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Medien & TV Afrika für Norwegen!
Nachrichten Medien & TV Afrika für Norwegen!
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19:28 23.11.2014
Von Uwe Janssen
Bringt eure Radiatoren, eure stromfressenden Heizkörper, nach Norwegen, damit die armen Norweger nicht mehr so leiden müssen.
Bringt eure Radiatoren, eure stromfressenden Heizkörper, nach Norwegen, damit die armen Norweger nicht mehr so leiden müssen. Quelle: Scrrenshot/Youtube
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Oslo

Weihnachten naht. Wir gehen in uns, sind milde gestimmt, öffnen unsere Herzen, geben gern, glauben an das Gute und glauben sowieso alles mögliche. Und weil die Vorweihnachtszeit auch die Zeit der guten Taten ist und der der kollektiven Hilfe, rücken Charity-Songs jetzt wieder ins Rampenlicht. Gerade hat der musikalische Helfershelfer schlechthin, Bob Geldof, eine Neuauflage seines Songs „Do they Know it’s Christmas“ angekündigt und mit geradezu überschäumender Vehemenz Respekt, Anteilnahme und maßlose Beteiligung für das Projekt eingefordert, dass der Bekämpfung von Ebola zugute kommen soll. Was manche Musiker in eine Zwangslage bringt: Lehnen sie, aus welchen Gründen auch immer, ab, stehen sie als schlechte Menschen da, obwohl ihnen Hilfsbereitschaft wahrlich nicht abgeht. Aber es ist eben immer auch ein Spiel mit Moral und Doppelmoral.

Und inmitten dieses Spannungsfeldes kommt ganz unschuldig und vertraut ein Charity-Video daher, das wunderbar mit unserem Gutmenschentum und unseren Gewohnheiten spielt. „Radi-Aid for Norway“ heißt es, das Video dazu rotiert gerade durchs Internet. Schwarze Soulsänger versammeln sich in einem Studio, alle tragen die gleichen T-Shirts,  sie schwelgen in einet weltumarmenden Klavier-Gospel-Ballade und fordern leidenschaftlich Hilfe für die bedürftigen frierenden Menschen ein.
In Norwegen.

Die Botschaft: Ihr da oben habt uns in Afrika immer so toll unterstützt, jetzt geben wir euch etwas zurück: Wärme! Davon haben wir genug, aber wir können sie nicht einfach transportieren. Also rufen wir alle Afrikaner auf: Bringt eure Radiatoren, eure stromfressenden Heizkörper, nach Norwegen, damit die armen Norweger nicht mehr so leiden müssen. Textauszug: „Nun wendet sich das Blatt / Nun heißt es Afrika für Norwegen / und wir können die Augen nicht verschließen / wir sehen doch, dass sie frieren“. Dazu im Bild: glückliche Norweger, die von lächelnden Afrikanern Heizkörper überreicht bekommen.

Das funktioniert schon als Persiflage super, aber es führt auch den Erstwelt-Betrachter vor – und zeigt, wie es ist, wenn sich „die anderen“ ihre Vorurteile über ein Land, ein Volk oder einen Kontinent selbst zusammenbauen und mit großzügiger Hilfe  nicht nur helfen, sondern auch diese Vorurteile manifestieren. Ausgedacht und umgesetzt haben sich das Studenten aus dem ewig kalten Norwegen. Man darf sich ertappt fühlen. Aber man darf auch lachen. Das entkrampft manches.
Und wärmt. 

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