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Medien & TV Günther Jauch: “Ich zittere nur vor einer Sendung”
Nachrichten Medien & TV Günther Jauch: “Ich zittere nur vor einer Sendung”
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19:48 03.09.2019
1999 moderierte Günther Jauch (rechts) die erste Sendung von "Wer wird Millionär?". Links ein aktuelles Foto des Moderators. Quelle: imago images/Future Image/RTL/Montage RND
Köln

Günther Jauch hat etwas zu feiern: Seit 20 Jahren gibt es „Wer wird Millionär?“. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Deutschlands beliebtester Moderator über die allererste Sendung, über Lampenfieber und die Zukunft der Quizshow.

Herr Jauch, stimmt es, dass Sie seit 20 Jahren mit demselben Song auf die Bühne kommen, bevor "Wer wird Millionär?" beginnt?

Das ist richtig. „Let Me Entertain You“ von Robbie Williams. Einer von unseren Warm-Uppern hatte mal die Idee und seitdem ist der Song geblieben. Ich bin aber für neue Vorschläge offen.

Also demnächst vielleicht „Cordula Grün“?

(lacht) Eher nicht. Eigentlich müsste ja „Ich wär so gerne Millionär“ von den Prinzen unsere ewige Hymne sein…

Einer Ihrer Warm-Upper erzählt dem Publikum immer, dass Sie sehr gerne am Knie gestreichelt werden, wenn Sie reinkommen und an der ersten Reihe vorbeigehen. Ist das jemals vorgekommen?

Das höre ich heute von Ihnen das erste Mal. Dass mein Knie mittlerweile zu meinen erogenen Zonen gehört, wäre mir auch neu.

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Können Sie sich noch genau daran erinnern, was Sie in Ihrer allerersten Sendung getragen haben?

Nein, aber ich weiß, dass die Sendung damals in Holland aufgezeichnet wurde. Wir waren alle wahnsinnig aufgeregt. Meine Moderation war eher etwas zäh, weil ich so viel nachgedacht habe, um nur nichts falsch zu machen. Das Ergebnis dieser Sendung war auch dementsprechend bescheiden. Übrigens auch bei den Zuschauern. Die Quote war für einen Freitag mittelmäßig – irgendwo im „Drei Millionen“-Bereich. Dann kam der Samstag und wir landeten nur noch bei zwei Millionen Zuschauern. Das sah ganz trübe aus. Dann erschien die „Bild am Sonntag“ mit dem Satz: „Den größten Fehler hat aber Günther Jauch gemacht, indem er diese Sendung übernommen hat.“ Am Sonntagabend hat sich die Quote dann aber fast verdoppelt und am Montag landeten wir bei über sieben Millionen Zuschauern. Da war jedem klar: „Hey, irgendwas passiert hier.“

Günther Jauch moderierte die erste Sendung von "Wer wird Millionär?" am 03. September 1999

Wie viele Sendungen waren denn zunächst geplant?

Nur diese vier. Zu denen hatte ich mich auch verpflichtet. Ein einfacher Testlauf. Vier Sendungen an vier Tagen hintereinander.

Jetzt sind es 20 Jahre „Wer wird Millionär?“ geworden. Sie haben mal erwähnt, dass es nur einen Handschlag-Vertrag mit RTL gibt. Aber arbeitet diese Person überhaupt noch beim Sender?

Nein, das war damals Helmut Thoma. Seitdem geht es immer auf Zuruf: Machen wir weiter oder nicht? Sowohl der Sender als auch ich können jederzeit sagen: Danke das war’s. Einmal im Jahr setzen wir uns zusammen und gucken, ob es der Zuschauer noch mag, ob der Sender Freude daran hat und ich noch Lust dazu habe. Wenn drei Mal der Daumen hochgeht, machen wir weiter. Wenn er irgendwo einmal runtergeht, war’s das.

Vor anderthalb Jahren haben Sie mal gesagt, dass Sie gerne die 20 Jahre vollmachen wollen würden. Wie lautet nun Ihr neues Ziel?

Die nächste runde Summe wären 25 Jahre. Keine Ahnung, ob es dazu kommt. Das ist eigentlich auch das Schöne, dass auf beiden Seiten diese totale Freiheit ist. Dass wir es schlichtweg davon abhängig machen können, wie wohl sich alle dabei fühlen.

Und es passieren ja immer wieder Dinge zum ersten Mal in der Sendung

… wie zum Beispiel, dass die falsche Kandidatin nach vorne kommt. Das ist nach 20 Jahren zum ersten Mal vorgekommen. In jeder Sendung kann etwas passieren, womit niemand rechnet. Das ist ja auch klar: Da tritt Gottes großer Zoo auf und nicht nur jeder Jeck, sondern jeder Mensch ist anders. Das macht das Ganze interessant und spannend. Ich finde, alles lebt davon, dass ich am Ende einer Sendung sage: Das war schön heute, wie ein Kandidat oder eine Kandidatin aus der Klischeeschublade gesprungen ist. Da kommt zum Beispiel eine aufgedonnerte Dame herein und man denkt schon: Um Himmels Willen was soll das jetzt werden? Und auf einmal entpuppt sie sich als ganz reizende Gesprächspartnerin, weiß über Dinge Bescheid, die man ihr niemals zugetraut hätte und ist sogar selbstironisch unterwegs. Sowas macht dann großen Spaß.

"Günther - diesen Namen kann ich so ohne Weiteres keinen jungen Eltern empfehlen"

Worin besteht für Sie der größte Unterschied zu den ersten WWM-Sendungen und heute?

Vom Spielprinzip und der optischen und akustischen Anmutung her hat sich die Sendung fast gar nicht verändert. Das gilt normalerweise ja immer als Rückschritt oder Hindernis für fortwährenden Erfolg. Aber ich glaube, dass das eine Stärke dieses Formates ist. Das unglaublich einfache Spielprinzip, das sofort jeder begreift und diese Spannung, die aus dem Charakter des Kandidaten und aus der Originalität der Fragen herrührt. Wir haben eine großartige Fragenredaktion, die sich immer wieder lustige und spannende Dinge ausdenkt. Viele Zuschauer senden mir Fragen ein wie „Hatte die ‚Titanic‘ 67.369 Schrauben? Oder 423.500? Oder 76.892? Oder waren es nur 16.713?“ Das ist ein Beispiel für eine völlig irrelevante, langweilige Frage. Es ist nämlich völlig egal, wie viele Schrauben die hatte. Aber die Frage: Welcher von diesen vier Bäumen kommt in Deutschland am seltensten vor? Tanne, Kiefer, Buche oder Eiche? Da kommt man ins Grübeln. Dann geht es um Weihnachtsbäume und die ökologischen Folgen von Monokulturen. Und wenn dann die Lösung ist, dass nur 1,5 Prozent der Bäume in Deutschland Tannen sind, ist die allgemeine Überraschung riesig. Man denkt ja, es gibt nur Tannen in unseren Wäldern. Die Zahl der Titanic-Schrauben ist dagegen völlig wurscht, wenn nicht herauskommt, dass das Schiff von gerade mal 2 Dutzend Schrauben zusammengehalten wird.

Zwischen den Raterunden erzählen Sie auch immer vieles, was Ihnen im Alltag widerfährt. Haben Sie mal daran gedacht, Ihre Autobiografie zu veröffentlichen?

Damit tue mich schwer. Ich glaube, da gibt es genügend Menschen um mich herum, die das gerne verhindert sähen. (lacht)

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Auf einer Skala von eins bis zehn. Wie ehrgeizig sind Sie?

9,5. Mir macht Wettkampf Spaß. Ich habe da auch einen Ehrgeiz, muss mich aber bremsen, weil man sich jenseits der 60 nicht chronisch lächerlich machen sollte. Aber ansonsten mag ich dieses Kompetitive und habe das immer gerne gemacht. Man ist ja sowieso immer im Wettbewerb. Man muss eine bessere Idee haben als die anderen. 30 Jahre kommerzielles Fernsehen schafft man nicht aus dem Schaukelstuhl. Da braucht es gelegentlich auch Ellenbogen.

Wie erklären Sie sich den Widerspruch, dass sie seit Jahren zu den beliebtesten Moderatoren Deutschlands zählen, aber Eltern ihren Nachwuchs nicht mehr Günther nennen?

Es ist tatsächlich so, dass ich so gut wie nie auf Menschen treffe, die jünger sind als ich und Günther heißen. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts war Günther in Deutschland tatsächlich der beliebteste männliche Vorname. Ich bin nach einem Onkel von mir benannt, der zu der Zeit geboren ist. Aber der Name scheint gänzlich aus der Mode gekommen zu sein. Man merkt ja, Emil und Fritz sind wieder da. Aber Günther, Herbert, Helmut – ich glaube, für die ist das Kapitel abgeschlossen. Ich kann diese Namen so ohne Weiteres auch keinen jungen Eltern empfehlen.

Wurde in all den Jahren denn was am Studio geändert?

Es sind mal drei Lichtleisten ausgetauscht worden, mehr nicht. Wie ich an den Kratzspuren an meinem Stuhl sehe, ist das immer noch das Original aus dem vorigen Jahrtausend. Aber ich kriege eh keinen neuen.

Apropos, vor dem Studio hängt schon seit Jahrzehnten ein großes Plakat von Ihnen…

Das ist ein Jugendfoto von mir. (lacht) Wind und Wetter sorgen für die Falten, die ich im richtigen Leben ohnehin habe.

RND-Reporter Thomas Kielhorn im Interview mit "Wer wird Millionär?"-Moderator Günther Jauch.

Wie lange muss man als Zuschauer mittlerweile auf Karten warten?

Das weiß ich nicht genau. Aber das kann man leicht nachrechnen: Es passen rund 200 Leute ins Studio und wir haben eine Warteliste von 50.000 Menschen. Für ein paar Jahrzehnte wird es noch reichen. Ich frage die Zuschauer nach jeder Sendung immer, wie lange sie auf die Karte gewartet haben und der Rekord liegt bei elf Jahren.

Eine gute Freundin von mir kommt aus Venezuela und die hat mir erzählt, dass sie mit WWM Deutsch gelernt hat. Das ist kein Einzelfall, oder?

Das stimmt. Es ist natürlich schön, weil man die Frage sieht und dann mitlesen und mithören kann. Außerdem wurde mir schon als Kind eingetrichtert, nur ja nicht zu nuscheln. Mir begegnen öfter Menschen, die über Satellit in den exotischsten Ländern mithilfe der Sendung sehr gut Deutsch gelernt haben.

Haben Sie nach all den Jahren eigentlich immer noch Lampenfieber?

Es gibt nur eine Sendung, vor der ich jedes Jahr zittere und das ist der Jahresrückblick. Den habe ich zwar jetzt schon 32 Jahre lang moderiert, aber die Nervosität lässt leider nicht nach. Bei „Wer wird Millionär“ bleibt mein Puls dafür chronisch unter dem der Kandidaten… (lacht). Irgendwie ist dieses Studio für mich inzwischen so etwas wie ein Wohnzimmer.

Von Thomas Kielhorn/RND

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