das Preisgeld eigentlich „im Koffer, Überweisung oder Scheck“ gebe und beteuert aufrichtig, im Falle des Sieges Brunnen für Arme zu bauen und Bücher zu kaufen, was Felix mit einer publikumswirksamen Großspende ans Hundeheim kontert. Nützt aber auch nichts mehr, sorry. Denn der Dschungelkönig 2019 ist eine Dschungelkönigin namens Evelyn und mit dem Geld wohl erstmal aus dem Gröbsten raus. Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein Gott Oh mein RTL.

Mehr zum Dschungelcamp:

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Von Jan Freitag/RND

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